Weniger Chaos, als viel mehr Ordnung. Kuratorin Blanca Giménez erklärt das Konzept der Open-Codes-Ausstellung | Foto: Rake Hora

Open-Codes-Kuratorin

Ausstellungskonzept zwischen Chaos und Ordnung

„Chaotisch könnte man nicht kuratieren“, stellt Blanca Giménez, Kuratorin der Ausstellung „Open Codes – Leben in digitalen Welten“ klar. Trotzdem drängt sich zunächst beim Ausstellungsbesuch die Frage auf, ob es sich bei der Anordnung der Exponate um ein geordnetes Chaos handelt.

Hashtags führen den Weg

Klar wird bei dieser Frage: Eine eindeutige sich im Raum widerspiegelnde Ordnung war in der Ausstellung nicht zu schaffen – und sie war auch nicht beabsichtigt. Dafür sind die Exponate insgesamt acht Themenbereichen zugeordnet. Vor jedem der Namen für diese Bereiche steht ein Hashtag, der Tradition folgend, dass beispielsweise bei Twitter so Inhalte ihre zugehörigen Schlagworte bekommen. Es geht schließlich um die große Welt des Digitalen. Viele der Ausstellungsstücke fallen nicht nur unter eine Kategorie, sondern gleich unter mehrere. Hier liegt auch einer der Gründe, warum es keine eindeutig räumlich zugeordneten Themenbereiche in der Ausstellung gibt: Es wäre schlicht unmöglich, sie zu schaffen aufgrund der schier uferlosen Zuordnung zu den verschiedenen Hashtags. Außerdem merkt Giménez an, eine Aufteilung in abgetrennte Bereiche „macht einfach keinen Sinn, wenn wir von digitalen Welten reden und alles vernetzt ist“.

Kontrast zur Kälte des Digitalen

Einige Zwänge gab es dann doch: So sollte die Ausstellung zwar offen sein, aber „einige Wände mussten wir bauen“. Denn einige der Ausstellungsstücke benötigen Licht oder Dunkelheit, müssen dafür von Wänden umgeben werden und sind deshalb – rein räumlich natürlich – an den Rand gerückt. Und: „Die organische Struktur war Peter Weibel wichtig“, betont Giménez. So wirkt es, als gäbe es eine Art Zentrum, von dem alles in Strahlen weggeht. Die organische Struktur soll hier auch bewusst der als eher kalt und abweisend wahrgenommenen Welt des Digitalen gegenüberstehen und diese aufbrechen.

Warnung vor der digitalen Arbeitswelt

Auch stehen manche Dinge bewusst einander gegenüber: Während auf der einen Seite ein großer Arbeitsbereich die Möglichkeit zum gemeinsamen Arbeiten für Ausstellungsbesucher bietet, blickt genau gegenüber Shawn Maximo mit seinem Werk „Open Doors“ auf die Schattenseiten des Arbeitens bei Start-ups. Manches liegt dann thematisch doch mit voller Absicht beieinander.

Privat- und Arbeitswelt lösen sich in der Ausstellung auf

Ohnehin fließt bei „Open Codes – Leben in digitalen Welten“, wie der vollständige Titel ist, vieles zusammen. Deswegen spricht ZKM-Vorstand Peter Weibel auch von einem „Bildungsexperiment“. Die Arbeitsbereiche – neudeutsch „Coworking Spaces“ genannt – kann jeder buchen. Wenn sie frei sind, kann man dort auch einfach Platz nehmen. Im Museum stehen zudem Tischtennisplatte und Tischkicker. So werden Arbeits- und Privatwelt in der Digitalwirtschaft wie auch im ZKM immer mehr ein einziger gemeinsamer Raum ohne klare Trennung.

Besucher bleiben nicht allein

Ganz allein bleiben die Besucher nicht in den zunächst etwas unüberschaubaren „Open Codes“. „Ja, die Leute könnten sich verloren fühlen“, gibt Giménez zu. Und auch wenn es, wie sie sagt, wichtig war, dass es nicht einen allein richtigen Weg durch die Ausstellung gibt, stehen Hilfen bereit: In der Broschüre werden alle Themenbereiche erklärt. Es gibt einen großen Plan mit allen Werken sowie acht kleine Pläne zu den jeweiligen Hashtags. Die Smartphone-App bietet außerdem mit einem Audioguide Hilfe. Schlussendlich sind da noch, ganz analog, regelmäßig stattfindende Führungen sowie Beschreibungen zu jedem Werk: Auf schwarzem Grund stehen die zugehörigen Hashtags, die Themenbereiche, denen die Werke zugeordnet sind. Auf weißem Grund findet sich die klassische Beschreibung.