Ein autonom fahrender Elektro-Mini-Omnibus bei einer Vorführung vor dem Gebäude des KVV.
Ein autonom fahrender Elektro-Mini-Omnibus bei einer Vorführung vor dem Gebäude des KVV. | Foto: dpa

Bürger fragen bei Forum nach

Autonomes Fahren vor dem Start

Von Rüdiger Homberg

Autonomes Fahren in Karlsruhe ist kurz vor dem Start – zumindest versuchsweise: „Wir bauen das Fußballstadion, darauf spielen müssen andere“, sagt der Wissenschaftler Marius Zöllner, Professor am KIT und am Forschungszentrum Informatik (FZI). Mit diesem Beispiel aus dem Sportbereich beschreibt er die Funktion des Testfeldes Autonomes Fahren, für das Karlsruhe den Zuschlag bekommen hat. Neben dem KIT und dem FZI sind in dem Konsortium der KVV als Betreiber, die Hochschulen Karlsruhe und Heilbronn sowie die Städte Karlsruhe, Bruchsal und Heilbronn vertreten. Dieses Konsortium stellt die wissenschaftlichen, technischen und juristischen Grundlagen des Testfeldes zur Verfügung. Andere können auf diesem Feld ihre autonom fahrenden Fahrzeuge testen. Das wurde am  Freitagabend deutlich, als die Stadt Karlsruhe und die anderen am Konsortium beteiligten Institutionen im Bürgerzentrum „Südwerk“ in Südstadt-Ost bei einem Bürgerforum über die Planungen informierten. Rund 100 Interessierte waren gekommen, um sich nach einem einleitenden Vortrag von OB Frank Mentrup und kurzen Impulsreferaten von Zöllner zu Forschung und Technik, Bürgermeister Michael Obert zum Testfeldaufbau in Karlsruhe und VBK-Geschäftsführer Ascan Egerer zum Betrieb des Testfeldes mit Fragen und Ideen zu beteiligen.

Dazu waren drei Expertentische eingerichtet zu den Themenkomplexen Flächenkulisse in Karlsruhe, Recht und Datenschutz sowie Technik und Sicherheit. Am Tisch Flächenkulisse kam etwa die Frage auf, wann das Testfeld betriebsbereit sei. Eine Kreuzung am Ostring wird in wenigen Wochen soweit mit Kameras eingerichtet sein, dass dort erste Versuche stattfinden können. Auch eine Wetterstation wird in der Nähe arbeiten und die Daten über die für den Betrieb notwendigen aktuellen Witterungsbedingungen in das digitale Netz einspeisen. Die wichtigsten Teile des Testfeldes sollen im kommenden Frühjahr zur Verfügung stehen. Autonom fahrende Busse im Bereich Rüppurr, Weiherfeld, Dammerstock werden wohl ab etwa 2019 „die letzte Meile“ bis zur Straßenbahn zurücklegen. Auch dies eine Frage am Tisch Flächenkulisse.

Der Tisch zum Thema Recht befasst sich neben anderem mit der mehrmals gegebenen Zusicherung, dass im autonom fahrenden Fahrzeug immer ein speziell geschulter Fahrer mitfahren wird, der im Falle eines Falles schnell eingreifen kann. Wie etwa ein Fahrlehrer im Fahrschulwagen, der nötigenfalls tätig werden kann. Autonom fahrende Fahrzeuge ohne solches Personal wird es während des Betriebs des Testfeldes nicht geben. Und nicht nur die Fahrer müssen besonders geschult sein und dies nachweisen. Auch die Fahrzeuge brauchen eine besondere, vom TÜV erteilte Zulassung nachweisen. Aufnahmen der Kameras, die für den Betrieb nötig sind, werden sofort verpixelt. Innerhalb von 80 Millisekunden werden die aufgenommenen Objekte so verändert, dass sie nur noch als eine Art Bauklötzchen wahrzunehmen sein. Außerdem sollen die Bilder, auch das Thema an diesem Tisch, nur für wissenschaftliche Zwecke genutzt werden.

Praktische Fragen

Am Technik-Tisch wurde sehr praktische Fragen gestellt. Etwa, was passiert, wenn ein autonom fahrendes Fahrzeug von der Polizei mittels Kelle zur Kontrolle angehalten werden soll oder wenn ein Blaulicht-Einsatzfahrzeug überholen will. Hier muss der mitfahrende Fahrer aktiv werden.