Die Stadtbahnlinie S 5 ist immer wieder von Fahrtausfällen betroffen - unser Bild zeigt den Haltepunkt Söllingen Bahnhof. | Foto: Müller

AVG hat weiter Probleme

Auf „neuen Wegen“ zu mehr Fahrern

Ein Blick in den Ticker des Karlsruher Verkehrsverbundes (KVV) zeigt es am Freitag und am Samstag: Die Probleme der Albtal-Verkehrsgesellschaft (AVG), den fahrplanmäßigen Stadtbahnbetrieb einzuhalten, dauern an. Gründe sind weiterhin die nicht ausreichende Zahl an Fahrern sowie zuletzt kurzfristige Krankmeldungen. Diese führten dazu, dass das Unternehmen unlängst schon im Vorfeld auf ausfallende Verbindungen hinwies.

Neues Konzept angemahnt

Der FDP-Bundestagsabgeordnete Christian Jung (Wahlkreis Karlsruhe-Land) hat den Karlsruher Oberbürgermeister Frank Mentrup (SPD) als Aufsichtsratsvorsitzenden der AVG aufgefordert, „schleunigst zusammen mit der Geschäftsführung ein überarbeitetes Konzept vorzulegen, wie man die Fahrtausfälle in Zukunft vermeidet, und eine Ursachenforschung für die Häufung und die Menge von kurzfristigen Krankmeldungen von Triebwagenführern vorzunehmen.“

Ärgerlich

Mentrup erklärt dazu: „Fahrtausfälle aufgrund fehlender Personalpuffer bei kurzfristigen Krankmeldungen erzeugen bei Fahrgästen Verdruss und sind für die Verkehrsbetriebe unter den bestehenden Rahmenbedingungen eine echte Herausforderung. Der kürzliche Engpass hat in der Zeit der Schulferien und an einem Brückentag nur einen eingeschränkten Personenkreis betroffen, ist für die Betroffenen dennoch ärgerlich genug. Die AVG arbeitet an der Problematik seit Jahren sehr intensiv und hat erst kürzlich wieder weitere neue Wege vorgestellt, um Interesse für den Beruf der Triebwagenführer zu wecken. Derzeit suchen alle Eisenbahnunternehmen in Deutschland händeringend qualifiziertes Personal.“

Die „neuen Wege“

Die „neuen Wege“ sehen laut AVG so aus, dass man sich jetzt bereits mit einem Hauptschulabschluss bewerben kann, nachdem bislang eine abgeschlossene Berufsausbildung gefordert war. Zudem wurde das Mindestalter für die neunmonatige Qualifizierungsmaßnahme zum Triebfahrzeugführer abgesenkt – früher galt 21 Jahre, jetzt sind es 20. Die AVG wirbt weiter damit, dass die Mitarbeiter ab dem ersten Arbeitstag in der Qualifizierungsmaßnahme „ein attraktives Gehalt“ bekommen.

Nicht alle kommen durch

Als eine Schwierigkeit bei der Personalgewinnung galt bislang stets, dass sich zwar noch relativ viele Personen für die Schulung zum Triebfahrzeugführer bewerben, vergleichsweise viele aber nicht bis zum Ende kommen.

Kurzfristiges Einspringen

Seitens der AVG wird betont, dass es in den Situationen akuten Personalmangels „sehr viele Mitarbeiter gibt, die regelmäßig kurzfristig einspringen und großen Einsatz zeigen“. Doch das wird zum Problem. Aufgebaute Überstunden müssen abgebaut werden, und die Diensteinteilung bei den Fahrern wird vielfach auch als „kurzfristig“ wahrgenommen: Private Planungen auf Sicht einer Woche seien kaum möglich.

Fahrgastzahlen steigen nicht

Das seit Jahren virulente Thema des Fahrermangels und ausfallender Verbindungen im Zusammenwirken mit den Auswirkungen der baustellenbedingten Umleitungen könnte auch Ursache eines finanziell durchschlagenden Sachverhalts sein, den Jung anspricht: „Bundesweit steigen die Fahrgastzahlen im ÖPNV, rund um Karlsruhe ist dies nicht der Fall.“

AVG betroffen, VBK nicht

In diesem Kontext fällt auf, dass die Tramlinien der Verkehrsbetriebe Karlsruhe (VBK) von Fahrtausfällen nur selten betroffen sind. Zwar gebe es auch bei den VBK kurzfristige Krankmeldungen. Jedoch hätten die VBK einen deutlich stärkeren Personalbestand, auf den man zurückgreifen könne. Ein Tausch zwischen AVG- und VBK-Fahrern geht nicht: Ausbildung und Zulassung sind unterschiedlich.