Repräsentanten der Republik Baden stellen sich vor dem steinernen Symbol der absoluten Monarchie, dem Rastatter Schloss Favorite, zum „Gruppenbild mit Damen“ auf. Es zeigt Mitglieder des badischen Landtags und des ersten Kabinetts Gustav Trunks im Oktober 1921.
Alt und neu vereint: Repräsentanten der Republik Baden stellen sich vor einem Symbol der absoluten Monarchie – Schloss Favorite in Rastatt – im Oktober 1921 zum „Gruppenbild mit Damen“ auf. | Foto: GLA Karlsruhe J-Ac, A 68

Generallandesarchiv Karlsruhe

Baden 1818 -1919: Ein Ritt durch die Demokratiegeschichte

„Demokratie wagen? Baden 1818 – 1919“. So heißt eine Ausstellung, die bis 12. August 2018  im Generallandesarchiv Karlsruhe zu sehen ist. Sie rekurriert auf wichtige Zäsuren in der badischen Geschichte: die badische Verfassung von 1818, die Revolution von 1848/49 sowie den Zusammenbruch der Monarchie 1918. Im Jahr darauf erhielt Baden eine republikanische Verfassung. Anhand vieler – auch bislang unbekannter – Dokumente und Bilder zeichnet die Schau Demokratiegeschichte nach.

Demokratiegeschichte zum Schmunzeln? „Sonst, Jetzt“: Die Karikatur zeigt den deutschen Michel und seinen Fürsten.
Demokratiegeschichte zum Schmunzeln? „Sonst, Jetzt“: Die Karikatur zeigt den deutschen Michel und seinen Fürsten. Sie spielt auf die revolutionäre Situation 1848 an. | Foto: GLA Karlsruhe J-S Karikaturen, 103

Bei dieser Karikatur fällt es nicht leicht, Ross und Reiter zu nennen. „Sonst“ trägt der deutsche Michel den Fürsten und die Hände sind ihm gebunden. „Jetzt“ aber läuft es umgekehrt: Der seiner Fesseln entledigte Michel reitet obenauf und dreht seinem früheren Peiniger eine lange Nase. Doch die zwei Reiter begegnen sich auf Augenhöhe – eine erneute Umkehrung der Verhältnisse scheint jederzeit möglich.

Monarchie und/oder Demokratie?

Auf die revolutionäre Situation im Frühjahr 1848 spielt das Spottbild an: Die Monarchie muss vor dem Schwung der Märzerhebungen zurückweichen, sie fällt aber nicht ganz. Für Peter Exner thematisiert diese Karikatur genau die Grundsatzfrage, um die das 19. Jahrhundert mit Herzblut rang: „Monarchie und/oder Demokratie?“. Bis November 1918 blieb offen, wie es ausgehen würde.

Demokratiegeschichte im Musterländle

Exner ist Kurator der Ausstellung „Demokratie wagen? Baden 1818- 1919“. Bis 12. August ermöglicht diese Präsentation im Generallandesarchiv Karlsruhe einen Ritt durch die Demokratiegeschichte des viel zitierten „liberalen Musterländles“. Und die Besucher werden dabei kräftig durchgeschüttelt. Denn der Ritt in Richtung Demokratie und Menschenrechte verlief keineswegs geradlinig, sondern mit viel Auf und Ab, mancher stürzte sich dabei gar zu Tode.

Die liberalste Verfassung ihrer Zeit

Dabei hatte es nach den Turbulenzen der Französischen Revolution und der Befreiungskriege zunächst so ausgesehen, als ob das Großherzogtum auf einem guten Weg sei: Die Verfassung, für die der todkranke Großherzog Karl 1818 den Weg freimachte, gilt als liberalste ihrer Zeit. Baden war fortan eine konstitutionelle Monarchie – was Karls Nachfolger, Großherzog Ludwig, höchst unerfreulich fand. Trotzdem blieb dem „Huldreichen“ nichts anderes übrig, als der Verfassung mit dem Ständehaus in Karlsruhe 1820 eine „steinerne Urkunde“ errichten zu lassen.

„Diese Ausstellung ist ein Bekenntnis“

Demokratie wagen? Das Fragezeichen ist bewusst gesetzt. „In Baden war das 19. Jahrhundert vom Kampf um die Staatsform und das Herrschaftsprinzip gekennzeichnet“, sagt Exner: „Anhänger der Monarchie stritten – nicht nur verbal – mit den Befürwortern einer breiteren Beteiligung des Volkes um die Befehlsgewalt“. Dass am Ende des Ritts das Gemeinwesen stehen würde, in dem wir zu Beginn des 21. Jahrhunderts leben dürfen, war und ist nicht selbstverständlich. „Diese Ausstellung ist ein Bekenntnis“, sagt Exner: „Sie berichtet vom Herzblut der Zeitgenossen.“

„Gegen die Einflüsterungen von Demokratiegegnern immunisieren“

Vor allem aber soll die Ausstellung einen Beitrag zur Diskussion leisten.  „Wir wollen in Zeiten der sinkenden parlamentarischen Legitimierung, der Fake–News und des völkischen Populismus die Errungenschaft individueller Freiheitsrechte verdeutlichen“, sagt Exner. Das Generallandesarchiv hofft, mit der Schau viele junge Menschen anzusprechen: „Die Ausstellung will Schülerinnen und Schüler in ihrer historischen und politischen Urteilskraft stärken und gegen die Einflüsterungen von Demokratiegegnern immunisieren.“

Demokratie wagen. Baden 1818-1919:
Weitere Infos über die Ausstellung zur Demokratiegeschichte gibt es hier.