Kommunale Radwege werden vom Land Baden-Württemberg 2020 mit so hohen Mitteln gefördert wie noch nie. Damit möchte Verkehrsminister Winfried Hermann (Grüne) den Radverkehrsanteil weiter steigern.
Kommunale Radwege werden vom Land Baden-Württemberg 2020 mit so hohen Mitteln gefördert wie noch nie. Damit möchte Verkehrsminister Winfried Hermann (Grüne) den Radverkehrsanteil weiter steigern. | Foto: Weller

Karlsruhe hat Ziele erreicht

Baden-Württemberg fördert den Radverkehr 2020 so stark wie noch nie

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Das Ziel, welches sich Baden-Württembergs Verkehrsminister Winfried Hermann gesetzt hat, hat die Stadt Karlsruhe schon lang erreicht: Zwanzig Prozent Radverkehrsanteil, also dass jeder fünfte Weg mit dem Rad zurückgelegt wird. Die Regierung will nun für einen landesweiten Schub sorgen.

Der Karlsruher Gemeinderat beschloss bereits 2005, der Radverkehrsanteil in der Stadt solle bis 2015 auf 23 Prozent gesteigert werden. Schon 2012 war dieses Ziel erreicht: Damals stieg der Anteil auf 25 Prozent. Die Karlsruher wählten also in einem Viertel der Fälle das Fahrrad für den Weg zur Arbeit, zum Sportverein oder zum Einkaufen.

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Jeder fünfte Weg im Land soll mit dem Rad zurückgelegt werden

Für das Land Baden-Württemberg visiert Verkehrsminister Winfried Hermann (Grüne) nun ein deutlich niedrigeres, aber dennoch ehrgeiziges Ziel an: Bis 2030, also innerhalb der nächsten zehn Jahre, soll der Radverkehrsanteil auf 20 Prozent gesteigert werden.

Möglich machen sollen das finanzielle Förderungen in ganz neuem Ausmaß. „Wir sind bislang nicht so schnell vorangekommen, wie wir es uns gewünscht hätten“, gab Hermann am Montag in einer Online-Pressekonferenz zu. „Aber so viel Förderung wie dieses Jahr gab es noch nie.“

Das Land will Kommunen nicht nur bei Planung und Bau von Radwegen unterstützen, sondern zum Beispiel auch bei Abstellanlagen helfen. Mehr als 4.000 neue Plätze sollen so entstehen. 2019 wurden gerade einmal 1.722 Abstellplätze gefördert.

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Baden-Württemberg fördert Radverkehr mit fast 60 Millionen Euro

Neue Radwege sollen auf einer Länge von rund 70 Kilometern gebaut werden (2019: 56). Fast 60 Millionen Euro sind insgesamt im Landesförderprogramm vorgesehen. Vergangenes Jahr waren es rund 30 Millionen.

Neben kommunalen Radwegen innerhalb von Gemeinden sollen insbesondere auch Radschnellwege zwischen Städten und Dörfern sowie an Bundes- und Landesstraßen in den Blick genommen werden. Landesweit gibt es bereits Machbarkeitsstudien für 50 solcher Schnellwege mit einer Gesamtlänge von 1.000 Kilometern.


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„Überall will man diese Wege haben, das freut mich sehr“, sagt Verkehrsminister Hermann. Der Bund fördere 75 Prozent von Planung und Bau solcher Vorhaben, das Land noch einmal bis zu 25 Prozent. Radschnellwege seien besonders wichtig, weil der Radverkehrsanteil auf dem Land zum Teil stagniere oder sogar zurückgehe.

Karlsruhe, eine unterschätzte Fahrradstadt?

Die Großstädte hingegen, insbesondere Stuttgart, Freiburg, Heidelberg und Tübingen, haben Hermanns Erfahrung nach in den vergangenen Jahren stark zugelegt. Dies sei auch der Fall in „Städten, von denen man es oft nicht glaubt“, sagte Hermann und nannte neben Offenburg und Mannheim hier auch Karlsruhe.

Dabei ist die Fächerstadt auf einem guten Weg, bis 2030 einen Wert von 30 Prozent Radverkehrsanteil zu haben. Landesweit werde man das vor vielen Jahren beschlossene Ziel, Ende 2020 mindestens 16 Prozent zu haben, nicht erreichen, sagte Hermann – obwohl wegen der Corona-Pandemie momentan mehr Menschen Rad fahren.

„Vielleicht ist das Rad sogar das Corona-Transportmittel schlechthin“, so Hermann. Er habe sich von Lungenärzten versichern lassen, dass Radfahren gut für die Lunge und daher auch angesichts von Corona ratsam sei. Aber: „Beim Radfahren sollte man keine Maske tragen, damit man gut ein- und ausatmen kann“, so der Verkehrsminister.

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Sicherheit für Radfahrer muss im Südwesten verbessert werden

Fast 60 Prozent der Baden-Württemberger würden laut einer Studie gerne Rad fahren, aber nur die Hälfte davon tue es auch regelmäßig. „Zu viele Räder stehen nur herum“, bilanziert Hermann und sieht jetzt die richtige Zeit gekommen, die Förderungen deutlich auszubauen. Wichtigster Aspekt sei hierbei die Sicherheit: „Das Hauptproblem ist, dass viele gerne Radfahren würden, aber Angst haben.“

Die Novelle der Straßenverkehrsordnung, die Baden-Württemberg angestoßen habe, sei bereits ein wichtiger erster Schritt gewesen. Seit zwei Wochen gelten deutschlandweit unter anderem neue Bußgelder für Falschparker und Mindestabstände beim Überholen. „Wir arbeiten weiter an einer zweiten Novelle“, kündigte Hermann an.

ADFC sieht Kommunen beim Ausbau der Radinfrastruktur in der Pflicht

Gudrun Zühlke vom ADFC Baden-Württemberg begrüßte die Pläne des Verkehrsministeriums und die Erhöhung der Fördermittel: „Das sind wichtige Rahmenbedingungen für und Signale an die Kommunen.“

Der ADFC forderte die Kommunen dazu auf, zu investieren und zu handeln. „Sie sollen die Fördermöglichkeiten und guten Rahmenbedingungen nutzen und den Ausbau einer sicheren Radverkehrsinfrastruktur zügig vorantreiben“, so Zühlke.

Dabei gehe es nicht darum, neue Pläne zu machen, sondern bereits Geplantes mit den Mitteln des Landes jetzt umzusetzen.

Bauprojekte von Radwegen an Landes- und Bundesstraßen im Regierungspräsidium Karlsruhe (Auswahl)
2019 fertiggestellt:
B3 /B36, Radweg unter DB-Überführung nördlich von Rastatt (0,1 Kilometer)
Rheinbrücke Maxau
Laufende Maßnahmen 2020:
Mönsheim – Wurmberg (0,5 Kilometer)
Tour de Murg, Weisenbach – Hilpertsau (0,5 Kilometer)
Anstehende Maßnahmen ab 2020:
Kuppenheim – Muggensturm (1,7 Kilometer)
Lückenschluss Ortseingang Nöttingen (0,5 Kilometer)
Karlsruhe-Wolfartsweier – Karlsruhe-Grünwettersbach (1,3 Kilometer)
Osttangenten Mühlacker Nord und Süd (1,4 Kilometer)