Knöcheltief im Wasser: In Ufernähe entnehmen die Außendienstmitarbeiter des Gesundheitsamts die Proben, mit denen die Wasserqualität der Badeseen festgestellt wird.
Knöcheltief im Wasser: In Ufernähe entnehmen die Außendienstmitarbeiter des Gesundheitsamts die Proben, mit denen die Wasserqualität der Badeseen festgestellt wird. | Foto: Katja Stieb

Kontrolle der Badeseen

Wasserqualität im Kreis Karlsruhe ist „ausgezeichnet“

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Von Nessie, dem Ungeheuer von Loch Ness, hat man in den vergangenen Jahren nicht mehr viel gehört. In diesen Breitengraden teilt man sich die Badegewässer mit ganz gewöhnlichen Viren und Bakterien. Da weiß man, was man hat. Im Landkreis Karlsruhe machen sie notorisch wenig Ärger. Trotzdem haben die Mitarbeiter des Gesundheitsamts während der Badesaison stets ein Auge auf sie.

Kontrollen von Mai bis September

„Die Kontrolle der Badeseen im Landkreis Karlsruhe beginnt im Mai und setzt sich dann bis September fort“, sagt Peter Schneider, Mitarbeiter im Gesundheitsamt, Fachbereich Trink- und Badewasser, im Landratsamt Karlsruhe. Die Termine werden vom Landesgesundheitsamt schon vor der Badesaison festgelegt. Die 23 Badeseen im Landkreis werden in drei Touren eingeteilt: Zwei werden von der Hauptstelle des Landratsamts in der Beiertheimer Allee aus angefahren, die übrigen Seen von der Bruchsaler Außenstelle aus. Es sind immer zwei Mitarbeiter (von insgesamt fünf Außendienstmitarbeitern) im Einsatz.

Wasserproben in Ufernähe

Knöcheltief im Wasser stehend wird die Probe entnommen, mit einem Entnahmestab, an dessen Ende die Probenahmeflasche fixiert ist. 30 Zentimeter unter der Wasseroberfläche, an einer, wie Schneider sagt, „repräsentativen Entnahmestelle“, bei einer Wassertiefe von einem Meter.
Warum eigentlich in Ufernähe und nicht weiter in der Mitte des Sees? „Man will ja nicht vom besten Wert ausgehen, sondern möchte die Qualität an den ungünstigeren Stellen feststellen“, erklärt der Fachmann. „Und die Wasserqualität ist in Ufernähe größeren Schwankungen ausgesetzt als in der Mitte.“

Fäkale Verunreinigungen sind immer vorhanden

Die hygienische Qualität des Badegewässers wird über die Messwerte für die bakteriellen Indikatorparameter intestinale Enterokokken und Escherichia coli ermittelt, die auf fäkale Verunreinigungen hinweisen. „Die sind in einem Badesee natürlich immer vorhanden“, betont Schneider. „Dort gelten nicht die gleichen Anforderungen wie in einem Schwimmbad, wo man Chlor zugeben kann. In Seen gelten andere Wert, die in der Badegewässerverordnung des Landes festgelegt sind.“

Die entnommenen Proben gehen zur Auswertung – per Post Express und gekühlt – an das Landesgesundheitsamt in Stuttgart. Von einer kurzzeitigen Verschmutzung redet man, wenn bei den Enterokokken mehr als 700 koloniebildende Einheiten pro hundert Milliliter und bei den Escherichia coli mehr als 1 800 koloniebildende Einheiten nachgewiesen werden. Zum Vergleich: Als ausreichend gilt die Wasserqualität noch bei 330 beziehungsweise 900 Einheiten. Um festzustellen, ob die Verschmutzung wirklich kurzzeitig ist, werden innerhalb von 72 Stunden Nachproben gezogen. Ist dann alles in Ordnung, wird nach sieben Tagen trotzdem noch einmal kontrolliert.

Der Durchschnitt zählt

Bewertet werden die Seen immer am Ende einer Badesaison. Ausschlaggebend dabei sind immer der aktuelle Durchschnittswert von Mai bis September sowie die Durchschnittswerte der drei vorangegangenen Jahren. „Daraus wird erneut der Durchschnittswert ermittelt“, erklärt Peter Schneider. „Dieser ist dann entscheidend für die Einstufung der Qualität des Sees. Auf diese Weise wird verhindert, dass die Bewertung von einzelnen Messwerten abhängt.“

Nur selten muss ein Badeverbot verhängt werden

Vier Qualitäten werden unterschieden: ausgezeichnet, gut, ausreichend, mangelhaft. Und die Seen im Landkreis werden auch 2018 ausschließlich unter „ausgezeichnet“ geführt. „Man kann grundsätzlich sagen, dass in Baden-Württemberg die Wasserqualität der Badeseen, bis auf einzelne Ausnahmen, gut bis ausgezeichnet ist“, so Schneider. „Im Landkreis Karlsruhe ist das definitiv der Fall.“
Dass man trotzdem mal einen See schließen muss, sei schon vorgekommen, „aber nicht oft“, fügt er an. „Wenn das Wasser zu hoch belastet ist, sind Badegäste durch verschiedene Infektionen gefährdet. Magen-Darm-Erkrankungen sind typische Sachen, die dann auftreten können. Wenn die Werte nicht eingehalten werden, verhängen wir ein Badeverbot und betreiben Ursachenforschung. Die Qualität kann zum Beispiel durch einen Starkregen beeinflusst sein. Wenn viele Verunreinigungen in den See gespült werden, kann es zu kurzzeitigen Schwankungen kommen. Auch Wildvögel können durch ihre Ausscheidungen die Wasserqualität beeinflussen. Aber Badeseen sind ein selbstregulierendes System, das sich in der Regel wieder regeneriert.“

Zum Service bei den Beprobungen gehört übrigens auch die chemische Gesamtbeurteilung eines Badesees. Auch die angrenzenden Landflächen und Toiletten werden auf Verschmutzungen und Auffälligkeiten überprüft. Ist ein Kiosk vorhanden, wird begutachtet, ob es dort hygienische Mängel gibt.

 

Auskunft über die Wasserqualität gibt die interaktive Badegewässerkarte der Landesanstalt für Umwelt, Messungen und Naturschutz Baden-Württemberg, die im Internet unter www.lubw.baden-wuerttemberg.de abrufbar ist.