Was trägt die trendbewusste Frau im Winter? Diese Frage beantworteten Modezeitschriften auch in turbulenten Zeiten. Die „Wiener Mode“ propagierte vor 100 Jahren „Sportkleidung“ mit grellen Farbtönungen. In Karlsruhe soll es 2021 eine Schnittmusterschau geben.
Was trägt die trendbewusste Frau im Winter? Diese Frage beantworteten Modezeitschriften auch in turbulenten Zeiten. Die „Wiener Mode“ propagierte vor 100 Jahren „Sportkleidung“ mit grellen Farbtönungen. | Foto: Badische Landesbibliothek Karlsruhe

Burda Moden & Co

Badische Landes­bibliothek plant Schnittmuster-Schau

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Dicke Wälzer gefüllt mit jeder Menge Expertenwissen, Literatur aus der Region, mittelalterliche Handschriften und frühe Drucke – das alles vermutet man (zurecht) in der Badischen Landesbibliothek. Für Modezeitschriften und Schnittmuster gilt die wissenschaftliche Institution in Karlsruhe nicht unbedingt als erste Adresse. Und doch dürfte kaum ein Kiosk in der Region so viel mit modischen Vorschlägen bedrucktes Papier auf Lager haben wie die Landesbibliothek. Zugegeben – sie sind nicht alle topaktuell. Dafür ermöglichen sie  oft verblüffende Erkenntnisse über längst vergessene Trends und den Wandel der Bekleidungsgewohnheiten.

Die Königin der Moden in Offenburg

Beispiel: Aenne Burda. „Der Wunsch nach Schönheit ist krisenfest“. So lautete das Motto der 2015 gestorbenen „Wirtschaftswunderfrau“, der das Erste gerade einen TV-Zweiteiler widmet (nächste Folge am 12. Dezember 2018). Die Offenburgerin baute nach dem Zweiten Weltkrieg einen der größten deutschen Zeitschriftenverlage auf. Mit „Burda Moden“ ermöglichte sie es ab 1949 Mittelschichtfrauen, modisch mit der Zeit zu gehen, ohne Unsummen in eine elegante Garderobe investieren zu müssen.

Verlegerin Aenne Burda.
Die Offenburger Verlegerin Aenne Burda. | Foto: Rolf Haid/dpa

Ihre Schnittmuster-Bögen sind legendär

Selbstgeschneidertes nach Schnittmuster-Bögen war ihre Geschäftsidee. Mit welchen textilen Verlockungen Aenne Burda ihre Leserinnen gewann – in der Badischen Landesbibliothek (BLB) lässt sich das nachvollziehen.

Modezeitschriften in 19 Sprachen

Die lange Zeit erfolgreichste Modezeitschrift der Welt ist nicht nur in deutscher, sondern in insgesamt 19 Sprachen erschienen. Bis heute wird Burda Moden im Stammhaus des Verlages in Offenburg gedruckt. Die BLB sammelt alle Ausgaben. Egal, ob die Mode- und Handarbeitshefte aus dem Hause Burda in englischer, französischer, litauischer, ungarischer oder hebräischer Sprache erschienen sind. Sie liegen in den Magazinen der Landesbibliothek. Was ins Auge fällt: Die verschiedensprachigen Ausgaben haben meist unterschiedlich gestaltete Titelseiten. Offenbar eine Reaktion der Blattmacher auf die Gewohnheiten und Vorlieben des jeweiligen Kundinnenkreises.

Pflichtexemplare flattern kostenlos ins Haus

Und warum findet man all die Modeblätter in der Badischen Landesbibliothek? Die BLB bezieht laufend rund 7000 gedruckte Zeitschriftentitel. Etwa 80 Prozent davon kommen als Pflichtexemplare für Baden-Württemberg ins Haus. Die Verlage müssen solche Pflichtexemplare auf Grund gesetzlicher Vorschriften unentgeltlich an die Landesbibliotheken liefern. Zweck der Übung ist es, die gesamte Medienproduktion des Landes für künftige Generationen aufzubewahren. Anhand der gesammelten Burda-Zeitschriften kann man heute nachvollziehen, wie sich der Modegeschmack in mehr als 70 Jahren gewandelt hat.

65 "naturgrosse" Schnittmuster für Leib- und Bettwäsche gehören zu diesem historischen "Zuschneidebuch".
65 „naturgroße“ Schnittmuster für Leib- und Bettwäsche gehören zu diesem historischen „Zuschneidebuch“. | Foto: Badische Landesbibliothek Karlsruhe

Ausstellung im Jahr 2021

Zusätzlich zum Pflichtbestand der Burda-Zeitschriften baut die BLB derzeit eine Sammlung historischer Schnittmuster auf. Denn Bibliotheksdirektorin Julia Freifrau Hiller von Gaertringen plant eine Ausstellung zu diesem Thema. Sie soll im Jahr 2021 gezeigt werden.

Wer besitzt noch historische Schnittmuster?

Über den Antiquariatsmarkt hat Julia von Hiller  bereits einige  schöne Stücke erworben. Für die Modenschau der besonderen Art hofft sie aber auch auf das Mitwirken der Menschen in der Region. „Wir freuen uns sehr über alte Schnittmustersammlungen aus der Zeit vor Aenne Burda, die zeigen, dass es den Schnittmusterbogen bereits im 19. Jahrhundert gab“, sagt Julia von Hiller.

Wer historische Schnittmuster besitzt und zur Verfügung stellen möchte, kann sich bei der BLB  melden. 
Kontakt:
presse@blb-karlsruhe.de
oder Telefon (0721) 175 22 50.