Der Ball ruht aktuell in allen Sportarten. Manche haben die Saison bereits beendet, andere hoffen noch auf eine Fortsetzung.
Der Ball ruht aktuell in allen Sportarten. Manche haben die Saison bereits beendet, andere hoffen noch auf eine Fortsetzung. | Foto: dpa

Zwischen Steuern und Abstiegen

Badische Sportverbände reagieren unterschiedlich auf Coronavirus-Krise

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Aktuell fliegen zwar keine Bälle ins Tor, übers Netz oder über die Platte, dennoch dürfte es dem Sportfan ob der Corona-bedingten Absageflut schwerfallen, den Überblick zu behalten. In einigen Sportarten ist die Saison bereits beendet, in anderen hoffen die Verantwortlichen noch auf eine Fortsetzung.

Eine Zeit der Ungewissheit ist dies auch für die Verbände in Baden, die teilweise nicht nur mit sportlichen, sondern auch mit finanziellen Konsequenzen rechnen müssen. Ein Überblick zu ausgewählten Sportarten.

Für Fußballer steht viel auf dem Spiel – auch für die Amateure in Baden

Die Clubs der Deutschen Fußball Liga (DFL) mit Zweitligist Karlsruher SC werden am Dienstag die Spielpause bis zum 30. April verlängern, hoffen im Mai aber darauf, das lukrative Hochglanzprodukt wieder auf den Rasen zu bringen – zur Not auch ohne Zuschauer. Das würde auch die Verbände in Nord- und Südbaden treffen, in denen der Ball bei Männern, Frauen und Jugend mindestens noch bis zum 19. April ruht.

Alle aktuellen Entwicklungen zum Coronavirus im Überblick

Sowohl der Badische als auch der Südbadische Fußballverband partizipieren an den Zuschauereinnahmen der Proficlubs, die womöglich wegfallen könnten. Auch freiwillige Leistungen, wie etwa die Ausbildungsentschädigung der DFL für spätere Profis könnten eventuell wegfallen. Wird nicht mehr gespielt, fehlen den Landesverbänden auch Einnahmen aus der Sportgerichtsbarkeit und Gebühren für Verwaltungsleistungen.

Den Amateurclubs gingen Eintrittsgelder flöten, was in anderen Sportarten ebenso gilt.

Handballer hoffen auf Steuererleichterung

Auch die Handballer mit dem Erstligisten Rhein-Neckar Löwen haben die Hoffnung noch nicht aufgegeben, in dieser Saison noch einmal aufzulaufen. In der Bundesliga, dessen Clubs besonders auf die Ticketeinnahmen angewiesen sind, geht die Pause mindestens bis zum 23. April. In den drei Verbänden Baden-Württembergs wird bis zum 19. April pausiert, in den Jugendspielklassen ist bereits Schluss.

Im Gegensatz zum Fußball hätte ein mögliches K.o. des Profi-Spielbetriebs keine direkten Auswirkungen auf die Amateure. Diese warteten zuletzt mit einer kreativen Idee auf, um die Clubs finanziell zu entlasten: Die drei Verbände in Baden-Württembergs fordern, alle Vereine von fiskalischen Zahlungen im Jahr 2020 zu befreien.

Basketball-EM droht wegen Covid-19 Terminkollision mit Olympia

Die Korbjäger in der Bundesliga klammern sich noch an die vage Hoffnung, irgendwann nach dem 30. April die Saison zu Ende spielen zu können – notfalls mit geändertem Modus. Für die Ligen darunter, die zweitklassige Pro A mit den PSK Lions aus Karlsruhe und die drittklassige Pro B, steht bereits fest: Nichts geht mehr. Auch in den Spielklassen in Baden-Württemberg sollen die Akteure nicht mehr aufs Parkett zurückkehren.

Am Montag wird in einer Telefon-Konferenz über das Auf- und Abstiegsprozedere von der Regionalliga an abwärts beraten. Für die kleineren Clubs fürchtet Joachim Spägele, Präsident des Basketballverbands in Baden-Württemberg, „keine wahnsinnig großen finanziellen Auswirkungen“. Die könnte die Corona-Krise womöglich aber für die Basketball-Europameisterschaft in Berlin und Köln haben.

Die Titelkämpfe sind im September 2021 geplant, doch sollten die Olympischen Spiele in Tokio nun im Sommer 2021 steigen, könnte es zu einer Terminkollision kommen.

Volleyballer suchen nach fairer Lösung in Coronavirus-Krise

Kurz vor der Ziellinie hat Corona die Volleyballer ausgebremst. Gepritscht und gebaggert wird in dieser Saison überhaupt nicht mehr, auch wenn nur noch wenige Spiele bis Rundenschluss gefehlt hatten. Betroffen ist unter anderem Bundesligist TV Bühl. Die Beach-Tour ist ebenfalls abgesagt. In den Spielklassen in Nord- und Südbaden sind die Verantwortlichen gerade bemüht, eine möglichst faire Lösung für die Auf- und Abstiegsregelung zu finden.

Der Präsident des Südbadischen Volleyball-Verbandes, Volker Schiemenz, rechnet damit, dass vor allem Clubs mit halbprofessionellen Strukturen und hauptamtlichen Trainern in finanzielle Nöte geraten könnten.

Einheitliches System im Tischtennis?

Während der Spielbetrieb bundesweit ruht, arbeiten der Deutsche Tischtennis-Bund und seine 18 Landesverbände mit Hochdruck an einer einheitlichen Lösung für den Abschluss der Saison – von der Bundesliga mit den Männern des ASV Grünwettersbach und den Frauen des TV Busenbach bis hinunter in die Kreisklassen.

Ziel ist es, ein System zu finden, das in allen Spielklassen einheitlich angewandt werden kann. Eine Entscheidung soll bis zum 5. April fallen. Betroffen sind auch der Badische Tischtennis-Verband und der zum Jahreswechsel neu entstandene baden-württembergische Verband (zuvor Südbaden und Württemberg).

Auch Turner und Schachspieler in der Schwebe

Die Frauen sind bereits Anfang März in die Bundesliga-Saison gestartet, der nächste Wettkampf am 9. Mai in Meßstetten wurde bereits abgesagt. Die nächsten Wettkämpfe, unter anderem mit der Kunstturn Region Karlsruhe, stehen erst im Herbst an. Dann sollen auch die Männer, unter anderem die KTV Straubenhardt, beginnen.

Noch ist der Spielbetrieb in den Bundesligen nicht schachmatt, doch eine Wiederaufnahme wird immer schwieriger. Die Endrunde der Männer und Frauen in Berlin, geplant vom 30. April bis 2. Mai, wackelt. Was der derzeit erste Platz für das Männerteam der OSG Baden-Baden wert ist? Völlig offen.