Bis zu 50 Zentimeter lang wird der Badische Riesenregenwurm (Lumbricus badensis). Zum Größenvergleich: Über dem Tier liegt eine Centmünze auf einem Stein. | Foto: ©Ehrmann

Der Größte in Mitteleuropa

Badischer Riesenregenwurm wird bis zu 50 Zentimeter lang

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Dieser Badener ist einzigartig – aber die wenigsten werden ihn bislang wohl zu Gesicht bekommen haben. Denn er lebt im Verborgenen. Die Rede ist vom Lumbricus badensis, dem Badischen Riesenregenwurm. „Er kommt auf diesem Planeten nur im Badner Land in den Höhen des Schwarzwaldes vor“, betont Andre Baumann, Staatssekretär im Umweltministerium, die Bedeutung des verborgenen Badeners. Solch „endemische“, also nur in einem begrenzten Gebiet verbreitete Tierarten hätten eine hohe Schutzbedürftigkeit.

Von Patricia Klatt

Den Riesenregenwurm 1907 entdeckt

Der Lumbricus badensis wurde 1907 von dem Hamburger Wissenschaftler Michaelsen unter einem Stein im südbadischen Todtmoos entdeckt. Er ist der „Exot“ unter den 31 Regenwurmarten, die in Baden-Württemberg vorkommen. „Die Art lebt in natürlicherweise abgegrenzten geografischen Bereichen im Südschwarzwald. Und sie beeindruckt durch ihre Größe von bis zu 50 Zentimetern Länge“, erklärt Hubert Höfer. Er ist promovierter Biologe am Staatlichen Museum für Naturkunde in Karlsruhe. Dieser Riesenregenwurm sei die größte Art in Mitteleuropa. In den Tropen gebe es allerdings sogar Riesenregenwürmer bis zu 200 Zentimetern Länge, berichtet Höfer.

Ein Tiefgräber

Der Badische Riesenregenwurm ist ein echter Tiefgräber: Seine Wohnröhren gehen mehr oder weniger senkrecht bis zu 2,5 Meter in die Tiefe. Einige Knicke darin dienen dem Wurm als Steig- und Liegehilfen. Der Durchmesser dieser Röhren ist so groß, dass er sogar darin wenden kann. Wie andere tiefgrabende Regenwürmer auch kommt er nachts an die Oberfläche. Er sammelt abgestorbene Blätter oder Nadeln seiner Umgebung, die ihm leicht vorverrottet als Nahrung dienen.

Er leistet Enormes für den Boden

Der Badische Riesenregenwurm hat damit einen enormen positiven Einfluss sowohl auf die Durchlüftung als auch auf das „Nährstoffrecycling“ des Bodens. „Es gibt nicht viele seiner Art pro Fläche und er ist in tieferen Lagen nicht zu finden, weil es dort für ihn zu warm und zu trocken ist“, erläutert der Regenwurm-Spezialist Otto Ehrmann, ein promovierter Agrarbiologe.

Wie bekommt dem Wurm der Klimawandel?

Sein begrenzter Lebensraum mache den Wurm für Klimaveränderungen anfälliger, „denn wenn es auch in den mittleren und höheren Lagen des Südschwarzwalds wärmer wird, hat der Lumbricus badensis wenig Ausweichmöglichkeiten nach oben. Man muss deswegen wohl davon ausgehen, dass sein Verbreitungsgebiet in den kommenden Jahrzehnten schrumpfen wird“, befürchtet Ehrmann. In einer Langzeituntersuchung geht er für die Landesanstalt für Umwelt (LUBW) in Karlsruhe der Frage nach, ob Regenwürmer im Allgemeinen und auch der Lumbricus badensis im Speziellen vom Klimawandel betroffen sein werden. Die LUBW nutzt dafür ihre Wald-Dauerbeobachtungsflächen der Medienübergreifenden Umweltbeobachtung (MUB). Eine davon befindet sich in der Nähe des Belchen, wo auch der Riesenregenwurm lebt.

Die Ergebnisse der LUBW zeigen bislang, dass nach dem sehr trockenen Jahr 2015 im folgenden Frühjahr 2016 an fünf der sieben Dauerbeobachtungsflächen weniger tiefgrabende Regenwürmer gefangen wurden als im Jahr davor. Allerdings haben sich alle Regenwurmbestände bedingt durch das „normale Witterungsjahr 2016“ wieder erholt.

Experten hoffen auf einen feuchteren Sommer 2019

„Nun hoffen wir, dass nach dem trockenen Jahr 2018 nicht ein weiteres Trockenjahr folgen wird“, meint Kay Rahtkens von der LUBW. Das würde nämlich nicht nur den Regenwürmern schaden, deren „sehr hohe ökologische Bedeutung“ auch Andre Baumann bekräftigt. „Es heißt, dass die Produktivkraft des Regenwurms für die deutsche Volkswirtschaft größer ist als die der Deutschen Bank“, so der Staatssekretär.

Badischer Riesenregenwurm

Der Lumbricus badensis, der Badische Riesenregenwurm, ist die mit Abstand größte Regenwurmart in Deutschland und lebt ausschließlich im Südschwarzwald. Er kann bis zu 50 Zentimeter lang und circa 40 Gramm schwer werden. Ausgewachsen hat er einen Durchmesser von 12 bis 16 Millimeter. Er kann vermutlich deutlich über zehn Jahre alt werden. Nach etwa fünf Jahren ist er geschlechtsreif. Die Eier legt er jeweils in einem Regenwurmkokon im Boden ab. Die kleinen Regenwürmer schlüpfen nach mehreren Monaten. Die Anzahl der Nachkommen liegt bei nur wenigen Tieren im Jahr. Zu den Fressfeinden des Badischen Riesenregenwurms gehören Maulwürfe, aber auch Dachse oder Füchse.

Lehrpfad „Badischer Riesenregenwurm am Belchen“.
Dem Badischen Riesenregenwurm ist ein Naturerebnispfad im Südschwarzwald gewidmet. Der Lehrpfad „Badischer Riesenregenwurm am Belchen“ ist ein Kinderwanderweg. Man kann ihn bequem in zwei Stunden bewältigen. Den Naturerlebnispfad erreicht man über den Wanderparkplatz Hohtann in der Nähe der Belchen-Seilbahn. Mehr dazu.