Die Kriegsstraße ist jetzt die Baustelle für den Autotunnel.
DIE KRIEGSSTRASSE wird jetzt über vier Jahre lang zu einer Großbaustelle, bei der die Autofahrer nur im Slalom auf provisorischen Spuren durchkommen. | Foto: jodo

Starke Staugefahr bei Umbau

Baggerbiss für Autotunnel

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Der Bau des Autotunnels unter der Kriegsstraße, der Hauptverkehrsader der Karlsruher Innenstadt, hat begonnen.

Gestern ließen Landesverkehrsminister Winfried Hermann und Karlsruhes Oberbürgermeister Frank Mentrup die ersten Bagger auf der Großbaustelle beißen. Sie wird in den nächsten viereinhalb Jahren für große Behinderungen des Auto- und Straßenbahnverkehrs sorgen.

Die Zukunft der Kriegsstraße
„Karlsruhe 21“: In vier Jahren ist die Kriegsstraße in einen Boulevard mit Straßenbahn verwandelt. Foto: Kasig | Foto: Kasig

Die Umgestaltung der City-Autobahn Kriegsstraße in einen Boulevard mit vier Baumreihen, oberirdischen Straßenbahngleisen und einer 1,6 Kilometer langen Röhre für den Durchgangsverkehr kostet laut Prognose 230 Millionen Euro.

Sie ist der zweite Teil der 1,1 Milliarden Euro teuren „Kombilösung“ zum Stadtumbau. Seit 2010 wird an der „Kombi“ gebaut. Die U-Strab, die erste Komponente, soll 2020 fertig sein. Die neue Kriegsstraße soll Ende 2021 komplett funktionieren.

 

Baggerbiss für den Autotunnel
DAS STARTSIGNAL für die Umgestaltung der City-Schneise Kriegsstraße in einen Boulevard ohne Durchgangsverkehr war gestern der doppelte Baggerbiss. Foto: jodo | Foto: jodo

 

12 Uhr mittags, Sonnenschein: Frank Mentrup und Winfried Hermann lassen die Bagger beißen. Gestern hat der Umbau der Kriegsstraße mit zwei Bagerbissen und 15 Spatenstichen an einem extra aufgeschütteten Hügel im Erhardboulevard offiziell begonnen. Die Verantwortlichen strahlen an diesem Tag um die Wette. „Endlich geschafft, jetzt kann es los gehen“ ist ihre Freudenformel: Der Autotunnel, die zweite Komponente der „Karlsruher Kombi“ neben der U-Strab, an der man seit sieben Jahren und noch mindestens weitere vier Jahre in der City arbeitet, wird jetzt gebaut.

 

SPatenstich durch OB und Minister
GANZ PROFESSIONELL im orangefarbenen Wams packten Winfried Hermann (rechts) und Frank Mentrup zum Start des Autotunnelbaus symbolisch mit dem Spaten an. Foto: jodo | Foto: jodo

 

15 Jahre sind seit dem Bürgerentscheid für die „Kombi“ vergangen. Der Start der Arbeiten für den 1,6 Kilometer langen Autotunnel kommt zudem drei Jahre später als geplant. Seine Finanzierung hing zwei Jahre am seidenen Faden. Jetzt atmen die Politiker aus Stadt und Land auf. Die prognostizierten 230 Millionen Euro sind gesichert, Bund und Land berappen 80 Prozent. Die „Kombi“ kostet insgesamt nach einer Kostenexplosion um über 100 Prozent inzwischen 1,1 Milliarden Euro.

Festreden für den Start der Arbeiten am Autotunnel
MIT EINEM BAUWAGEN als Rednerbühne, fünf Fahnen und zwei Baggern zelebrierten der Bauherr Kasig und die Baufirmen Züblin/Schleith östlich des Mendelssohnplatzes (hinten) den Start der Arbeiten am Autotunnel Kriegsstraße. Am Ort der Feier wird jetzt umgehend der Boden für die Ostrampe des Tunnels ausgehoben. Foto: jodo | Foto: jodo

Zeitwende 2021?

Dazu scheinen jetzt auch die Grenzen der Bauzeit des Jahrhundertprojekts erkennbar. Mit dem Baggern am Autotunnel rückt nun das Jahr 2021 als Zeitwende für das Leben in der City in den Fernblick. Läuft jetzt alles nach Plan, was für die ersten sieben Jahre des Kombi-Bauens nicht zutrifft, dann bekommen die Karlsruher Weihnachten 2021 ihr per Bürgerentscheid selbstgemachtes Geschenk: Die Autos rollen im Tunnel unter der Kriegsstraße, wo oberirdisch ein Doppelgleis die 2020 in Betrieb genommene U-Strab ergänzt – und der Zentralabschnitt der Kaiserstraße gehört ab dann allein den Fußgängern.

Alphornblasen für den Autotunnel
Karlsruher Alphornbläser sorgten bei der Zeremonie zum Baustart für den Autotunnel Kriegsstraße auch für den guten Ton. Foto: jodo

Verkehrsminister Winfried Hermann sprach deshalb auch von „Karlsruhe 21“, während an „Stuttgart 21“ dann immer noch gebaut werde. Überhaupt ist der grüne Schwabe voller Lob für Karlsruhes Verkehrspolitik und für den Umbau der City-Autobahn Kriegsstraße ganz besonders. „Mit der neuen Straßenbahntrasse in der Kriegsstraße entsteht eine weitere attraktive Achse für den Öffentlichen Personennahverkehr durch die Stadt“, sagte der Minister.

Für den Umweltschutz

Dies könne dazu beitragen, „dass mehr Menschen vom Auto auf Busse und Bahnen umsteigen“. Dies sei zum einen „aus Umweltschutzgründen wichtig“, zum anderen gehe es darum, die Straßen von Staus zu entlasten. Und so erkennt Hermann Karlsruhe mit der Kombi auf dem „Weg zu einer klimaverträglichen und nachhaltigen Mobilität“. Die Kombi könne die Lebensqualität der Karlsruher steigern, meinte der Grüne, dessen Parteifreunde die U-Strab stets ablehnten.

Hermann geizte aber auch nicht mit Kritik. Er forderte „eine ehrliche Kostenrechnung“ und frühzeitige Transparenz bei einem Riesenprojekt für die Bürger. Es dürfe nicht sein, dass später die Kosten explodierten und viele Bürger sich betrogen fühlten.

 Sperriegel verschwindet

OB Frank Mentrup dankte dem Land besonders „für die klare Position in den schwierigen zwei Jahren“, als der Bundesrechnungshof den Autotunnel als volkswirtschaftlich ineffektiv in Frage stellte. Mentrup bedauerte die Kostenlawine und die Verlängerung des Kombi-Bauplans. Er nannte den Umbau der Kriegsstraße „fast ebenso wichtig“ wie die U-Strab. Endlich werde so der 50 Jahre alte Sperrriegel verschwinden.

„So eine Autostraße hat eigentlich in einer Innenstadt nichts zu suchen“, unterstrich er.  Mentrup meinte gar, „dass das Ergebnis der Kombilösung 2021 bewundert und begeistert gefeiert wird“.

 180 Lkw mit Aushub  am Tag

Ab Montag können die Autofahrer die neue Baustellenwirklichkeit auf der Kriegsstraße erleben. Dabei geht es „nur“ in zwei von neun Bauabschnitten los: Auf Höhe des Nymphengartens wird die Grube für den Tunnel ausgehoben, und am Westende des Erhardboulevards beginnt der Rampenbau. In der Tagesspitze fahren 180 Lkw den Aushub weg.