ICE
Vom kommenden Sommer an werden Sanierungsarbeiten den Fernverkehr behindern. | Foto: Jan Woitas

Kosten von 185 Millionen Euro

Bahn sperrt ICE-Strecke zwischen Mannheim und Stuttgart 2020 für sechs Monate

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Bahnreisende zwischen Mannheim und Stuttgart müssen sich 2020 auf eine monatelange Beeinträchtigung der ICE-Strecke einstellen. Denn die Deutsche Bahn (DB) erneuert ihre Schnellfahrtroute an insgesamt 205 Tagen und sperrt diese Gleise zwischen 10. April und 31. Oktober komplett. Dies gab der Konzern am Montag in einer Pressemitteilung bekannt.

Nach Angaben der Bahn wird der Zugverkehr auf dieser Strecke über Schwetzingen, Bruchsal und Mühlacker umgeleitet. „Wir gehen davon aus, dass sich die Fahrzeit um 35 bis 60 Minuten verlängert“, sagte ein DB-Sprecher auf BNN-Anfrage.

Zudem würden einzelne Verbindungen entfallen, da die Umleitungsroute nicht die kompletten Kapazitäten der regulären Strecke aufnehmen könne. „Auch zwischen Karlsruhe und Stuttgart werden Züge ausfallen“, ergänzte der Sprecher. Ob sich die Fahrzeit in diesem Abschnitt verlängere, sei derzeit noch nicht klar.

Die Verbindung zwischen Mannheim und Karlsruhe werde in dem Bereich, in dem sie ebenfalls auf der von April 2020 an gesperrten Schnellfahrtroute verläuft, über eine parallele Altbaustrecke abgewickelt. Da dies jedoch nur einen kurzen Teil der Strecke betreffe, seien die Verzögerungen laut Bahn-Sprecher minimal.

Kunden könnten sich voraussichtlich ein halbes Jahr vor dem Start der Bauarbeiten, also circa im Oktober 2019, in den Informations- und Buchungssystemen des Konzerns über die Veränderungen erkundigen.

Kosten in Höhe von 185 Millionen Euro

Der Fokus der Bauarbeiten liegt laut DB darauf, rund 190 Kilometer Gleise und 54 Weichen zu erneuern. 200.000 Tonnen Schotter müssen laut Mitteilung eingebaut und 315.000 neue Betonschwellen verlegt werden. Auf diesen mittlerweile 27 Jahre alten Streckenabschnitt entfielen Kosten in Höhe von 185 Millionen Euro.

Auf den 99 Kilometern von Mannheim nach Stuttgart verkehren jeden Tag 185 Fernzüge mit 66.000 Fahrgästen, hinzu kommen 24 Güterzüge.

Foto: Deutsche Bahn AG

Auch Strecke Hannover-Würzburg wird saniert

Auch die Route von Hannover nach Würzburg wird laut Bahn generalüberholt. Insgesamt behindert das Sanierungsprojekt den bundesweiten Zugverkehr in Etappen bis ins Jahr 2023. Zahlreiche Fernzüge müssen umgeleitet werden, die Fahrzeiten zwischen den betroffenen Städten verlängern sich während der Bauarbeiten um 30 bis 45 Minuten.

Als erstes wird 2019 der Abschnitt Hannover-Göttingen sechs Monate lang gesperrt – vom 11. Juni bis 14. Dezember. Der Abschnitt Göttingen-Kassel wird von April bis Juli 2021 unterbrochen. Dann kommt im Jahr 2022 die Trasse Fulda-Würzburg dran und schließlich 2023 der Gleisstrang von Kassel nach Fulda.

Die Bahn warb um Verständnis für die Serie von Großbaustellen. Sie sei unvermeidbar: Die beiden ICE-Strecken seien seit ihrer Eröffnung 1991 im Dauerbetrieb. Auf der 327 Kilometer langen Trasse zwischen Hannover und Würzburg fahren täglich 110 Fernzüge mit rund 42.000 Reisenden durch Niedersachsen, Hessen und Bayern, außerdem im Durchschnitt 26 Güterzüge.

Wir müssen jetzt grundlegend ran

Die übliche regelmäßige Instandhaltung reiche nun nicht mehr aus, heißt es bei der Bahn. „Wir müssen jetzt grundlegend ran, um die Qualität der Schnellfahrstrecke für künftige Generationen weiter gewährleisten zu können“, machte der Leiter des Sanierungsprojekts Hannover-Würzburg, Hannes Tesch, deutlich.

Für die Arbeiten von Hannover bis Göttingen hat die Bahn 175 Millionen Euro veranschlagt. Die Sanierung der gesamten Strecke von Hannover nach Würzburg soll 640 Millionen Euro kosten. Da es sich um eine sogenannte Ersatzinvestition handelt, übernimmt der Eigentümer Bund die Kosten fast vollständig, wie ein Bahnsprecher erläuterte.

Weniger ICE-Züge im Einsatz

Auch alle Fahrgäste, deren Verbindungen über die gesperrten Strecken fahren, werden länger unterwegs sein. Zu diesen Routen gehören zum Beispiel Hamburg-Frankfurt, Berlin-Frankfurt und Frankfurt-München. Weil auf den Umleitungsstrecken weniger Züge Platz haben, können dort auch weniger ICE und Intercitys eingesetzt werden als sonst üblich.

Die Bahn will Inhaber von Zeitkarten und der Bahncard 100, die zu Fahrten auf dem gesamten Netz berechtigt, finanziell entschädigen. In welchem Umfang das geschieht, steht noch nicht fest, wie der Sprecher sagte. Die längere Reisezeit solle den Kunden mit „besonderen kleinen Aufmerksamkeiten“ versüßt werden.

Verspätungen großes Thema bei der Bahn

Bei der Bahn sind Verspätungen gerade in den vergangenen Monaten ein großes Thema. Im August kamen drei von zehn Fernzügen unpünktlich ans Ziel. In den ersten acht Monaten lag die Pünktlichkeitsquote unter 76 Prozent. Eigentlich wollte die Bahn 82 Prozent erreichen. Hauptgrund für die Verspätungen waren aber nicht die vielen Baustellen, sondern Störungen an Fahrzeugen und Infrastruktur in den Hitzemonaten des vergangenen Sommers sowie mehrere Unwetter.

mit Material von dpa