An der Tunnel-Baustelle in Rastatt im Bereich Niederbühl ist ein Gleis regelrecht abgesackt. Die Bahnstrecke zwischen Karlsruhe und Offenburg ist bis auf weiteres gesperrt. | Foto: Collet

Erdrutsch bei Rastatt

Bahnverkehr zwischen Offenburg und Karlsruhe gesperrt

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Wegen einer technischen Störung ist der Bahnverkehr zwischen Offenburg und Karlsruhe eingestellt. Bei Bauarbeiten am Tunnel bei Rastatt sackten Gleise ab. Man müsse damit rechnen, dass die Streckensperrung über den Sonntag hinaus andauere, sagte ein Bahnsprecher am Abend. Zunächst hatte es geheißen, dass vermutlich am Sonntag ab 20 Uhr wieder Züge zwischen Offenburg und Karlsruhe fahren könnten. Die Pressestelle Baden-Baden meldete inzwischen, dass der  Zugverkehr der Deutschen Bahn zufolge voraussichtlich eine Woche lang unterbrochen sei. Genaue Informationen dazu seien derzeit noch nicht möglich.

Gleise beim Tunnel Rastatt abgesackt

Nach Angaben des Bahnsprechers stand die Absenkung der Gleise bei Rastatt-Niederbühl wohl im Zusammenhang mit Bauarbeiten am darunter verlaufenden Tunnel. Betroffen sind alle Züge Richtung Basel oder Karlsruhe. Die Fahrten enden vorzeitig in Offenburg und Karlsruhe. Zwischen Baden-Baden und Karlsruhe ist ein Busnotverkehr eingerichtet worden. Der französische Schnellzug TGV wird bereits in Frankreich umgeleitet. Dadurch entfallen die Halts in Straßburg und Karlsruhe.

Ein Erdrutsch soll die Ursache sein

Die Pressestelle Baden-Baden vermeldete einen Erdrutsch in der Tunnelbaustelle. Gegen etwa 11 Uhr hätten Sensoren auf der Rheintalstrecke in Höhe der Baustelle „Rastatter Tunnel“gewarnt, dass sich die Gleise direkt über der Tunnelbaustelle senkten.  Unmittelbar nach der Warnung wurden demnach  alle Züge auf der Rheintalstrecke angehalten.

„Wir sind im Krisenmodus“

Wie die Bahn an der Baustelle weiter vorgehen wird, darüber gab es bis zum Abend keine Auskünfte. „Wir sind im Krisenmodus und können noch gar nichts sagen“, betonte ein Vertreter der Bahn gegenüber dem SONNTAG.

Chaos an Bahnhöfen der Region

An den Bahnhöfen der Region herrschte teilweise Chaos. Am Informationsschalter am Karlsruher Hauptbahnhof bildeten sich lange Schlangen. Einige Bahnkunden bemängelten, dass es keine oder zu wenig Informationen gegeben habe. Lautsprecherdurchsagen habe man „im Chaos“ kaum verstehen können. Andere Reisende sagten, sie hätten bereits in Frankfurt gehört, dass es für sie in Karlsruhe nicht weitergehe, und ärgerten sich jetzt über die schlechte Organisation und fehlende Möglichkeiten, weiterzukommen.

Am Busbahnhof sowie auf dem Bahnhofsvorplatz und an den Taxiständen drängten sich die Menschen. Wilde Gerüchte gingen um. Einige Leute wollten gehört haben, dass der Tunnel bei Rastatt eingestürzt sei. Mitarbeiter von Hilfsorganisationen und der Feuerwehr kümmerten sich am Nachmittag um Gestrandete, vor allem um Senioren, Behinderte und Kinder. Wegen der Sommerferien waren zahlreiche Familien unterwegs. Am Rastatter Bahnhof bot sich ein ähnliches Bild.

Erhebliche Einschränkungen wohl über Sonntag hinaus

Die Deutsche Bahn teilte am Abend mit, dass auf den Bahnhöfen Karlsruhe, Offenburg und Baden-Baden zusätzliche Mitarbeiter der DB im Einsatz seien. Die Fahrgäste müssten jedoch mit erheblichen Einschränkungen und deutlichen Reisezeitverlängerungen rechnen. Die Deutsche Bahn bedauere die Einschränkungen für die betroffenen Fahrgäste ausdrücklich. Den Angaben zufolge laufen die Untersuchungen zur Ursache auf Hochtouren.

Rheintalstrecke: herausragende Stellung im Bahnverkehr

Die Rheintalstrecke hat eine herausragende Funktion für den überregionalen und internationalen Schienenverkehr. Sie gilt als Herzstück des wichtigsten europäischen Güterkorridors zwischen Rotterdam und Genua. Mit täglich mehr als 250 Zügen des Nah-, Fern- und Güterverkehrs ist sie bis an die Kapazitätsgrenze ausgelastet. Der Aus- und teilweise Neubau auf 182 Kilometern zwischen Karlsruhe und Basel soll die Kapazität erhöhen und die Reise- und Transportzeiten verkürzen.

Bei Rastatt starteten die Arbeiten im Sommer 2013 mit dem Bau einer Grundwasserwanne bei Niederbühl. Mit dem Vortrieb des 4 270 Meter langen Tunnels Rastatt wurde im Mai 2016 begonnen. Der Tunnel, der das gesamte Stadtgebiet von Rastatt sowie die Federbachniederung unterquert, beginnt östlich von Ötigheim und endet südlich von Rastatt im Bereich Niederbühl – dort, wo sich jetzt die Gleise abgesenkt haben.

 

Über aktuelle Reisemöglichkeiten informieren

Die Deutsche Bahn empfiehlt Reisenden, sich vor Fahrtantritt über ihre Verbindung zu informieren. Tagesaktuelle Reiseverbindungen mit Echtzeitinformationen seien auf m.bahn.de, in der DB-Navigator-App und  bei www.bahn.de/Reiseauskunft zu ersehen.