Die Kavaliershäuser beim Schloss Gottesaue werden renoviert, um moderne Räume für die Musikhochschule zu schaffen.
Die Kavaliershäuser beim Schloss Gottesaue werden renoviert, um moderne Arbeitsräume für die Musikhochschule zu schaffen. | Foto: Jörg Donecker

Renovierung der Kavaliershäuschen

Barocke Gemäuer für Karlsruher Musikstudenten

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Was einst zusammengehörte, soll wieder zusammenwachsen: Schloss Gottesaue, heutige Heimat der Musikhochschule, gewinnt die zur ursprünglichen Anlage gehörenden Kavaliershäuschen mit den Nummern 10 und 11 wieder zurück. Lange Jahre wurden sie als Wohnhäuser für Staatsbedienstete genutzt. Nun werden die Gebäude an der Wolfartsweierer Straße nacheinander für die Musikhochschule renoviert.

„Die Bäume hier werden etwas gelichtet und die Zäune kommen weg, so dass sich die Anlage wieder zum Schloss hin öffnet“, erklärt Dagmar Menzenbach von Vermögen und Bau Baden-Württemberg in Karlsruhe. Zwischen 1818 und 1918 wurde die Schlossanlage als Militärkaserne genutzt, dann zogen Gendarmerie und Polizeischule ein, in den 50er bis 80er Jahren war das Gelände zudem Anlaufstelle für Asylbewerber. „Jetzt wird mit der finalen Nutzung durch die Musikhochschule wieder der Bogen zum Barock geschlagen“, freut sich Baudirektorin Ursula Orth.

Kavaliershäuschen für Bibliothek und Arbeitsräume

Rohe Balken, offene Böden und blanke, zum Teil aufgerissene Wände zeigen sich im Erdgeschoss des Kavaliershauses Nummer 11. „Wir haben hier zwei Vollgeschosse mit Teilunterkellerung, das Dach ist nicht ausgebaut“, erklärt Corina Riedl, bei Vermögen und Bau für Kulturbauten zuständig. Erste Zeichnungen der barocken Anlage stammten aus dem Jahr 1756, eine große Umbauphase erlebten die Bauten 1908 durch das Militärbauamt.

Die Musikhochschule will nun im Haus Nummer 11 eine Erweiterung ihrer Bibliothek – die Sammlung des 2013 verstorbenen Opernsängers und Gesangspädagogen Horst Günter – unterbringen, außerdem Ruhe- und Arbeitsräume für die Studenten. Im Juni 2019 soll dieses Gebäude vollendet sein. Im benachbarten Kavaliershaus Nummer 10 wird ab März 2019 mit dem Umbau für Lehr- und Übungsräume begonnen.

„Das Konzept für den Umbau ist in enger Abstimmung mit der Denkmalpflege erarbeitet worden“, erklärt Riedl. Das Kavaliershaus werde statisch und konstruktiv ertüchtigt, Dach und Fassade saniert. Nur die ehemaligen Wohngeschosse sollen ausgebaut werden, das Dachgeschoss werde baulich nicht verändert: „Wir wollen das äußere Erscheinungsbild erhalten.“

Unter historischen Balken erläutern Corina Riedl, Dagmar Menzenbach und Ursula Orth (von links) die Planungen.
Unter historischen Balken erläutern Corina Riedl, Dagmar Menzenbach und Ursula Orth (von links) die Planungen. | Foto: Jörg Donecker

Innen wird barrierefrei mit Rampen und Aufzug, neuer Gebäudetechnik und dem Anschluss ans Fernwärmenetz die Grundlage für eine moderne Nutzung geschaffen. Dazu gehört auch eine Neuordnung der Räume. „Früher wurden die Innentüren entlang der Außenwände gesetzt. Das ist für die neue Nutzung ungünstig“, erklärt Riedl. Die Räume würden, wo nötig, durch „behutsame Änderungen“ rückgebaut.

Jahrhundertealte Balken sind erdbebensicher

Erhalten bleiben die massiven, teils gut 30 Zentimeter dicken Balken, auf denen die Baukonstruktion ruht. „Sie sind sogar erdbebensicher“, sagt Riedl. Auch die Holzbalkendecken mit der originalen Lehmwickelfüllung und das im Erdgeschoss ganze 95 Zentimeter dicke Bruchsteinmauerwerk seien sehr erhaltenswert. „Es gibt in Karlsruhe kaum etwas Vergleichbares aus dieser Bauzeit. Das ist etwas ganz Besonderes“, ergänzt Menzenbach.

Die Denkmalpflege sei immer baubegleitend dabei, fährt Riedl fort, etwa bei der Planung der künftigen Farbmuster nach Originalbefunden. Nachdem man im Erdgeschoss Terrazzofliesen aus dem Jahr 1908 gefunden habe, sei die Entscheidung gefallen: Das künftige Erscheinungsbild dieses und der anderen Kavaliershäuschen soll sich am Zustand dieser Zeit orientieren. „Wir versuchen alles zu erhalten, was wir können“, sagt Riedl, etwa das historische Treppenhaus zwischen Erd- und Obergeschoss. Die Fenster aus dem Jahr 1908 werde man im selben Stil erneuern.

Kinderschuhe aus alten Zeiten fand man im Dachstuhl des Kavaliershäuschens. Der Schmutz wurde bewusst nicht entfernt, um ihre Geschichte erforschen zu können.
Kinderschuhe aus alten Zeiten fand man im Dachstuhl des Kavaliershäuschens. Der Schmutz wurde bewusst nicht entfernt, um ihre Geschichte erforschen zu können. | Foto: Jörg Donecker

Im Dachgeschoss soll alles so bleiben, wie es ist: Dunkle Balken und alte Türen, deren Rahmen zum Teil von vergangenen Bränden schwarz sind. Die Biberschwanzziegel auf dem Dach müssen größtenteils erneuert werden. „Ein paar alte werden wir aber auf den Schleppgauben verwenden“, verspricht Riedl. Auch die Kamine bleiben, jetzt ohne praktische Funktion, als Zeitzeugen bestehen, so Riedl. „Es wäre einfach komisch, wenn ein barockes Gebäude keinen Kamin mehr hätte.“

Deutlich kleiner sind die Gebrauchsgegenstände, die auf der Baustelle zum Vorschein gekommen sind: „Wir haben ein altes, in Leder eingebundenes Lohnbuch gefunden. Ein einziger Schnipsel Papier lag noch darin, er ist bei der Berührung zerfallen“, erzählt Riedl. Reste von Kinderspielzeug, etwa ein Puppenfuß, haben die Jahrhunderte ebenso überdauert. Im Dachstuhl versteckt lagen zwei Kinderschuhpaare, rahmengenäht und mit Stahlnägeln besohlt, so grau wie der historische Staub, der noch an ihnen haftet. Das Deutsche Schuhmuseum in Hauenstein hatte kein Interesse, meint Riedl. „Aber vielleicht findet sich ja noch ein Liebhaber…?“