Luchs Carlchen im Zoo Karlsruhe
Auf der Lauer ist Luchs Carlchen künftig im Wald am Lauterberg des Karlsruher Zoos. Dort entsteht für die heimischen Raubkatzen mit den Pinselohren ein naturnahes neues Gehege. | Foto: Deible

„Tor zum Nationalpark“

Baubeginn für die neue Luchs-Anlage im Zoo Karlsruhe

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Das „Tor zum Nationalpark Schwarzwald“ soll künftig am Lauterberg im Karlsruher Zoo aufgehen. So ist dies im Masterplan für Zoo und Stadtgarten vorgesehen und als Patenprojekt vereinbart. Nun haben mit dem Einrichten der Baustelle die Arbeiten für den ersten Abschnitt begonnen: Am Fuße des Lauterberges beim Zooeingang Süd, gleich oberhalb des terrassenförmigen „Gartens Baden-Baden“, entsteht für rund 800 000 Euro die neue Luchs-Anlage

Erste Großprojekte des Masterplans

Diese und die nun ebenfalls begonnene neue Außenanlage für Elefanten und Flusspferde (die BNN berichteten) sind die ersten Großprojekte des Masterplans, die angegangen werden. Sie bedeuten nicht nur wesentliche Verbesserungen für die Großtierarten, sondern steigern auch die Attraktivität des Tiergartens, ist Zoochef Matthias Reinschmidt überzeugt.

„Erlebnisräume“ mit Uhu und Co.

Einheimischen Tieren und ihrem Schutz soll das Areal am Lauterberg gewidmet werden: So erhalten nicht nur die Luchse ein neues, weitläufiges Gehege. Über dem einstigen Karlsruher Wasserreservoir sieht der Masterplan zudem „Erlebnisräume“ vor.  Zoobesucher, die den knapp 40 Meter hohen Berg erklimmen, sollen künftig auch Uhu, Eichhörnchen und Auerhuhn in den Fokus nehmen können. Wobei das finanziell sehr großzügig bemessene Areal für das Auerhuhn, wie berichtet, erst einmal zurückgestellt wird.

Einsatz für die Wiederansiedelung der Habichtkäuze im Nationalpark

Ein Uhu-Pärchen sitzt derzeit in der Voliere am Lauterberg. Durch den Umzug der Schnee-Eulen in die Nachbarschaft der Eisbären und die Abgabe von Bart- und Brillenkauz steht den Uhus nun doppelt so viel Platz zur Verfügung. In die gleichgroße Nachbarvoliere sind Habichtkäuze eingezogen. „Sie sind im Schwarzwald ausgestorben, sollen aber im Nationalpark wieder angesiedelt werden“, erklärt Reinschmidt.

Viel mehr Platz für den Luchs

Die vierköpfige Luchsfamilie, die derzeit im Raubtierhaus ein 1 000 Quadratmeter großes Areal bewohnt, hat wohl ab Sommer diesen Jahres 11 000 Quadratmeter Waldlandschaft mit einzelnen Felsen und Steinschüttungen zur Verfügung. Auf feste Bauten wird im Gelände weitgehend verzichtet. Lediglich in der Nachbarschaft der Uhus, an deren Voliere die neue Luchs-Anlage angrenzen wird, ist ein Blockhaus vorgesehen. „Es ist die ebenste Stelle im ohnehin schwierigen Gelände“, erklärt Zoo-Architektin Eva Kaltenbach den Standort. Genutzt werden soll das Gebäude vor allem, um bei Bedarf auch einmal ein Tier separieren zu können, führt sie aus. „Ansonsten sind die Luchse, wie in der Natur, auch bei Wind und Wetter draußen“, sagt sie.

Zwei Plattformen

Die Umrisse des Geländes hat die Architektin mit Holzpflöcken markiert. Beiderseits des Bergkamms oberhalb des Gartens Baden-Baden werden die heimischen Raubkatzen mit den markanten Pinselohren unterwegs sein. Wo heute noch eine Station mit Vogelfutter-Häusern ist, wird man von einer Plattform hinunter ins Gehege schauen können. Wichtigster Beobachtungspunkt aber ist künftig wohl am Fuße der Anlage: Durch eine Scheibe und ein Stockwerk höher von einer Plattform sollen die Zoobesucher Carlchen, Sveta alias „Heidi“ und deren Töchter Eva und Emily beobachten können.

Beheizbarer Felsen und Futter-Seilzug

Damit diese nicht ständig im Dickicht verschwinden, wird in der Nähe der Plattform ein beheizbarer Felsen liegen, der zum Lieblingsplatz der Familie werden könnte. Auch ein Seilzug, mit dem das Futter an verschiedene Stellen des Geheges eingebracht werden kann, ist von der Plattform gut sichtbar. „Es ist immer ein Spagat zwischen Rückzugsmöglichkeiten und Beobachtungspositionen“, findet der Zoodirektor. Keinen Einblick wird es künftig entlang des Weges hinauf zum Blockhaus geben. Hier begrenzt ein vier Meter hoher Zaun die Anlage, der langfristig unter Bewuchs verschwinden wird.

Geplante Luchs-Anlage
Beiderseits des Bergkamms soll sich die neue Luchs-Anlage am Lauterberg im Zoo Karlsruhe erstrecken. | Foto: jodo

Mit Schreitbagger durchs unwegsame Gelände

Beliefert wird die Baustelle durch das Tor an der Straße „Am Stadtgarten“, Einschränkung durch die Bauarbeiten wird es für die Zoobesucher kaum geben, meint die Architektin. Logistisch anspruchsvoll wird es allerdings, das erforderliche Material im unwegsamen Gelände zu verteilen – weshalb ein „Schreitbagger“ zum Einsatz kommt. Vor allem der Standort der oberen Plattform, der nur durch den Fußweg von der Otteranlage auf den Lauterberg erreicht wird, ist logistisch knifflig.

Luchsfamilie soll zusammen bleiben

Zuversichtlich ist Zoochef Reinschmidt, dass die komplette Luchsfamilie im Sommer umziehen wird. Abgeben müsse man die dann gut zweijährigen Emily und Eva noch nicht. Zwar sind die Tiere geschlechtsreif, können aber nicht von ihrem Vater gedeckt werden. Dies verhindert Carlchens Hormonchip.

Hier gibt es weitere Informationen zu den Luchsen und dem Masterplan für Zoo und Stadtgarten.