Straßencafe an Baustelle
EIN WAHRES STRASSENCAFÉ hat sich für vier Wochen mitten auf der Kaiserstraße beim Durlacher Tor etabliert. | Foto: jodo

Gastronomen nutzen Lücken

Karlsruhe: Baustelle lockt Café auf die Straße

Anzeige

Das Leben in der Baustellenstadt Karlsruhe macht erfinderisch: Notgedrungen suchen sich Autofahrer und Straßenbahnpassagiere seit 2010, als der Stadtumbau per Kombilösung aus U-Strab und Autotunnel Kriegsstraße begann, immer wieder neue Wege durch den Dschungel der Absperrungen.

Aus der Not eine Tugend

Dazu kommen einige kreative Gastronomen. Sie machen aus der Not eine Tugend und improvisieren. Diese Wirte machen sich eine U-Strab-Baustelle zu Nutzen. Sie setzten auf die Attraktivität des Außerordentlichen, auch wenn es keine verkehrsberuhigte Stadtidylle bietet, sondern „nur“ Baustellenspektakel mit Lärm und Staub bringt.

Kaum rückt die U-Strab-Baustelle heran, da kommt ihr die Kneipe schon entgegen und macht sich auf dem Platz oder auf der Straße breit.

Kombi-Gastronomie

Drei Beispiele stehen für diese Karlsruher Kombi-Gastronomie: In bester Lage ging die „Marktlücke“ mit ihrer Außenbestuhlung sogar in die Höhe. Ihr findiger Betreiber luchste der Stadt die Genehmigung für eine große Balkonterrasse mit Pyramidenperspektive und Überblick über die sich wandelnde Baulandschaft Marktplatz ab.

Balkon abgerissen

Nun ist die U-Station Marktplatz nach fünf Jahren im Rohbau fertig und der Balkon der Marktlücke an der denkmalgeschützten Marktplatzfront wird wieder abgerissen.

Baustelle Marktplatz
DER BALKON DER „MARKTLÜCKE“ ist wieder verschwunden. Binnen fünf Jahren hatten sich viele Karlsruher an diesen Aussichtspunkt über der Riesenbaustelle Marktplatz gewöhnt. Doch der Balkon war nur ein Provisorium, um die Bauzeit zu überbrücken. | Foto: jodo

Bald beginnen dort auch die Leitungsarbeiten für die Neugestaltung des Marktplatzes. Ende 2020 wird die gute Stube der Stadt fein gepflastert sein – und die Gastronomie wie die „Marktlücke“ kann sich wieder ungehindert auf ebener Erde breitmachen.

Loch in der Kaiserstraße

Vier Wochen bis 26. August ist das Ostende der Kaiserstraße nicht mehr existent: Die Gleise rausgerissen, der Asphalt ausgebaggert. Der Betreiber des „Coffee IN“ hat die Gelegenheit am Ende der Sackgasse beim Schopf gepackt: Zwischen Bauzäunen hat er sein Café zu einem wahren Straßencafé erweitert und freut sich über den Zulauf der Baustellen-Passanten.

„K.“ hat noch Zukunft

Trendsetter dieser Kombi-Kneipen-Kultur ist übrigens der Kombi-Bauherr selbst. Die Kasig hat die Karlsruher ihren „K.“ eine Million Euro kosten lassen. Der Fertigbau-Pavillon am Ettlinger Tor bietet seit 2010 nicht nur Kombi-Informationen sondern auch ein kleines Restaurant mit großer Terrasse am Theaterplatzbrunnen.

Etabliertes Provisorium

Der „K.“ hat sich als Provisorium so gut etabliert, dass sein Ende noch nicht in Sicht ist. Schon wird überlegt ihn auch nach Fertigstellung der Kombilösung im Stadtbild zu lassen. So lange aber noch an der Kombi gebaut wird, bleibt der „K.“ samt Gastronomie am Kombi-Kreuzungspunkt von U-Strab-Südtunnel und Autotunnel Kriegsstraße in Funktion – und das kann dauern, vielleicht über Ende 2021 hinaus, dem geplanten Kombi-Endtermin nach dann zwölf Jahren Stadtumbau.