Neu ersetzt alt: Die Bauwirtschaft weist darauf hin, dass ein Großteil der bestehenden Brücken aus den 70er-Jahren stammt – als noch weniger Verkehr über sie rollte. Sie dringt auf Sanierungen und Neubauten. Das Foto zeigt die Rheinbrücke in Karlsruhe.
Neu ersetzt alt: Die Bauwirtschaft weist darauf hin, dass ein Großteil der bestehenden Brücken aus den 70er-Jahren stammt – als noch weniger Verkehr über sie rollte. Sie dringt auf Sanierungen und Neubauten. Das Foto zeigt die Rheinbrücke in Karlsruhe. | Foto: Hora

Sanierungsstau

Zustand vieler Brücken ist bedenklich: Landesvereinigung Bauwirtschaft mahnt Sanierungen an

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Einen Brückeneinsturz wie in Genua schließt Bernhard Sänger aus – weil in Deutschland die Kontrollen durch spezialisierte Ingenieure besser seien. Und dennoch mahnt der Präsident der Landesvereinigung Bauwirtschaft Baden-Württemberg bei Brücken Sanierungen und Neubauten an.

Der Zustand vieler Brücken im Südwesten sei bedenklich. „Am Beispiel der beiden Hochstraßen zwischen Mannheim und Ludwigshafen, die über den Rhein führen, sieht man, was passiert, wenn nichts passiert.“ Die Hochstraße Süd muss wegen Baufälligkeit abgerissen werden – mit verheerenden Folgen für die Verkehrsteilnehmer. „Hätte man rechtzeitig investiert, wäre es soweit nicht gekommen“, sagt Sänger bei der Jahres-Pressekonferenz seines Verbandes in Stuttgart.

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Bauwirtschaft sieht bei vielen der 9.300 Brücken Handlungsbedarf

9.300 Brücken an Autobahnen, Bundes- und Landesstraßen gibt es im Südwesten. In schlechtem Zustand seien über 60 Prozent der Brücken an Autobahnen, knapp 50 Prozent der Bauwerke an Bundesstraßen und 45 Prozent der an Landesstraßen.

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Sänger: „Das Land gibt 140 Millionen Euro für den Erhalt der Brücken aus. Das ist überhaupt nicht viel.“ Das Gros der Bauwerke stammt aus den 70er-Jahren, als noch weitaus weniger Pkw und Lkw unterwegs waren. „Korrosion ist ein großes Thema“, spricht Sänger den Baustahl in den Brücken an.

„Genehmigungsverfahren beschleunigen“

Der Branchenverband fordert von der Politik, mehr Geld für den Erhalt von Brücken bereit zu stellen. Das allein reiche aber nicht: Die Genehmigungsverfahren müssten vereinfacht werden und schneller ablaufen – gerade, wenn neue Brücken ihre maroden Vorgänger ersetzen sollen.

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Einen Hoffnungsschimmer sieht Thomas Möller. Der Geschäftsführer der Landesvereinigung weist auf eine Debatte Ende Januar im Bundestag hin. In dieser soll über schnellere Genehmigungsverfahren gesprochen werden.

„Der Klimawandel ist in fast allen Köpfen angekommen“

So kritisch wie die Landesvereinigung sich beim Thema Brücken äußert, so lobend erwähnt sie die Klimapolitik. Bei energetischen Sanierungen können künftig 20 Prozent von bis zu 200.000 Euro Investitionskosten von der Steuer abgesetzt werden. „Der Klimawandel ist in fast allen Köpfen angekommen“, sagt Rainer König, der Vizepräsident des Landesvereinigung ist und auch den Fachverband der Stuckateure für Ausbau und Fassade in Baden-Württemberg leitet.

„Wer jetzt bei seinem Haus in Wärmedämmung investiert, spart unmittelbar Heizkosten und tut zugleich etwas für die Umwelt“, sagt der in Bad Herrenalb lebende König. Nach seinen Worten entstehen etwa 30 Prozent aller Kohlendioxid-Emissionen in Deutschland durch schlecht gedämmte Gebäude und alte Heizungen.

Das entsprechende Handwerk könne einer gesteigerten Nachfrage nachkommen. „Wir haben die Kapazität.“ König weist in diesem Zusammenhang darauf hin, dass das Klimapaket mit seiner Förderung auf zehn Jahre angelegt ist.

Grundsätzlich seien die Wartezeiten nicht so hoch, wie viele Kunden das empfinden, pflichtet Möller bei und verweist auf das Beispiel Neubau eines Einfamilienhauses. „Wartezeiten von drei bis vier Monaten wird es geben können, aber das ist nichts im Vergleich zu einem neuen Auto.“

Baupreise kletterten um 4,9 Prozent

Zur Branchensituation: Noch liegen die letzten Zahlen für 2019 noch nicht vor. Aber die Landesvereinigung erwartet für die Bauwirtschaft im Südwesten fürs Gesamtjahr ein Umsatzwachstum von neun Prozent auf 19 Milliarden Euro. Die Baupreise kletterten den Angaben zufolge um 4,9 Prozent.

Die Auftragslage sei sehr gut, trotz Rückgängen im Teilsegment Straßenbau. Daher rechnet Sänger alles in allem bis zum Jahresende mit einem Umsatzplus von fünf Prozent. „Die Baupreise werden um zirka 4,5 Prozent steigen.“