Stillstand droht: Die Zukunft des C-Areals in Karlsruhe ist ungewiss. Foto: jodo

Investor erwägt Rückzug

Bebauung des Karlsruher C-Areals steht auf der Kippe

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Über das Projekt C-Areal in Karlsruhe ziehen dunkle Wolken auf. Der Investor GEM, der das Gelände in der Nordstadt 2014 erwarb, schließt angesichts einer deutlich nach hinten verschobenen Zeitleiste einen Ausstieg aus dem Stadtentwicklungsprojekt nicht aus.

GEM-Geschäftsführer Martin Müller verweist gegenüber den BNN auf eine Mail aus dem Stadtplanungsamt, in der davon die Rede ist, dass „wir erst ab 2025 bauen können“. Bei GEM sorgt dieses Mitteilung für blankes Unverständnis: „Wenn das so ist, werden wir uns von diesem Projekt verabschieden,“ macht Müller klar. Dann werde auf dem Areal aber kein Wohngebiet entstehen.

Auf dem Areal droht Stillstand

Für das Gesamtareal im Westen der Erzbergerstraße plant die Stadt mit rund 1 200 Wohnungen, ein großer Teil davon soll auf dem einstigen C-Areal entstehen. „Wir werden dann nur noch machen, was das aktuelle Baurecht her gibt, das heißt, es bleibt auf dem Areal alles wie es ist,“ so der Geschäftsführer der in Durlach residierenden GEM Ingenieurgesellschaft. „Wir haben Nutzungsalternativen – das führt dann aber nicht zu mehr Wohnraum,“ ergänzt Müller.

Hoffen auf den OB

Das Unternehmen hat nun einen Brief an OB Frank Mentrup geschickt und ihn dringend gebeten sich einzuschalten. Für den 21. Februar ist ein bereits seit längerem terminiertes Gespräch bei Baubürgermeister Daniel Fluhrer angesetzt. Da soll es um den Stand des Projektes gehen. „Offenbar wollte man uns dort über diese Nachricht informieren“. Müller und GEM-Geschäftsführer Roland Beckert erinnern an eine Aussage des früheren Baubürgermeisters Michael Obert, der 2014 davon sprach, dass es 2018 das Baurecht für das Areal gebe.

Uns erschließt sich nicht ansatzweise, warum das nicht zu schaffen ist.

Erst wenn es Baurecht gibt, können die weiteren planerischen Schritte oder auch das Umlegungsverfahren beginnen. Seit Jahren läuft das Verfahren bei der Stadt, um Baurecht für das Areal zu schaffen. Bei GEM weiß man, dass derartige Prozesse länger dauern. Das im Bau befindliche GEM-Projekt Hofgarten Karree in der Nordweststadt schaffte es in sechs Jahren. Mit einem Zeitraum von sechs Jahren könne man leben, also bis 2020 – „aber uns erschließt sich nicht ansatzweise, warum dies nicht zu schaffen ist.“

Zur Vorgeschichte: Das ehemalige Versorgungszentrum der US-Armee wurde im Mai 2014 von der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben an den Bieter GEM verkauft, insgesamt elf Hektar Fläche Dies nahm die Stadt zum Anlass, für das gesamte Gebiet östlich des Alten Flugplatzes von der New-York-Straße bis zur Lilienthalstraße einen Rahmenplan zu erarbeiten.

Werden Kosten nach oben geschraubt?

Dieser ist Grundlage für den Bebauungsplan. Die Stadt hatte dabei höchste Ansprüche in Sachen Nachhaltigkeit, Klima und Verkehr formuliert und mit Stolz bereits zertifizieren lassen. 2015 gab es einen städtebaulichen Ideenwettbewerb „Zukunft Nord“, der nach Ansicht der städtischen Planer all diese Aspekte berücksichtigt.

Bei GEM stellt man sich weiter im Prinzip hinter diese Planung, bekennt sich auch zum versprochenen Anteil von 20 Prozent Sozialwohnungen im ansonsten geplanten gehobenen Wohnquartier, sieht sich aber in den ganzen Planungsprozess nicht angemessen eingebunden. Auch verfolgt man durchaus kritisch, dass die Standards und damit die Kosten ständig weiter nach oben geschraubt würden.

Vor wenigen Wochen hatte das Land angekündigt, Grundstücke im Süden des Areals der Stadt für Zwecke der Wohnbebauung zu überlassen. Dort soll die Volkswohnung aktiv werden.