"Open Codes" vermitteln will Janine Burger (rechts), Leiterin der Museumskommunikation im Zentrum für Kunst und Medien Karlsruhe, gemeinsam mit ihrem Team in der gleichnamigen Ausstellung.
"Open Codes" vermitteln will Janine Burger (rechts), Leiterin der Museumskommunikation im Zentrum für Kunst und Medien Karlsruhe, gemeinsam mit ihrem Team in der gleichnamigen Ausstellung. | Foto: Rake Hora

Bildungsprojekt im ZKM

Begegnung auf offener Fläche

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„Open Codes ist ein Bildungsexperiment“, erklärt Janine Burger, Leiterin der Museumskommunikation. Denn in der Ausstellung im Zentrum für Kunst und Medien Karlsruhe werden Formate angeboten, die nicht nur vom Museum selbst, sondern auch von externen Akteuren kommen. Burgers Team aus etwa 15 zum Teil freien Kunstvermittlern und Kunstvermittlerinnen will Besuchern den Zugang zu den Werken und somit der digitalen Welt erleichtern: mit einem Begleitprogramm aus Aktionsführungen, bei denen kreativ und praktisch gearbeitet wird, performativen Führungen, Workshops und Vorträgen.

Experten treffen auf Museumsbesucher

Besonders gefragt sei der Open Hub gleich beim Eingang in den Lichthof. Firmen oder Gruppen können diesen anmieten und dort Treffen oder Diskussionen abhalten. Aber auch der Acker Space im hinteren Teil der Ausstellung ermöglicht neue Begegnungen. Für ein Volontärsprojekt sind seit Dienstag dort auch die Badischen Neuesten Nachrichten vertreten.

„Es entsteht ein Clash. Experten aus der digitalen Gesellschaft tauschen sich dort aus, während normale Museumsbesucher hereinkommen und mit diesen konfrontiert werden“, erklärt Burger das Konzept. „Sie nehmen wahr, was dort passiert, aber müssen nicht gezwungen daran teilnehmen.“ Die verschiedenen Menschen könnten sich „berühren“, ohne dass es unangenehm werde.

Kein starrer Ausstellungsraum.

„Es soll kein starrer Ausstellungsraum sein, sondern eine freie Fläche, die von allen gefüllt werden kann, und wo Netzwerke entstehen“, fügt Barbara Kiolbassa, wissenschaftliche Volontärin im ZKM, hinzu. „Man kann das ganz gut am Titel der Ausstellung festmachen.“ Zum Einen habe man die inhaltlich Ebene der Open Codes. Dazu komme der wichtige Untertitel: Leben in digitalen Welten. „Dieses sollen Besucher hinterfragen.“ Für die Kunstvermittlung sei das offene Konzept eine großartige Möglichkeit, noch besser in Ausstellungen präsent zu sein, vermutet Kiolbassa.

Bewusstsein für die digitale Welt

„Ich bin gestartet mit der Idee, jedem das Programmieren beibringen zu wollen. Das ist Quatsch“, erinnert sie sich. „Open Codes bedeutet vielmehr, diese sichtbar und nicht unbedingt lesbar zu machen.“ Das Ziel sei es, ein Bewusstsein zu schaffen und eine Diskussion loszutreten, so die Volontärin.

„Die Wandtexte und Labels neben den Kunstwerken werden nicht von uns geschrieben, sondern von Kuratoren. Wir würden das vermutlich einfacher formulieren“, erklärt Janine Burger weiter. „Auf unsere Art und Weise machen wir diese dann verständlich. Nicht in einem Monolog, sondern einem Dialog.“ Als Kunstvermittlerin öffne man die Tür zum Werk, aber man schreite gemeinsam mit den Besuchern hindurch.

„Wir haben festgestellt, dass unsere Gäste, wenn sie alleine in die Ausstellung gehen, Schwierigkeiten haben, den Inhalt herauszubekommen“, ergänzt Burger. Das Schönste sei es, wenn die Besucher am Ende die Arbeiten selbst entschlüsseln.

Neue Impulse durch Dialog

Eine vorgefertigte Interpretation will man hier nicht liefern, betont Barbara Kiolbassa. „Es geht bei uns um Begegnung, ein Gespräch und die eigene Perspektive. Wenn ich Führungen gebe, lerne ich immer etwas von den Besuchern.“ Man bekomme auch als Kunstvermittlerin ständig neue Impulse.

Ein Schlüsselerlebnis sei ihr besonders in Erinnerung geblieben: Vor dem Werk „Bitter Coin“ sprach ein Teilnehmer der Gruppe die produzierte Menge von Papier an, die der Taschenrechner auswirft. Daran sehe man doch, welche Ressourcen die Produktion von Bitcoins anzapfe, zitiert Kiolbassa den Museumsgast. „Das Papier habe ich bis dahin noch nie in dieser Symbolik verstanden.“

Neues Potenzial entdecken

„Es gibt Werke, die einem anfangs mehr ins Auge fallen. Mit der Zeit entdeckt man mehr und mehr Feinheiten“, ergänzt die Leiterin der Museumskommunikation, Janina Burger. „Man beginnt, Werke neu zu entdecken, die auf den ersten Blick uninteressant wirken, aber viel mehr Potenzial haben.“ Seit Beginn der Ausstellung habe sich auch der Blick der Kunstvermittlerinnen auf die Codes verändert.