Trügerische Idylle: So friedlich wie diese Szene vom Dienstagnachmittag am Baggersee verlief die Diskussion um das besagte Gewässer am Montagabend in der Grötzinger Ortsmitte nicht. | Foto: Jörg Donecker

Nach VGH-Urteil zu Tauchverbot

Beim Baggersee Grötzingen kehrt keine Ruhe ein

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Wie geht es weiter mit dem Grötzinger Baggersee? Nach dem jüngsten Urteil des Verwaltungsgerichtshofs (VGH) Mannheim ist das Tauchverbot in den Wintermonaten sowie nachts aufgehoben, ebenso wie die allgemeine Begrenzung auf maximal sechs Taucher pro Tag. (Die BNN berichteten).

Bestehen bleibt bis auf Weiteres die Aufteilung des Sees in verschiedene Zonen, wie sie der Gemeinderat der Stadt Karlsruhe am 19. Mai 2015 beschlossen hatte. Bei einem Treffen des Arbeitskreises Baggersee Grötzingen am Montagabend diskutierten Vertreter der verschiedenen Nutzergruppen sowie Ortschaftsräte und Vertreter von Umweltschutz- sowie Forstamt der Stadt Karlsruhe, was nun weiter geschehen solle. Im Raum stand eine Anfechtung des Urteils beim Bundesverwaltungsgerichtshof in Leipzig. Diese Möglichkeit werde noch geprüft, hieß es vonseiten der Stadt.

Neue Hinweisschilder müssen her

Jetzt müsse man die Hinweisschilder rund um den Baggersee erneuern, neue Flyer erstellen und die Informationen im Internet aktualisieren, erklärte die Grötzinger Ortsvorsteherin Karen Eßrich. „Das werden wir in den nächsten Tagen angehen“, versprach sie und erläuterte nochmals die jetzt geltenden Bedingungen für Taucher: Wer einen Tauchschein vorweisen kann, darf nach einmaliger Genehmigung durch die Ortsverwaltung Grötzingen in der vorgegebenen Zone tauchen.

Der Grötzinger Baggersee liegt verkehrsgünstig zwischen Karlsruhe und Stuttgart, allerdings auch teilweise innerhalb zweier Naturschutzgebiete. Die Seefläche ist zum Schutz der Natur in fünf Nutzungszonen aufgeteilt, etwa für Badegäste, Boote und Taucher.

Naturschützer sind alarmiert

Indes sind nicht alle mit dem VGH-Urteil einverstanden. Naturschützer und Ortschaftsräte der Grünen Liste Grötzingen (GLG) etwa sehen die Flora und Fauna nun noch stärker durch menschliche Einflüsse gestört. „Die Situation der Wasservögel sieht nicht ganz dolle aus“, berichtete Johannes Niederstrasser vom Amt für Umwelt- und Arbeitsschutz.

Dies könne man aber nicht eins zu eins auf Störungen durch den Menschen zurückführen. Weitere Faktoren seien etwa die am See lebenden Raubtiere und die Tatsache, dass es sich nicht um ein natürliches Gewässer handele, sondern um einen Baggersee mit steilen Ufern. Es fehlten ausreichend Flachwasserzonen mit Schilfbewuchs, die man auch nur schwierig künstlich schaffen könne.

Dennoch gab es viele Stimmen, die weitere Einschränkungen, etwa beim Parken, Baden oder wieder beim Tauchen, forderten. „Gar nicht baden würde aus Sicht des Umweltschutzes dem See am besten tun“, so etwa eine Wortmeldung aus der Grünen Liste (GLG) im Ortschaftsrat. Die Angler befürchten eine Beunruhigung der Fischbestände. Besonders das Nacht- und Wintertauchen habe massive Auswirkungen auf die Fische, erklärte Peter Oberle vom Sportfischerverein Grötzingen gegenüber den BNN.

Es werden nie alle ganz zufrieden sein

Dagegen beklagte ein Grötzinger Bürger und laut eigener Aussage „leidenschaftlicher Schwimmer“, dass er durch die Zonenregelung nicht mehr durch den gesamten See schwimmen dürfe, weil ihm die erforderliche Sondergenehmigung nicht erteilt werde.

„Es werden nie alle ganz zufrieden sein“, erklärte Jens Pickenhahn von der DLRG-Ortsgruppe Durlach. Dennoch würden die Maßnahmen der vergangenen 20 Jahre nun greifen. Liegewiese und Parkplätze seien um rund die Hälfte kleiner als früher, was den Druck auf den See sehr verringert habe. Ganz abhalten könne man die Menschen aber nicht, dort ihre Freizeit zu verbringen.

Bestimmungen sollen einfacher werden

Vielfach wurde auch der Wunsch nach einer Vereinfachung der Bestimmungen geäußert, was die Ortsvorsteherin immer wieder damit konterte, dass die bestehende Regelung bereits ein schwieriger Kompromiss gewesen sei.

Karen Heidtmann, die mit Unterstützung des Badischen Tauchsportverbands das VGH-Urteil erwirkt hat, äußerte gegenüber den BNN Verständnis für die Belange der anderen Interessengruppen. Auch sie wünsche sich eine Vereinfachung der Regelungen. „Ich fände es gut, wenn wir auf Basis dieses Urteils eine Gesprächsbasis finden.“