Elegant, aber schlicht weist das Schild an der Fassade der Postgalerie auf das Centre Culturel Franco-Allemand Karlsruhe hin. Die Direktorin wünscht sich mehr Sichtbarkeit und Synergien in einem deutsch-französischen Kulturhaus.
Elegant, aber schlicht weist das Schild an der Fassade der Postgalerie auf das Centre Culturel Franco-Allemand Karlsruhe hin. Die Direktorin wünscht sich mehr Sichtbarkeit und Synergien in einem deutsch-französischen Kulturhaus. | Foto: Jörg Donecker

Centre Culturel Franco-Allemand

Bekommt Karlsruhe ein deutsch-französisches Kulturhaus?

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Wer es kennt, findet das Centre Culturel Franco-Allemand (CCFA) Karlsruhe schnell. Wer es (noch) nicht kennt, der muss ein wenig suchen. Über einen Seiteneingang an der Karlstraße, direkt bei der Bahnhaltestelle Europaplatz/Postgalerie, gelangt man mit dem Fahrstuhl ins kulturelle deutsch-französische Herz der Stadt.

Die Beschilderung an der Fassade der Postgalerie ist dezent, die Konkurrenz um Sichtbarkeit groß: Ein Fitnessstudio, ein Sportartikelgeschäft und eine Consultingfirma werben dort ebenfalls für ihre Angebote. Wer aus Versehen, dem großflächigen Hinweis aufs Fitnessstudio folgend, durch das breite Eingangsportal links daneben ins Gebäude geht, ist schon falsch gelaufen. Das Centre Culturel ist nur durch die weiß gerahmte, meist geschlossene (aber nicht zugesperrte) Tür zu erreichen.

Franzosen fanden das Wahlbüro im Centre Culturel nicht

Oben angekommen, öffnet sich der Eingangsbereich. Bis man auf einen Menschen trifft, muss man einige Schritte durch den langen Flur gehen. Wer nur mal kurz reinschauen will, macht vor dieser Hürde häufig schon wieder kehrt, erzählen die Mitarbeiter des Centre Culturel. „Die Postgalerie wird vor allem kommerziell genutzt“, sagt CCFA-Direktorin Marlène Rigler. Dazu passe die Kultureinrichtung nicht.

Im Centre Culturel können Französischkurse belegt werden, es finden Kunstausstellungen und andere kulturelle Veranstaltungen statt – und vor allem begegnen sich hier Menschen von beiden Seiten des Rheins. Die verbindende Funktion zwischen Frankreich und Deutschland füllt das Centre auch in gesellschaftlicher Hinsicht aus, etwa indem das Centre ein Wahlbüro für französische Staatsbürger fungiert.

„Bei den letzten Frankreichwahlen hatten wir aber das Problem, dass viele uns nicht gefunden haben“, sagt Rigler. Das habe damals den Anstoß gegeben, über einen neuen, besser sichtbaren Standort nachzudenken.

Kulturbürgermeister Käuflein: „Die Auffindbarkeit ist ein Problem“

„Die jetzigen Räume sind besser als in der Kaiserstraße“, betont Kulturbürgermeister Albert Käuflein. Bis 2012 war das Centre Culturel in einem Gebäude an der Ecke Kaiser-/Douglasstraße untergebracht, mit großem Hinweisschild an der Fassade, aber in einem eher subkulturellen Umfeld mit Spielcasino und dunklem Hauseingang im Erdgeschoss.

Die Postgalerie sei ein sehr repräsentativer Bau, allerdings sei die Eingangssituation fürs Centre Culturel schwierig: „Die Auffindbarkeit ist ein Problem“, so Käuflein, der dem Stiftungsrat der deutsch-französischen Kulturinstitution vorsteht. Er verstehe, dass die Direktorin sich für eine Verbesserung einsetzt.

„Die Sache könnte eine entscheidende Wendung bekommen, wenn wir die Stadtbibliothek am Kronenplatz bauen“, so Käuflein. Wenn im Rahmen des Sanierungsplans Innenstadt-Ost der Kronenplatz aufgewertet wird und die Stadtbibliothek dort ein neues, größeres und modernes Domizil bekommt, könnte auch für das Centre Culturel wieder ein Umzug anstehen.

Bibliothek am Kronenplatz, Centre Culturel im Prinz-Max-Palais?

Die Stadtbibliothek, der im Neuen Ständehaus allmählich der Platz ausgeht, könnte am Kronenplatz auch noch die Kinder- und Jugendbibliothek unter ihr Dach aufnehmen. Dann wird im Prinz-Max-Palais Platz frei, den das Centre Culturel gerne ausfüllen würde. Gemeinsam mit der Literarischen Gesellschaft Karlsruhe und dem Stadtmuseum könne im Prinz-Max-Palais ein deutsch-französisches Kulturhaus entstehen. „Ein solches Mehrspartenhaus wäre das einzige in der deutsch-französischen Rheinschiene und ein Alleinstellungsmerkmal für die Stadt Karlsruhe“, meint Rigler.

Für die Idee eines Kulturhauses kann sich auch der Kulturbürgermeister begeistern. „Aber das haben wir noch nicht morgen“, räumt Käuflein ein. Derzeit liefen interne Abstimmungen, ob die Sanierung des Prinz-Max-Palais schon in den nächsten Doppelhaushalt der Stadt aufgenommen werden könne – darüber müsse dann noch der Gemeinderat entscheiden.

Deutsch-französisches Kulturhaus als Alleinstellungsmerkmal für Karlsruhe

„Es muss so saniert werden, dass verschiedene Nutzungen möglich sind“, sagt Käuflein. Der im Kulturkonzept der Stadt festgeschriebene Grundsatz „Kultur braucht Räume“ sei offensichtlich. Ein Kulturhaus mit Stadtmuseum, Literarischer Gesellschaft und Centre Culturel unter einem Dach sieht er als gute Lösung.

Das könne aber noch einige Jahre dauern. In der Zwischenzeit gebe es andere Möglichkeiten, die Sichtbarkeit des Centre in Karlsruhe zu erhöhen, etwa durch Kooperationen und Veranstaltungen außer Haus. „Frau Rigler macht das gut, weil sie sich mit anderen Kultureinrichtungen vernetzt. Da hat sie meine volle Unterstützung.“

Über das Inhaltliche sei man sich mit der Literarischen Gesellschaft Karlsruhe einig, sagt Marlène Rigler. „Jetzt braucht es noch die Stadt- und Landespolitik, um die entsprechenden Weichen zu stellen.“