Tatort einer Gewalttat: der Foxy Cub im Karlsruher Stadtteil Oberreut. | Foto: Riedel

Belastende Aussagen

Prozess um Bluttat in Karlsruhe-Oberreut: Augenzeugen standen nur wenige Meter entfernt

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Am zweiten Verhandlungstag im Mordprozess gegen einen 54-Jährigen am Landgericht Karlsruhe haben zwei Augenzeugen den Angeklagten schwer belastet. Beide gaben an, bei dem tödlichen Schuss nur wenige Meter entfernt gewesen zu sein und den Mann eindeutig erkannt zu haben. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm vor, einen 39 Jahre alten Bekannten am 20. Januar diesen Jahres im „Foxy Club“ in Oberreut ermordet zu haben.

Auch ein mögliches Motiv spielte in den Aussagen eine erste Nebenrolle. Der Angeklagte schweigt weiterhin zu den Vorwürfen. Er verfolgte den Prozess fast regungslos, beantwortete lediglich kurze Nachfragen seiner vier Verteidiger.

Club-Betreiberin stand beim Schuss wenige Meter entfernt

Als erste Zeugin bestätigte die damalige Betreiberin des Clubs den Tathergang wie ihn die Polizei ermittelt hatte. Der 54-Jährige sei gegen 3 Uhr da gewesen, habe den Club dann aber nochmals verlassen. Nach seiner Rückkehr 30 bis 45 Minuten später sei er zunächst auf die Theke zugelaufen, hinter der sie stand. Er habe aber ihren Gruß ignoriert. Stattdessen habe er sich zum leicht baulich abgetrennten Spielautomatenbereich gedreht und den Arm gehoben. Dann sei der Schuss gefallen und der Angeklagte habe in zügigem Tempo den Club verlassen.

Er sei im „Foxy Club“ kein Unbekannter gewesen, vielmehr habe er zwei, drei Mal im Jahr dort vorbeigeschaut, so die Zeugin. „Er war ein unauffälliger Gast. Hat nie Theater gemacht“, beschreibt sie ihn. In der Tatnacht habe er ruhig gewirkt.

Streit schon vor der Tatnacht

Auch ein zweiter Zeuge belastete den 54-Jährigen schwer. Er sei zum Zeitpunkt der Tat unmittelbar neben dem Opfer an einem Spielautomaten gestanden, gab der 43-Jährige zu Protokoll – keine zwei Meter vom Schützen entfernt. Nach dem Knall habe er sich erschrocken umgedreht und den Angeklagten eindeutig erkannt. Auch er gab an, ihn seit Jahren flüchtig zu kennen und immer wieder ein paar Worte mit ihm gewechselt zu haben.

Auf Nachfrage der Staatsanwaltschaft gab der Zeuge Einblick in das mögliche Motiv. So sollen der Angeklagte und das Opfer in den Wochen vor der Tat mindestens zweimal aneinander geraten sein: Einmal an Weihnachten 2018 im privaten Umfeld und einmal in einem Bistro in Grünwinkel. Die Informationen seien allerdings aus zweiter Hand, selbst bestätigen könne er das nicht, gab der Zeuge an.

Alkohol- und Drogenkonsum des Angeklagten spielen eine Rolle

Insgesamt fünf Zeugen wurden am Mittwoch gehört. Es ging um Details des Tatablaufs und einen Abgleich mit den von der Polizei erfassten Aussagen. Allein die ehemalige „Foxy-Club“-Betreiberin musste sich über eineinhalb Stunden den Fragen des Richters, der Staatsanwaltschaft, der Nebenklage und der vier Verteidiger stellen.

Immer wieder drehten sich die um einen möglichen Alkohol- oder Drogenkonsum des Angeklagten, vor allem in der Tatnacht. So gab der Ehemann der Clubbetreiberin an, der 54-Jährige habe nach Alkohol gerochen. Dennoch habe er einen „gelassenen Eindruck“ gemacht. Früher habe er den Angeklagten jedoch einmal dabei beobachtet, wie er „sich Drogen durch die Nase“ gezogen habe.

Der Prozess wird am 6. November um 9 Uhr fortgesetzt. Insgesamt sind drei weitere Verhandlungstage geplant. Das Urteil soll am 14. November fallen. Wann die Anwälte die am ersten Prozesstag angekündigte Erklärung des Angeklagten verlesen möchten, haben sie noch nicht geäußert.