Kinder lernen schwimmen
Wer schwimmen lernt, erobert eine spritzige neue Welt. Doch längst nicht alle Grundschüler halten sich sicher über Wasser. Nichtschwimmer unter Karlsruhes Drittklässlern fischt die Aktion Schwimmfix heraus. | Foto: dpa

Förderaktion in Karlsruhe

Benefizbahnen für Nichtschwimmer

Bei sommerlicher Hitze mit Klassenkameraden ins Freibad radeln. Mit der besten Freundin im Wellenbecken am Rheinstrand auf und ab hüpfen. Gleichaltrige bei der Spaßparty im Hallenbad oder am Baggersee treffen. Im Urlaub am Meer fröhlich kreischend in die Brandung sprinten. Sobald Kinder sicher schwimmen können, erschließt sich ihnen eine spritzige neue Welt. Zumal sie ab dem achten Geburtstag auch ohne Begleitung Erwachsener die Schwimmbadkasse passieren dürfen.

Manches Kind flutscht durch die Maschen

In der Schule gehört Schwimmunterricht in der dritten Klasse fest ins Programm. Die Bäderstadt Karlsruhe mit ihrem flächendeckenden Angebot an geeigneten Hallenbädern macht in puncto Schulschwimmen eine gute Figur. Und dennoch: Auch in der Fächerstadt lernt längst nicht jedes Kind, sich gut über Wasser zu halten.

Jährlich nehmen 400 Kinder teil

Damit möglichst kein Karlsruher Kind Nichtschwimmer bleibt, organisiert ein Bündnis Engagierter aus Stadtverwaltung, Hochschulen, Schulen, Vereinen und Sponsoren die Aktion SchwimmFix. Der Bedarf ist offensichtlich: Mehr als 3 000 Mädchen und Jungen im Grundschulalter haben seit 2011 durch diese Initiative das nasse Element für sich erobert. Jährlich nehmen über 400 junge Nichtschwimmer teil. Nun steht das Projekt vor einem Wachstumsschub.

Benefizschwimmen am 16. Juni

Um auch künftig jeden kleinen Kandidaten aufnehmen zu können, gibt es ein 15-Stunden-Schwimmen im Fächerbad. Das Motto: „Bahnen ziehen, damit Kids schwimmen lernen“.

Zugunsten von Grundschulkindern, die sich mit dem Schwimmenlernen schwer tun, gehen am Samstag, 16. Juni 2018, von 7 bis 22 Uhr Frühstarter und Langschläfer, Gruppen, Einzelstarter, Familien, Staffeln, junge und alte Schwimmer im Fächerbad ins Wasser. Beim 15-Stunden-Schwimmen tragen sie per Sponsorenmodell Geld für die Finanzierung von Schwimmfix zusammen.
Parallel gestalten die Organisatoren in dem Cabriobad im Sportpark der Waldstadt einen Spielenachmittag für Kinder und stellen eine Fotobox mit Paula, dem Pinguinmaskottchen, auf.
Vorherige Anmeldung ist erbeten, eine spontane Teilnahme ist aber auch möglich. Formulare sind hier zu finden.

Nur Heidelberg könne Karlsruhe in puncto früher Förderung von Nichtschwimmern das Wasser reichen, unterstreicht Faris Abbas aus dem Schul- und Sportdezernat der Stadt Karlsruhe. Schwimmfix kostet jährlich rund 23 000 Euro, der Löwenanteil muss von Spendern erbeten werden. Die Bildungsregion von Stadt und Landkreis Karlsruhe gibt 5 000 Euro Zuschuss.

Spendenkonto
Für direkte Pauschalspenden an die Aktion Schwimmfix ist folgendes Spendenkonto eingerichtet: Förderverein Schwimm-Region Karlsruhe, IBAN DE75 6605 0101 0010 2294 09, mit folgendem Verwendungszweck: 20180616 Schwimmfix.

Die Initiative sei breit aufgestellt, „weil viele das sehr gut finden und mitarbeiten“, sagt Abbas. Eine zentrale Rolle spielt der Schulsportkoordinator und Rektor der Marylandschule, Johannes Ruckenbrod. Wichtige Akteure sind zudem das Karlsruher Institut für Technologie (KIT), Pädagogische Hochschule (PH) und Schwimmregion Karlsruhe sowie das Fächerbad, das die Mischung aus Schwimmstaffel und -Marathon für den guten Zweck ausrichtet.

Organisatorenteam im Fächerbad
Regie führen beim 15-Stunden-Schwimmen im Fächerbad (von links) Gitta Strähle, Faris Abbas, Mechtild Swienty und Joachim Hornuff. | Foto: jodo

Der Fächerbad-Geschäftsführer Joachim Hornuff und die Mitarbeiterinnen Mechtild Swienty, Gitta Strähle und Jenny Retzbach koordinieren viele Helfer, die zählen, wie viele Bahnen die Benefizschwimmer ziehen. Von solch souveräner Bewegung im nassen Element können Kinder nur träumen, deren Eltern nicht freiwillig ans oder gar ins tiefe Wasser gehen.

Rund 30 Schulen machen mit

In rund 30 Karlsruher Grundschulen fischen die SchwimmFix-Organisatoren jedes Jahr unter Drittklässlern gründlich nach Nichtschwimmern. Dies sei entwicklungsphysiologisch etwas spät, reduziere aber „den Beifang“, sagt Abbas lächelnd.

Ohne Angst ins Wasser

Wackelkandidaten, die sich im Schulunterricht nicht noch freischwimmen, lernten es später ohne gezielte Aktion nicht mehr. Im Schwimmfix-Konzept gewöhnen Lehrassistenten maximal acht Nichtschwimmer ans Wasser. Die Kinder verlieren die Scheu vor dem Ungewohnten und bewegen sich bald bestenfalls ohne Angst in den Fluten. Ideal wäre, dass kein Kind durch die Maschen flutscht.

Ertrinken ist zweithäufigster Unfalltod bei Kindern

Zwar bleibt trotz Nachschulungen eine Misserfolgsquote. Das schmälert aus Sicht von Hornuff und Abbas nicht den Sinn von Schwimmfix. Denn nicht zuletzt geht es auch um Gefahrenabwehr und Unfallverhütung. Bei tödlichen Unfällen im Kindesalter steht – bei niedrigen Fallzahlen – das Ertrinken nach Unfällen im Straßenverkehr statistisch an zweiter Stelle.

Bundesstatistiker zählten zuletzt 37 ertrunkene Kinder

Die Bundesarbeitsgemeinschaft Mehr Sicherheit für Kinder zitiert dazu Daten des Statistischen Bundesamtes. Von 182 Kindern, die im Jahr 2015 nach einem Unfall starben, kamen demzufolge 84 durch Verkehrsunfälle ums Leben und 37 durch Ertrinken. Mindestens 17 dieser ertrunkenen Kinder waren allerdings maximal vier Jahre alt. Wie viele der übrigen 20 im Wasser ums Leben gekommenen Kinder Nichtschwimmer und mindestens Drittklässler waren, ist nicht ausgewiesen.