Explosiv oder revolutionär? Beim Autokauf geht es darum, die Technik zu finden, mit der man auch noch in einigen Jahren dorthin kommt, wohin man will.
Explosiv oder revolutionär? Beim Autokauf geht es darum, die Technik zu finden, mit der man auch noch in einigen Jahren dorthin kommt, wohin man will. | Foto: Schierenbeck

Fahrverbote

Benziner, Diesel, Hybrid oder Elektroauto? ADAC in Baden sieht keine Sicherheit beim Autokauf

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Diesel, Elektro, Hybrid oder doch ein Benziner? Ich will doch nur ein Auto, mit dem ich jederzeit überall hin komme. Selten war es so kompliziert, ein neues Auto zu kaufen. Noch dazu, wenn man so altmodisch ist, dass das Auto bitte mindestens 15 Jahre fahren soll.

Auto kaputt und ein neues muss her? Der Zeitpunkt, sich ein neues Auto zu kaufen, könnte kaum schwieriger sein als derzeit. Diesel, Benziner, Hybrid oder Elektro? Selbst die neueste Technik stellt nicht sicher, dass das Auto immer und unbegrenzt überall hin fahren kann. Der ADAC sagt: Das mit der Autowahl ist zur Zeit eine echte Qual.

ADAC sieht keine Planungssicherheit bei Euro 6-Diesel

„Planungssicherheit über die ganze Lebensdauer ihres Autos kann ihnen keiner geben. In puncto Fahrverbote rechnen wir eher von Legislaturperiode zu Legislaturperiode“, sagt Michael Uhrig. Er ist Technikexperte des ADAC Nordbaden. „Wenn sich die Luftqualität nicht verbessert, darf man bald auch mit dem Euro 6 nicht mehr nach Stuttgart.“ Derzeit gilt ein Fahrverbot für Diesel nach Euro 5 Norm.

Markus Walter, Autohändler aus Pforzheim, sieht es gelassener. „Technischen Wandel und Einschränkungen hatten wir schon immer. Erst haben wir ungeregelte Katalysatoren gefordert, gefördert und eingebaut. Dann waren die ungeregelten plötzlich doch nicht die richtigen.“

Nur 20% der Kunden kaufen E-Autos

Walter ist ein Fan des elektronischen Antriebs, auch wenn seine Kunden immer noch voll auf Verbrenner stehen. Allenfalls 20 Prozent, so sagt er, kaufen derzeit schon elektrisch.

Das Elektroauto ist vergleichsweise verschleißfrei

Markus Walter, Autoverkäufer

„Wer heute ein Elektroauto kauft, glaubt, er kauft den Zweitwagen für die kleinen Distanzen.“ Nicht selten aber werde aus dem Zweitwagen schnell der Erstwagen. „Weil der Fahrspaß einfach groß ist“, so Walter. Den Mehrpreis bei der Anschaffung spare man auf lange Sicht beim Unterhalt.

„Das Elektroauto ist vergleichsweise verschleißfrei. Der Motor hält wesentlich länger, Getriebe, Auspuff, Anlasser, Lichtmaschine, was nicht da ist, kann auch nicht kaputt gehen.“

Elektro hat seinen Preis – kann für Pendler aber sinnvoll sein

Doch der ADAC-Experte bleibt skeptisch. „Der Anschaffungspreis ist weiterhin eine hohe Hürde. Und die Fahrt in den Urlaub wird mit dem Elektroauto zu einem Abenteuer – wie damals mit dem Käfer über die Alpen.“

Wer sich zutraue, seine Fahrten sorgfältig vorauszuplanen, für den könne das batteriegetriebene Auto schon was sein. „Der Pendler, der am Arbeitsplatz nachladen kann, hat die Option. Aber auf einen Rutsch in den Urlaub nach Süditalien ist dann nicht mehr drin.“

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Das Vorpreschen großer Unternehmen ist für Uhrig der Schlüssel zum Umstieg. „Bei SAP hat man den Parkplatz im Parkhaus mit der Nachhaltigkeit des Firmenwagens gekoppelt. Je nachhaltiger das Auto, desto näher war der Parkplatz am Ausgang. Es war enorm, wie viele Menschen sich für einen kleinen Stromer entschieden haben.“

Umwelt spielt in Kaufentscheidung kaum eine Rolle

Uhrig meint, so könne man die Berührungsängste zum Elektroauto abbauen. Doch was man letztlich wirklich anschafft, hänge sehr von der individuellen Situation ab. Die wenigsten verbinden den Autokauf mit einem umweltpolitischen Statement, so Uhrig.

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Auch ein gebrauchter Diesel erfüllt seinen Zweck

„Wer kurze Wege fährt und eine eigene Garage hat, für den ist das Elektroauto vielleicht eine Alternative“, sagt der ADAC-Experte. Wer in gesperrte Innenstädte muss, solle über den öffentlichen Personennahverkehr nachdenken.
Aber wer längere Strecken fährt, für den wird es wohl beim Verbrenner bleiben. „Je nach Bedarf und Geldbeutel kann da auch schon ein gebrauchter Diesel das Problem lösen“, sagt Uhrig.