CRONIMET ist eine Größe im Edelstahl-Recycling – gibt sich mit dem Geschäftsführenden Gesellschafter Jürgen Pilarsky aber bescheiden. Die Holding wagt weniger Risiken als in früheren Jahren. Sie sichert Rohstoffpreise nun möglichst komplett ab. | Foto: Fabry

Global Player aus Karlsruhe

Bescheidene Cronimet ist die Nummer eins

Anzeige

Cronimet-Chef Jürgen Pilarsky (58) kommt in Jeans und im blauem Hemd zum Gespräch mit den BNN. Er mag keinen Rummel um seine Person, muss sich für ein Foto überreden lassen. „Mir geht es nicht um die Person. Mir geht es ums Unternehmen“, sagt er. Ungewohnt häufig für einen Manager eines Global-Players erwähnt er die Bedeutung der Belegschaft. „Unsere Mitarbeiter sind es, was uns ausmacht.“

Badisches Understatement auch zum Unternehmen selbst. Erst auf Nachfrage erwähnt er, dass man mittlerweile beim Edelstahl-Recycling „mit einem Hauch Vorsprung“ weltweit die Nummer eins sei. „Ob wir die Nummer eins oder zwei sind, ist nicht entscheidend“, meint der Sohn des Firmengründers Günter Pilarsky. Maßgebend sei, dass man einen guten Job mache.

Cronimet schrieb 2015 und 2016 letztlich Verluste

Die Cronimet-Holding hat herausfordernde Jahre hinter sich. Wegen der schlechten Rohstoffpreise habe sie 2015 und 2016 letztlich Verluste geschrieben, sagt Pilarsky. Drei Standorte in Deutschland wurden geschlossen. Die Mitarbeiterzahl wurde nach seinen Worten jedoch stabil gehalten.

Mittlerweile liefen die Geschäfte wieder rund. Das Betriebsergebnis hat sich demnach auf 37,2 (2016: 7,8) Millionen Euro verbessert. Die positive Ergebnisentwicklung sei auch von den Finanzmärkten honoriert worden. Mit einem internationalen Bankenkonsortium wurde laut Pilarsky jüngst ein Konsortialkreditvertrag über rund 600 Millionen Euro für drei Jahre unterschrieben, der deutlich überzeichnet war.

Das Familienunternehmen hat sich gewandelt. Pilarsky nennt einen Bündel an Maßnahmen: So werden weniger Risiken eingegangen – wann immer möglich, sichert man die Rohstoffpreise zu 100 Prozent ab. Zudem werden die Prozesse optimiert. So läuft die SAP-Einführung im Unternehmen weltweit. Das jeweilige Know-how der Mitarbeiter an den 61 Standorten auf vier Kontinenten vernetzt und nutzt Cronimet mehr denn je.

„Wir bleiben Spezialist“

„Wir bleiben der Spezialist“, sagt Pilarsky zur Strategie. Das Recycling mit rund 90 Prozent Umsatzanteil bei der Holding bleibe der Schwerpunkt. Ziel sei es nun , die Dienstleistungssparte zu stärken. Dazu zählt die Analysetechnik. Es geht aber auch darum, die Expertise auf Gebieten wie bei 3-D-Druckern einzubringen, die Metallpulver brauchen. Man fokussiere sich mittlerweile auf organisches Wachstum und nicht auf Zukäufe.
Cronimet-Gründer Günter Pilarsky sei übrigens nahezu täglich im Unternehmen und für jeden Ratschlag zu haben. Im Tagesgeschäft sei er nicht mehr tätig. Er machte das Unternehmen von Karlsruhe aus zu einem Global Player.

Die Fächerstadt bleibe die Zentrale der Unternehmensgruppe, unterstreicht sein Sohn. Dort arbeiten 262 Mitarbeiter – unter anderem in dem Werk, in das zu Stoßzeiten 80 Laster pro Tag hin- oder wieder wegfahren. Risiken sieht Pilarsky im Protektionismus. Da Cronimet aber – bis auf Australien – auf allen Kontinenten vertreten ist, könne man relativ flexibel reagieren. Als Chance betrachtet der Unternehmer es, dass immer mehr Verbundstoffe auf den Markt kommen, die man nach der Verwendung trennen und wiederverwerten will.

 

Weitere Texte über Cronimet lesen Sie in den BNN vom 11. August 2018