Der "Future Truck" von Daimler lässt die mobile Zukunft schon erahnen. | Foto: Hora

Exklusive BNN-Leserführung

Besondere Einblicke in das Daimler-Werk in Wörth

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Joachim Ehrhardt drückt aufs Tempo: „Wir gehen jetzt weiter, sonst müssen wir noch mithelfen. Denn hier gilt das Zehn-Minuten-Prinzip: Jeder, der länger als zehn Minuten an einer Station steht, der gilt als angelernt und muss mit anpacken“, sagt Ehrhardt und lacht. Am Mittwochmorgen hat der erfahrene Werksführer von Daimler eine ganz besondere Gruppe im Schlepptau. Es sind die Gewinner einer BNN-Leseraktion, die einen Blick hinter die Kulissen des weltgrößten Lkw-Montagewerks in Wörth werfen dürfen.

Pro Jahr werden 90.000 Lkw ausgeliefert

Ehrhardt ist also mit besonders neugierigen Begleitern unterwegs, die in den Werkshallen gerne auch etwas genauer hinsehen – und fleißig Fragen stellen. Mit wie viel Grad werden die Teile verschweißt? Welche Roboter kommen in der Montage zum Einsatz? Wie lange dauert die Endmontage eines Fahrzeugs? Der Werksführer liefert Antworten im Minutentakt. Ähnlich zuverlässig wie die anderen rund 10 750 Beschäftigten am Daimler-Standort in Wörth. Von hier aus werden pro Jahr etwa 90 000 Lkw ausgeliefert (siehe Hintergrund). Jeder Handgriff muss sitzen. Das erfahren auch die BNN-Leser bei ihrer kompakten Reise durch einen kompletten Produktionszyklus.

„Jetzt sind wir an Tag eins – das Fahrerhaus wird aufgebaut“, erzählt Ehrhardt den Führungsteilnehmern in der ersten Halle. Es dauert etwa zehn Stunden, bis „die Hülle“ des künftigen Lkw steht. Große Roboterarme greifen die Metallteile, die unter anderem aus dem Presswerk in Kuppenheim zeitgenau angeliefert werden. „Die Roboter sind alle von Kuka. Denn das ist der Mercedes unter den Robotern“, sagt Ehrhardt, der nicht nur anschaulich jeden Montageschritt vermittelt, sondern die Gruppe auch mit viel Witz bei Laune hält.

Weiß dominiert als Farbe

Menschen sind in der Fahrerhaus-Fertigung nur wenige zu sehen. Meist assistieren sie nur den Maschinen.
Danach geht es durch die Lackierung. Hier dreht der Werksführer den Spieß um: „53 Prozent der Fahrzeuge werden weiß. Welches ist die Farbe, die am zweithäufigsten geordert wird?“, fragt er in die Runde. Die üblichen Verdächtigen, Schwarz oder Grau, sind es natürlich nicht. Weil viele Straßenmeistereien bei Daimler bestellen, lautet die richtige Antwort Orange. Bis zu 24 Stunden verbringen die Laster beim Lackieren.
Schneller läuft es dann in der Endmontage. Und hier herrscht plötzlich ein ganz anderes Bild als in den beiden anderen Werksteilen.

Zig Mitarbeiter tummeln sich auf dem etwa 420 Meter langen Band. „Im Rohbau haben wir 240 Roboter – hier sind es drei“, so Ehrhardt. Da im Prinzip jedes Fahrzeug anders konfiguriert ist, wäre der Einsatz von Maschinen hier wenig sinnvoll. Dass auch der Mensch präzise und schnell arbeiten kann, wird in diesem Bereich deutlich. „Die Durchlaufzeit beträgt sechs Stunden“, sagt Ehrhardt. Danach macht er die Führungsteilnehmer zu „Trauzeugen“. Bei der sogenannten Hochzeit werden Karosse und Fahrgestell zusammengeführt. Nahezu fertig ist das Fahrzeug, das danach noch Reifen bekommt und durch die ausführliche Endabnahme geht.

Begeistert von Logistik

„Das ist schon unglaublich“, sagt Teilnehmerin Ute Berth, die begeistert davon ist, wie durchstrukturiert alles in Wörth abläuft. Sascha Merkel ist vor allem „von der Logistik, die dahinter steckt“, beeindruckt. Es werden kaum Teile länger als zwei Tage gelagert, manche sogar nur wenige Stunden. „Und dennoch ist jeder Lkw ein Unikat“, sagt Jürgen Seeburger. „Alles ist genau dann am Band, wenn es gebraucht wird“, zeigt sich der Teilnehmer begeistert.

Kaum ist das Lob ausgesprochen, geht es auch schon rasant weiter. Die BNN-Gruppe erhält als exklusive Zugabe eine Fahrt mit dem Bus über die Teststrecke des Entwicklungs- und Versuchszentrums (EVZ). „Das ist eine Ausnahme für Sie. Denn hier werden Dinge getestet, die noch nicht für die Öffentlichkeit bestimmt sind“, sagt Ehrhardt. Über Unebenheiten geht es einen Steilhügel (18 Prozent Steigung) hinauf und dann mit hohem Tempo in eine Steilkurve. In der Gruppe wird laut gejohlt. Es ist der Schlusspunkt einer Führung, die alle Teilnehmer in ihren Bann zog.