Der Betonblock an der Kriegsstraße wird abgerissen
DIE ABRISSBIRNE wird den Betonklotz, der seit rund 50 Jahren die Front der Kriegsstraße gegenüber vom Nymphengarten ausmacht, entfernen. Dort will der Freiburger Projektentwickler Unmüssig ein Hotel der Marke „Motel One“ hinsetzen. | Foto: jodo

„Motel One“ am Nymphengarten

Alter Betonklotz an der Kriegsstraße fällt für Hotel

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Ein Tunnel und ein Hotel werden die Kriegsstraße verändern. Das pure Asphalt- und Betonzeitalter an der Kriegsstraße geht zu Ende: Die City-Schneise für die autogerechte Stadt von vor 50 Jahren und einer der größten Bauklötze Karlsruhes verschwinden. Ein Boulevard und darunter ein Tunnel für den Durchgangsverkehr kommen stattdessen. Vermutlich wird die neue Kriegsstraße 2021 fertig. Dann steht dort voraussichtlich schon an exponierter Stelle statt des heute leeren Büro- und Praxenblocks ein Hotel der Marke „Motel One“ mit rund 250 Betten an der Kriegsstraße. Baubürgermeister Michael Obert spricht von einer „Initialzündung“ für die Gestaltung der neuen Kriegsstraße.

Hotel mit 250 Zimmern

Die Freiburger Unmüssig Bauträgergesellschaft Baden hat die siebenstöckige Immobilie Kriegsstraße 23-25 mit 6 000 Quadratmetern Nutzfläche von der Karlsruher Familienheim gekauft. Die Wohnbaugenossenschaft selbst hatte die Betonburg an der Kriegsstraße 2014 aus einer Insolvenzmasse für sechs Millionen Euro erworben. Die Firma Unmüssig bestätigt gegenüber den BNN: „Wir reißen das Gebäude ab und planen ein Hotel.“ Der Freiburger Projektentwickler erklärt, dass die Fertigstellung 2020 angestrebt werde. Zudem steuere man einen Architektenwettbewerb für den Neubau an, versichert Unmüssig. Man schaffe dabei eine „Budget Design“ Herberge „nach feststehendem Konzept“. Der Bauträger Unmüssig stellt gerade in Freiburg am Friedrichsring mit einer Investitionssumme von 26,5 Millionen Euro ein „Motel One“ bis Frühling 2017 fertig.

 

Der Nymphengarten dund die City kann der Hotelgast ab 2020 aus dem Fenster sehen
NYMPHENGARTEN UND CITY-KULISSE – das ist der Blick aus dem Fenster des Hotels an der Kriegsstraße, dessen Inbetriebnahme für 2020 geplant ist. Die Kriegsstraße wird dann aber ganz anders als heute aussehen. Genau zwischen der Ritterstraße (links) und der Lammstraße (rechts) wird ab Frühling 2017 für den Autotunnel gebaggert. 2021 soll der Boulevard mit Bahntrasse und Baumreihen fertig sein. | Foto: jodo

„Motel One“ ist eine im Jahr 2000 gegründete und stark expandierende Hotelgruppe mit derzeit 55 Häusern und 14 000 Zimmern – darunter in Hamburg, München oder Edinburgh und London. Bis 2017 strebt das Münchener Unternehmen 72 Hotels mit 18 000 Zimmern an, davon ein Drittel im Ausland. In der Regel kostet dort eine Übernachtung 69 Euro.
„Viel Design für wenig Geld“ lautet der Slogan von „Motel One“. Für das Freiburger Unternehmen Unmüssig ist es das erste Bauprojekt in Karlsruhe. Die Breisgauer haben aber schon viele Großprojekte in Südwestdeutschland zwischen Frankfurt, Heidelberg und Freiburg verwirklicht.

Baustelle ab Frühjahr

Die Fächerstadt steckt seit sieben Jahren im Kombi-Umbruch. Mit der Umgestaltung der Hauptachse des Autoverkehrs geht es nun aber 2017 erst richtig los. Ab April wird der Tunnel abschnittsweise in offener Bauweise erstellt. Zuerst kommt die Strecke zwischen Ritterstraße und Lammstraße an die Reihe. Bereits im März wird deshalb die Fußgängerbrücke an der Ritterstraße abgerissen, der Steg an der Lammstraße fällt später.

Staugefahr 2017

Die Autofahrer müssen folglich 2017 mit erheblichen Behinderungen auf der Kriegsstraße an der Engstelle in Höhe des Nymphengartens rechnen. Liegt dort der Deckel auf dem Tunnel, kann der Autoverkehr wieder provisorisch auf der zunächst noch überwiegend im alten Stil wiederhergestellten Oberfläche rollen – und die Karawane der Bagger und Kräne zieht weiter zum Mendelssohnplatz.

Die Asphalt- und Betonschneise Kriegsstraße wird verwandelt.
VOR DER UMGESTALTUNG steht die Kriegsstraße. Dabei verschwindet auch die Ballustrade am Betonblock, den ein Hotel ersetzen wird. | Foto: jodo

 

Fünf Jahre bis zum Boulevard

Südlich des Nymphengartens, wo in fünf Jahren nicht mehr die City-Autobahn die Stadtquartiere trennt, wird dann die nächste Baustelle aufgemacht: Erst der Abriss des Betonklotzes und dann der Neubau des Hotels vermutlich bis 2020. Dann fehlen 2021 nur noch der endgültige Ausbau der oberirdischen Spuren der Kriegsstraße sowie der Einbau der Schienentrasse für die Straßenbahn in Mittellage – und fertig ist die neue Kombi-Welt mit dem Boulevard zwischen „Motel One“ und Nymphengarten.
Nicht nur der Autotunnel, der den Hauptverkehr schluckt, wird die Asphaltschneise, die heute die City von der Südweststadt mit Festplatz und Stadtgarten abschnürt, stark verändern. Mehrere Baumreihen und das Rasengleis für die Bahn sollen für urbanes Grün ohne starke Trennwirkung sorgen.