Waidmannsheil - Stellvertreter Rudolf Weingarth, Vorsitzender Benjamin Gut, Martin Walter und der Wildtierbeauftragter der Stadt Karlsruhe Stefan Lenhard unterhalten sich über die Maßnahmen der Hegemeinschaft Karlsruher Bergdörfer. Im Hintergrund sieht man eine der neuen Blühbrachflächen. | Foto: jodo

Hegegemeinschaft Karlsruhe

Biotop-Pflege als Aufgabe der modernen Jagd

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Das Bild des Jägers ist seit Jahrhunderten von Märchen und ähnlichen Erzählungen geprägt. Die moderne Jagd aber hat schon lange andere Aufgaben als nur das Erlegen von Wildtieren oder der Jagd auf den bösen Wolf – Biotop-Pflege und Naturschutz stehen heute im Vordergrund.

Um diese Aufgaben zu meistern, haben sich Jäger aus sechs Revieren zu einer Hegegemeinschaft zusammengeschlossen. Die „Hegegemeinschaft Karlsruher Bergdörfer“ umfasst Jägersleute und Reviere aus Grünwettersbach, Palmbach, Wolfartsweier, Stupferich und Hohenwettersbach sowie zwei privater Eigenjagden und ist die erste Hegegemeinschaft auf Karlsruher Stadtgebiet.

Wild hält sich nicht an Reviergrenzen.

Vorsitzender Benjamin Gut hat die Hegegemeinschaft mit ins Leben gerufen. Sein Vater war auch Jäger, er selbst ist mit der Jagd groß geworden. Etwa 2 000 Hektar Fläche umfassen die Reviere. Gut weiß, dass ein einzelner Jäger wenig ausrichten kann. „Wild hält sich nicht an Reviergrenzen. Es reicht nicht, wenn nur einer etwas anfängt, man braucht den Zusammenschluss.“

Artenschutz im Fokus

Gemeinsam haben die Jäger vier Tierarten ausgesucht, die sie besonders schützen wollen: Den Feldhasen, den Fasan, die Waldschnepfe und die Feldlerche. Die Feldlerche wird dabei gar nicht bejagt, profitiert aber von den biotopverbessernden Maßnahmen, die die Hegegemeinschaft in ihren Revieren vornimmt. Dazu zählen etwa Heckenpflegeaktionen, aber auch das Anlegen von Blühbrachflächen. Wildschweine und Rehe können sich in den gelichteten Hecken verstecken, Insekten in den hohlen Stängeln der Blühbrachflächen überwintern und Vögel darin nisten. Die Maßnahmen sind dabei so angelegt, dass sie quasi von unten nach oben wirken. Steigt die Insektenpopulation, erhöht sich automatisch das Nahrungsangebot für Vögel und andere Lebewesen.

Gestiegener „Naherholungsdruck“ sorgt für Konflikte

Einen Störenfried gibt es dann aber doch, auf den auch die Hegegemeinschaft wenig Einfluss hat, und das ist der Mensch. Sebastian Gut bemerkte schon seit einiger Zeit größer werdende Konflikte zwischen verschiedenen Interessensgruppen, beispielsweise Landwirte, Spaziergänger, Mountainbiker oder Hundebesitzer. „Für mich besteht die moderne Jagd zu 50 Prozent aus Konfliktmanagement“, sagt Gut. Auch sein Jäger-Kollege Martin Walter weiß, dass der „Naherholungsdruck“ gestiegen ist. „Trotzdem müssen die Menschen begreifen, was sie machen, wenn sie sich in der Natur bewegen“, so Walter. Jogger und Spaziergänger sollten am besten auf den asphaltierten Wegen bleiben, um äsendes Wild nicht unnötig aufzuscheuchen.

Auch die Landwirte müssen umdenken. Mit denen pflegt die Hegegemeinschaft jedoch ein freundschaftliches Verhältnis; etwa zehn Landwirte waren sogar bei der Gründungssitzung der Hegegemeinschaft dabei, viele Blühbrachflächen sind bereits auf den Feldern angelegt. Das gelinge aber nur durch gute Kommunikation, so Gut.

Behörden unterstützen die Hegegemeinschaft

Genau diese Herangehensweise schätzt auch Stefan Lenhard, Wildtierbeauftragter der Stadt Karlsruhe. „Die Untere Jagdbehörde möchten diesen Ansatz der Kommunikation unterstützen. Wir wünschen uns einen zielgerichteten, realistischen Artenschutz und Kommunikation mit allen Naturnutzern.“ Denn am Ende, so Lenhard, mache neben allen Traditionen – wie dem traditionellen Jägersgruß „Waidmannsheil“– in seinen Augen genau das ein fortschrittliches Jägertum aus. „Das ist die moderne Jagd – alle miteinander und nicht gegeneinander in verschiedene Lager gespalten.“

Service

Interessierte können mit der Hegegemeinschaft per E-Mail an hegegemeinschaftkarlsruhe@gmx.de Kontakt aufnehmen.