Die Nutzung der verschiedenen Versuchsfelder erläuterte Iris Müller, Mitarbeiterin am Landwirtschaftlichen Technologiezentrum. | Foto: Sylvia Ganz

Rundgang auf dem Augustenberg

Bis zu 5000 Blüten an einem Tag

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Bei der jährlichen Bienen- und Blütenwanderung des Landwirtschaftlichen Technologiezentrums Augustenberg (LTZ) und der Forchheimer Naturfreunde auf dem Gelände der LTZ-Außenstelle Forchheim standen in diesem Jahr die Wildbienen im Vordergrund.

Roswitha Wildauer, Vorsitzende des Bienenzuchtvereins Malsch, erzählte den etwa 40 Interessierten auf dem drei Kilometer langen Rundkurs über das Versuchsgelände viel Wissenswertes über die kleinen Insekten.

Basis der menschlichen Lebensgrundlage

„Wildbienen stehen an der Basis unserer Lebensgrundlage, denn sie kümmern sich um sehr viele Pflanzen, die für Honigbienen uninteressant sind. Während Honigbienen einen Radius von drei Kilometern haben, fliegen Wildbienen nur 200 Meter weit und steuern bis zu 5 000 Blüten am Tag an.“ Was es mit den verschiedenen Versuchsfeldern mit Blühpflanzen auf sich hat, die entlang des Rundkurses auf dem riesigen Gelände verstreut liegen, erläuterten die beiden LTZ-Mitarbeiterinnen Iris Müller und Sabine Zarnik. Viele der Flächen zur Erforschung von Blühmischungen gehören zum Förderprogramm für Agrarumwelt, Klimaschutz und Tierwohl (Fakt). Es sieht Fördersummen von 590 Euro pro Hektar für Landwirte vor, die bestimmte Blühmischungen auf Teilflächen für längstens ein Jahr anbauen. Das geschieht nicht nur freiwillig, denn laut EU-Bestimmung müssen fünf Prozent der Äcker als sogenannte ökologische Ausgleichsfläche kultiviert werden.

Blühflächen als Magneten für Insekten

Die bunten Blühflächen, mal überwiegend mit Färberkamille, Rotklee und Kornblumen, dann mit Sonnenblumen, Phacelia, Rettich und Buchweizen, haben einen großen Nutzen für die Umwelt. Sie sind nicht nur Magnet für zahlreiche Insekten, sondern auch für Niederwild wie etwa Rebhühner, die darin Brutplätze finden. „In Baden-Württemberg sind zirka 15 000 Hektar für Fakt beantragt. Das ist steil gestiegen. Die Landwirte erkennen zunehmend den Sinn und Nutzen davon“, erläuterte Sabine Zarnik. Laut Iris Müller werden Blühflächen mit mehrjährigen Blühpflanzen derzeit nicht gefördert. „Sie sind aber sehr wertvoll für Insekten zum Überwintern.“

Die Hälfte der Wildbienenarten nistet im Boden

Die Hälfte der Wildbienenarten, so Roswitha Wildauer, niste im Boden. Von Insektenhotels rät die Imkerin ab, weil diese Parasiten anzögen, die den Wildbienen schaden. „Besser mal ein Stück im Garten verwildern lassen.“ Auch gefüllte Blüten im Garten seien für Wildbienen unattraktiv. Auf dem Gelände der LTZ befinden sich neben einer Anlage für virusfreie Obstgehölze mit bis zu 600 Sorten auch Felder mit mehrjährigen Blühmischungen für die Biogasproduktion. Zarnik schränkte ein: „Sie bringen aber nur 30 Prozent vom Ertrag, den Mais als Biomasse bringt.“ Letzte Station der Wanderung war eine Sojaanbaufläche. Laut Iris Müller ist der Bedarf an Soja stark gestiegen in Baden-Württemberg. Soja, der bei uns nicht gentechnisch verändert sein dürfe, binde Stickstoff aus der Luft im Boden und sei eine wertvolle Eiweißquelle.
Die Bienen- und Blütenwanderung endete im nahe gelegenen Naturfreundehaus mit einem Vortrag von Roswitha Wildauer über Wildbienen und andere Insekten.

 

Von Sylvia Ganz