Der Folienanbau verspricht eine ganze Reihe von Vorteilen. Doch vermutlich gibt es auch Risiken. Ein Projekt an der Universität Koblenz-Landau versucht, beides zu beleuchten. | Foto: dpa

Projekt „Soilplast“

Bodenproben unterm Folien-Meer

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Schimmelpilze sind Begleiter des Menschen von Anfang an. Sie finden sich überall – im Boden, in der Luft, sogar im Wasser. Ganz praktisch sind Schimmelpilze zum Beispiel, wenn sie als Edelschimmel rohe Schafsmilch zum Roquefort veredeln. Eklig wird es, wenn sie sich als grünlicher Belag auf dem Brotlaib zeigen. Manchmal können Schimmelpilze dem Menschen schaden. Dann nämlich, wenn ihr Stoffwechsel Gifte produziert, sogenannte Mykotoxine.

An der Universität Koblenz-Landau wird derzeit am Beispiel des Erdbeer-Anbaus untersucht, wie sich verschiedene Anbaumethoden auf die biologische Vielfalt im Boden auswirken und welche Faktoren dazu führen können, dass Mykotoxine entstehen.

Erdbeeranbau unter Stroh oder Plastik-Folien

Beim Erdbeeranbau wird der Boden entweder mit Stroh, immer öfter aber auch mit Plastikfolien bedeckt, damit die Früchte nicht direkt mit der Erde in Kontakt geraten. Solche Mulch- oder Gartenbau-Folien gibt es mittlerweile in der Landwirtschaft für vielfältige Zwecke in unterschiedlichsten Ausführungen: schwarze, weiße, perforierte, kompostierbare, dicke und hauchdünne – „wie beim Meer in der Augsburger Puppenkiste“, wie Gabriele E. Schaumann, Professorin für Umwelt- und Bodenchemie und Sprecherin der Projektgruppe „Soilplast“, anschaulich erläutert.

Wie verändern sich mikrobiologische Gemeinschaften?

In dem Projekt wird unter drei Aspekten verglichen, was sich unter Stroh beziehungsweise Folien so tut. Ins Blickfeld rücken dabei zum einen biochemische Prozesse, die im Boden ablaufen. Zum anderen wird untersucht, wie sich die im Boden lebenden mikrobiologischen Gemeinschaften verändern. Drittens geht es um die Frage, ob und wie der Boden mit Plastikfragmenten verschmutzt wird und wie dies vermieden werden kann. Denn über die Vorteile der meist aus Polyethylen hergestellten Folien weiß man viel, über potenzielle Risiken aber eher wenig.

Im Prinzip wirken sich Folien auf die Temperatur und den Wasserhaushalt des Bodens aus. Eine zeitigere Ernte, bessere Marktchancen, schöneres Gemüse, höherer Ertrag, geringere Verwendung von Herbiziden – es gibt eine Menge Vorteile, mit denen der Folienanbau den Landwirten schmackhaft gemacht wird. „Damit können sie wirklich ein wenig das Klima bestimmen“, sagt Projektleiterin Katherine Muñoz.

Damit die roten Früchtchen nicht direkt mit der Erde in Kontakt geraten, wird der Boden traditionellerweise mit Stroh bedeckt. | Foto: dpa

Biodiversität und Mykotoxine im Blick

Aber ist das alles? Immerhin wird der Boden erwärmt, das entspreche nicht dem, wie er sich über Tausende von Jahren entwickelt habe. Die Forscherinnen vermuten, dass dadurch auch biologische Prozesse beschleunigt werden. Ihre Hypothese: Es bestehe die Gefahr, dass sich die organische Bodensubstanz verändert und die Biodiversität leidet. Erste Ergebnisse von „Soilplast“ weisen darauf hin, dass sich die Biodiversität durch die Anbaumethode verändert – und das sehr schnell. So gehe beispielsweise die Regenwurmpopulation zurück, erläutert Muñoz. Ein positiver Aspekt der Folien sei, dass Pilzsporen daran gehindert würden, die Erdbeeren direkt zu infizieren. Wo aber ein Teil der Organismen zurückginge, bestünde immer auch die Möglichkeit, dass unerwünschte Mykotoxine entstehen könnten. Solche haben die Forscher in den Bodenproben gefunden. Ein Zusammenhang zwischen Anbaumethode und Mykotoxin-Produktion habe allerdings noch nicht bestätigt werden können.

Ihre Ergebnisse gewinnt das Soilplast-Team, an dem unter anderem auch die Universität Trier und das Karlsruher Max Rubner-Institut beteiligt sind, auf einem Testfeld in einem landwirtschaftlichen Betrieb. Eingebunden ist Soilplast in das Projekt „Plast“, in dem interdisziplinär die intensive Verwendung von Plastik untersucht wird, speziell auch die mit dem Plastikkonsum verbundenen Umweltrisiken.

Chancen sollen eingeschätzt, Risiken minimiert werden

Ihr Ziel sei es nicht, Plastikfolien in der Landwirtschaft schlecht zu machen. Vielmehr sollten die Prozesse im Boden genauer verstanden werden, um Chancen und Risiken besser einzuschätzen zu können. „Die Folie ist heute nicht mehr aus der Landwirtschaft wegzudenken. Die Technik bleibt“, ist Gabriele E. Schaumann überzeugt.