Extravagant gestaltet: Bordellbesitzerin Laura in einem ihrer Zimmer, das sie den Prostituierten gegen ein Entgelt überlässt.
Extravagant gestaltet: Bordellbesitzerin Laura in einem ihrer Zimmer, das sie den Prostituierten gegen ein Entgelt überlässt. | Foto: jodo

Besuch im Bordell

Bordellbetreiberin sieht Sexkaufverbot kritisch: „Man kann ja nicht erwarten, dass die Leute keusch werden“

Anzeige

Lauras Girls ist ein Bordell in Karlsruhe. Aktuell sind dort vier bis acht Frauen tätig – selbständig, sagt Bordell-Besitzerin Laura. Sie findet das seit 2002 in Deutschland bestehende Prostitutionsgesetz gut und hält wenig vom Sexkaufverbot nach dem Nordischen Modell. Sie sagt: „Es wertet die Frauen stark ab und schafft ihnen noch mehr Probleme.“

Bei Laura ist es eigentlich ganz gemütlich. Unweit der Karlsruher Südtangente in Grünwinkel betreibt die Frau, die nur unter ihrem Künstlernamen auftritt, ein Bordell. Die geräumigen Schlafzimmer sind extravagant gestaltet, sie tragen Namen wie Pompadour, Afrique oder Pool-Oase.

Mehr zum Thema: Prostituierte in Karlsruhe: „Die interessiert Feminismus nicht, die kämpfen um ihre Existenz“

Während die Website von „Lauras Girls“ die Angebote explizit verdeutlicht, ist das Gebäude von außen sehr diskret. An der Eingangstür neben einem unauffälligen Klingelschild hängt ein rechtlicher Hinweis. Auf dem DIN-A-4-Blatt wird erklärt, dass die Einrichtung nicht der Vertragspartner für sexuelle Dienstleistungen ist – Vereinbarungen dazu seien einzig zwischen den Besuchern und den „selbstständig tätigen Models“ zu treffen.

Adressen werden weitergereicht

„Ich habe übernommen, was ich früher selber kannte“, sagt Laura, die gemeinsam mit ihrem Mann je ein Bordell in Karlsruhe und Speyer betreibt. Die Frauen seien tage- oder wochenweise in verschiedenen Etablissements in Deutschland unterwegs, die teils privaten Adressen würden „von Mädel zu Mädel weitergegeben“. Auf diesem Weg tauschten sich die selbstständig arbeitenden Prostituierten auch über ihre Erfahrungen, Verdienstmöglichkeiten und die Sicherheit in den Bordellen aus.

Mehr zum Thema: Initiative „Karlsruhe gegen Sexkauf“: „Prostitution ist sexuelle Gewalt“

Bei Lauras Girls in Karlsruhe sind in diesen Tagen zwischen vier und acht Frauen tätig. „Das ist von der Nachfrage abhängig, im Januar ist es ruhiger“, sagt Laura. Viele der Frauen hätten bis zu den Weihnachtstagen gearbeitet und machten jetzt zu Hause Urlaub. Zu Hause, das sind vor allem die Länder Osteuropas, etwa Ungarn, Rumänien oder Polen.

Preise ab 70 Euro

Die Frauen, die da sind, tragen Spitzenunterwäsche mit Plateau-High-Heels und warten in einem Aufenthaltsraum, auf dem Sofa liegend, eine wärmende Decke über den Schultern. Wenn es an der Tür läutet, empfängt Laura die Gäste. Immer wieder klingelt an diesem Nachmittag das Telefon, koordiniert Laura Termine, während die Sexarbeiterinnen eine nach der anderen mit den Kunden auf den Zimmern verschwinden und dann wieder auftauchen, nackt über den Flur huschend.

Im Empfangszimmer wartet Francesco bei einer Cola auf seinen Termin. Sein erster Besuch in einem Bordell war eine Mutprobe unter Berufsschülern, erzählt er. „Es hat mir gefallen, und da hab’ ich gedacht, das kannste öfter machen.“ Die Preise für sexuelle Dienstleistungen beginnen laut Website bei etwa 70 Euro – was tatsächlich bezahlt wird, bleibt zwischen Kunde und Sexarbeiterin. Für die Benutzung der Zimmer zahlen die Frauen einen Betrag an Betreiberin Laura. „Das sind zum Beispiel 25 Euro für eine halbe Stunde auf dem Zimmer“, sagt sie.

Ihre erste eigene Erfahrung mit dem Thema Prostitution habe sie mit 17 gemacht. „Das war so eine Animierbar auf dem Dorf, die Atmosphäre war ein bisschen verrucht, hatte etwas Verbotenes – das fand ich interessant.“ Tatsächlich sei sie an diesem einen Abend auch mit einem Gast aufs Zimmer gegangen – freiwillig, betont sie.

Es hat nur vier Minuten gedauert. Bevor ich wusste, was passiert war, war’s schon vorbei.
Laura

Wie der Weg in diesen Beruf für die Frauen verläuft, die heute bei Lauras Girls ihre Dienste anbieten, kann die Bordellbetreiberin nicht immer sagen. „Wenn wir mitbekommen, dass eine einen Zuhälter hat, versuchen wir es anzusprechen“, sagt Laura. Die Loverboy-Masche, bei der ein Mann eine Frau emotional abhängig mache, funktioniere häufig. „Manche bemerken es nicht gleich, lassen sich dann aber oft helfen.“

Auf dem Straßenstrich werden Gewaltfantasien ausgelebt

Um Gewalt gegen die Frauen in ihrem Bordell vorzubeugen, sind Überwachungskameras rund um den Hauseingang installiert, in den Zimmern gibt es Alarmknöpfe. Wirklich gefährlich sei der Straßenstrich, oder wenn Prostituierte ihre Dienste in privaten Einzelzimmern anbieten. Das seien Orte, an denen Männer ihre Gewalt- oder Machtfantasien unbeobachtet ausleben könnten.

Das könne auch ein Sexkaufverbot nach dem Nordischen Modell nicht verhindern, meint Laura. Im Gegenteil: „Es wertet die Frauen stark ab und schafft ihnen noch mehr Probleme.“ Das seit 2002 in Deutschland bestehende Prostitutionsgesetz dagegen trage eher zum Schutz der Frauen bei, auch wenn es viele Schwachstellen habe. „Zumindest wissen die Frauen jetzt, dass sie gewisse Rechte haben.“

Die Prostitution ganz abzuschaffen, könne ohnehin nicht gelingen. „Man kann ja nicht erwarten, dass die Leute keusch werden. Sex ist ein existenzielles Bedürfnis.“