Botanischer Garten
DIE HISTORISCHE ACHSE vom Brunnen zum Palmenhaus (hinten) wird durch einen Weg und Querbeete in der tiefgelegten Rasenfläche akzentuiert. Ursula Orth (links) und Dagmar Menzenbach zeigen auf dem Plan, wie die Zukunft im Botanischen Garten aussieht. | Foto: jodo

Bagger rollen auf den Rasen

Botanischer Garten in Karlsruhe wird Baustelle

Anzeige

Der Botanische Garten beim Schloss wird zur Baustelle. Zwei Projekte nimmt das Land in den nächsten Wochen in Angriff: Zum einen wird ab November die tief liegende Rasenfläche und später der Weg direkt vor den Gewächshäusern aufgegraben. Auf dem Rasen wird ein zentraler Weg mit sieben Beeten nach historischem Vorbild in der Achse vom Brunnen zum Palmenhaus angelegt.

Außerdem wird die Fläche direkt vor den Schauhäusern umgestaltet. In einem Jahr soll alles fertig sein.

Stahlgerippe wird abgebaut

Zum anderen beginnt die aufwändige Sanierung des markanten Stahlgerüstes auf der Ostseite des Botanischen Gartens beim Restaurant Badische Weinstuben. Bereits ab dem 7. Oktober ist dort der Bereich mit Stahlschlaggefahr weiter abgesperrt, um Teile der Konstruktion auszubauen. Sie werden von Experten untersucht, um das Ausmaß der Schäden an der Konstruktion genau zu bestimmen. „Im Spätjahr 2020 wird das historische Gerüst komplett abgebaut“, erklärt Ursula Orth, Leiterin des Karlsruher Amts von Vermögen und Bau Baden-Württemberg.

 

Stahlgerüst
DAS GUSSEISENKUNSTWERK, das einst die Verglasung des Italienischen Gartens trug, ist seit vier Jahren wegen Stahlschlaggefahr gesperrt. Die Sanierung kommt. | Foto: jodo

 

2022 könnte die filigrane Konstruktion aus Gusseisen und Stahl für nach heutigem Stand zwei Millionen Euro teuren Sanierung zurückkehren. Seit vier Jahren ist der Gerüstraum gesperrt und teilweise mit Netzen gesichert, nachdem wegen Rostschäden Teile herabfielen.

Auch interessant: Die zehn schönsten Foto-Locations in Karlsruhe

Historische Spiegelachse

Anlass für die Umgestaltung vor der Fassade der in mehreren Jahren bis 2018 für 3,5 Millionen Euro sanierten drei Schaugewächshäuser ist ein Problem. „Die äußere Entwässerung muss erneuert werden, damit sich das Oberflächenwasser nicht staut und den Sandstein zerstört“, berichtet Stefan Hellekes, vom gleichnamigen Karlsruher Büro für Landschaftsarchitektur. Den Eingriff nutze man für „eine denkmalpflegerisch wertvolle Verbesserung des historischen Erscheinungsbilds“.

Mitten durch das halbovale Rasenbecken wird von dem Treppchen beim beliebten Oskar-Brunnen mit Seerosen und Karpfen bis zu der gerundeten Gewächsterrasse vor dem hohen Palmenhaus ein Weg gebaut. Er markiert die historische Spiegelachse dieser Rasenfläche, wo früher flache „Anzuchthäuser“ der fürstlichen Botaniker standen.

Sieben Beete mit Arzneien

Diese Tradition aus der Zeit des Architekten Heinrich Hübsch um 1890 wird mit sieben Querbeeten, die in den Weg integriert sind, aufgenommen. Wie einst im 19. Jahrhundert werden dort Apothekerpflanzen sprießen, verspricht Schlossgartenchef Thomas Huber.

Außerdem wird der Querweg auf der Terrasse entlang der Schauhäuser anders geführt: Er nimmt den Bogen der im Krieg zerstörten Glaskuppel auf. Sie behütete die Seerose Victoria regia mit den Riesenblättern. Der Halbrundweg wird mit mehr Bänken als heute zum lauschigen Plätzchen ausgebaut.

Mit dem ersten Bauabschnitt geht es im November los, versichert Orth. Zunächst werden Teile des Rasens im Tiefparterre abgetragen. „Um den benachbarten Rasen zu schonen, wird für die schweren Baufahrzeuge vom Torbogengebäude aus eine Baustraße eingerichtet“, erläutert Orth. Nach dem Wegebau im Rasenbecken solle die Baustraße im Frühjahr 2020 wieder verschwinden. Im zweiten Bauabschnitt werden die defekte Wasserrinne und der Weg vor den Gewächshäusern erneuert.

Neue Blüten an Postkartenfront

Auch im „Italienischen Garten“ auf der anderen Seite des Torbogens wolle man nach der Sanierung der Gusseisenkonstruktion Medizinpflanzen setzen, sagt Dagmar Menzenbach von dem Bauamt des Landes. Wie einst, als der Botanische Garten mit seinen Bauten in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts auch als Lehrgarten für die Bevölkerung geschaffen wurde, soll es also an Karlsruhes Postkartenfront wieder blühen.

Das mit floralen Elementen und Menschenplastiken verzierte Ingenieurbauwerk hat hohen Denkmalwert, betont Orth. Dabei sind Ausführung und Material des aus Gusseisen und Stahl unterschiedlich zusammengefügten Gerippes schwer beschädigt, erklärt Annabel Rogge, Projektleiterin der Sanierung.

Neue Technik und alte Kunst

In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts wurden die neuen technischen Möglichkeiten des Industriezeitalters mit ästhetischen Vorstellungen, die auf frühere Kunstepochen fixiert blieben, gepaart. Es entstanden architektonische Kunstwerke aus Gusseisen von hohem Aussagewert für die Zeit, die aber eigentlich nicht für ein Überdauern von Jahrhunderten geschaffen waren. Deshalb ist laut Orth die Untersuchung der Konstruktion und die Planung ihrer Sanierung auch so zeitaufwendig.

Fünf Jahre nach den ersten Stahlschlägen im Botanischen Garten solle es nun aber endlich losgehen, versprich sie. Verglast wie bis zum Zweiten Weltkrieg aber wird der Italienische Garten nicht mehr.