U-Strab-Haltestelle
PLATTENBAU UNTER TAGE: In der Untergrundstation „Durlacher Tor“ werden helle Betonsteine als Verkleidung der Wände und der Bahnsteige montiert. Der dunkle Streifen am Boden ist das taktile Leitsystem für Sehgeschädigte. | Foto: Kasig

Ausbau kann bis 2022 dauern

Braucht die U-Strab die doppelte Bauzeit?

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Eigentlich sollte die U-Strab schon vor Weihnachten 2016 losrollen, also inzwischen zwei Jahre in Betrieb sein. Es ist anders gekommen: Die Prognosen und Versprechungen der Kombistrategen zum Zeitpunkt des U-Strab-Baubeginns im Januar 2010 sind nach bald neun Jahren völlig überholt.

Laut offizieller Zeitrechnung wird es nun „nur“ noch zwei Jahre dauern, bis die Bahnen Ende 2020 durch die Röhre unter der Kaiserstraße rollen.

Die aktuellen Spitzenleute der Stadt und ihrer U-Strab-Bautochter Kasig, OB Frank Mentrup und Uwe Konrath, halten seit vielen Monaten an dieser Deadline fest. Da mag der Beobachter der unterirdischen Bauentwicklung angesichts des enormen Pensums, das bei der aufwendigen Ausgestaltung der sieben Untergrundstationen noch zu bewältigen ist, auch noch so sehr daran zweifeln.

Inzwischen aber mehren sich die Anzeichen, dass der U-Strab-Bauzug kaum Ende 2020 sondern viel wahrscheinlicher erst ein oder gar zwei Jahre später ans Ziel kommt.

Es ist somit gut möglich, dass sich für das Jahrhundertprojekt – eine der kleinsten U-Bahnen der Republik und große Komponente des 1,3 Milliarden teuren Stadtumbaus – die Bauzeit von rund sechs auf rund zwölf Jahre verdoppeln wird.

Mit hellen Platten ausgekleidet

Bereits seit neun Monaten läuft der Innenausbau der Haltestelle Durlacher Tor – und ein Ende ist nicht in Sicht. Hat doch dort gerade erst das Anbringen der hellen Betonsteinplatten an den Wänden und auf den Bahnsteigen begonnen. Mit Abstand kommt langsam auch die Auskleidung der U-Station „Kongresszentrum“ voran.

Und unter dem Berliner Platz haben die Handwerker gerade erst mit dem aufwändigen Anbringen von Stahlgerüsten an den Betonwänden des U-Strab-Trogs begonnen. In diese Stahlgitter werden später die hellen Platten eingehängt. An den vier Stationen „Marktplatz“, „Lammstraße“ und „Europaplatz“ sowie vor allem „Ettlinger Tor“, wo noch die letzten Rohbauarbeiten laufen, hat man mit der Wand- und Bahnsteigverkleidung noch gar nicht angefangen.

Nicht sieben auf einen Streich

Nun mag die beauftragte Firma all ihre Kräfte für Karlsruhe spannen, aber an vielen Stationen gleichzeitig können die Fachkräfte nicht arbeiten.

Beim Ausbau der U-Strab-Stationen ist noch ein riesiges Pensum abzuspulen. So ist es gut möglich, dass die Tunnelbahn um zwei weitere Jahren verspätet erst 2022 anrollt.

Geht man davon aus, dass so die Auskleidung der ersten drei Stationen frühestens Mitte 2019 fertig wird, dann können die weiteren vier Stationen wohl frühestens Mitte 2020 vollbracht sein. Dazu gehört übrigens jeweils auch der Einbau einer abgehängten Decke und der Verputz des oberen Teils der Wände.

In den Haltestellen „Lammstraße“ und „Marktplatz“ führen Handwerker momentan noch Riesenmeißel über die Wände der Zwischenebenen und der Treppenabgänge: So werden die vom Rohbau glatt hinterlassenen Betonwände „gestockt“. Die aufgeraute Struktur gilt als Veredelung.

Lichtkonzept und Lüpertzkunst

Doch damit ist die U-Strab längst nicht fertig: Die Untergrundstationen mit den weißen Platten verwandeln sich erst mit dem aufwändigen Lichtkonzept zu künstlerisch gestalteten Zonen unterirdischer Helligkeit. Ob dann 2022 gar auch noch 14 biblische Kunstschöpfungen des Kunstfürsten Markus Lüpertz die Bahnsteige zieren, steht auf einem anderen Blatt. Noch ist dieses umstrittene Kunstprogramm für die U-Strab nicht endgültig finanziert, und Lüpertz hat zumindest offiziell seine „Genesis“ in der Majolika noch nicht begonnen.

Immerhin sind oberirdisch am Durlacher Tor, am Berliner Platz und an der Station „Kongresszentrum“ bereits Rolltreppen und Aufzüge installiert. Diese Aufzüge sind oberirdisch wie alle Abgänge in die U-Strab-Welt provisorisch mit rotem Wellblech als Hütten verkleidet, die vielen Karlsruhern negativ ins Auge springen.

Neben der Verkabelung des Tunnels ist auch noch die elektrische Ausstattung der Stationen zu leisten. Dazu kommt das Verlegen des 3,5 Kilometer langen Doppelgleises im Schotterbett auf dem Röhrengrund sowie das Einziehen der Oberleitung an der Tunneldecke.

Letztlich veranschlagen die Experten rund ein halbes Jahr für den Probebetrieb und eine strenge amtliche Prüfung für die Zulassung des Jahrhundertwerks „U-Strab“.