Brücke
Auf dem Weg zum Scheitelpunkt der neuen Wasserwerkbrücke nahe der Südstadt fließen bei der Eröffnung Schweißtropfen. Die Menschen begutachten mit Blick auf den kühlen Oberwald auch das schlanke Geländer und genießen neu gewonnene Ausblicke. | Foto: jodo

Aus der Stadt in den Wald

Brückenneubau macht viele Karlsruher glücklich

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Drei Monate früher als geplant ist der Weg über die neue Wasserwerkbrücke wieder frei. Die Eröffnung der autofreien Direktverbindung zwischen der Südstadt und dem Oberwald feierten gemeinsam mit den Verantwortlichen bei Stadt und Deutscher Bahn viele Menschen, denen der Steg über den Güterbahnhof ein knappes Jahr lang schmerzlich gefehlt hatte. Geplant waren 15 Monate Bauzeit.

Die Menschen sind nicht zu bremsen

Der Weg zwischen Südstadt und Oberwald ist wieder frei, die Menschen sind nicht mehr zu bremsen. In den letzten Minuten vor der offiziellen Eröffnung der neuen Wasserwerkbrücke passieren doch schon einige zu Fuß oder per Rad den 163 Meter langen, sechs Meter breiten Steg, der frischer nicht sein könnte: Noch am Morgen verputzen Arbeiter ein letztes Mauerstück unter dem Brückenkopf neben der Südtangente.

Das ist möglich, auch wenn die öffentliche Hand beteiligt ist

Als Oberbürgermeister Frank Mentrup am Mittwoch in der heißesten Nachmittagsstunde ans Rednerpult tritt, blickt er in viele lächelnde Gesichter. Früher als geplant schließt die neue Wasserwerkbrücke die Lücke, die nun ein knappes Jahr lang klaffte. Der Zeitplan um drei Monate unterschritten, der Kostenrahmen eingehalten – „das ist möglich, auch wenn die öffentliche Hand beteiligt ist“, betont Mentrup auf dem neuen Mini-Balkon am Brückenzugang der Südstadt. Unter dem Kunst-Kringel des Bildhauers Klaus Gündchen applaudiert das Publikum kräftig.

Pult
Am Rednerpult ist Karlsruhes Oberbürgermeister Frank Mentrup der Beifall des rundum zufriedenen Publikums sicher. | Foto: jodo

Ein problematisches „Geschenk“

Markus Baßler von der Deutschen Bahn gibt zu, die Übergabe der zunehmend baufälligen Brücke an die Stadt sei ein problematisches „Geschenk“ gewesen. Die Bahn habe sich am Ersatzbau aber nun beteiligt, weil der mehr Sicherheit biete.

Neue Brücke ist höher – und schweißtreibend

Dass der Abstand zur Hochspannungsleitung jetzt größer ist, sieht und spürt man. Bis zur Spitze, die den Scheitelpunkt der Passage markiert, fließen nach der offiziellen Freigabe des Steges Schweißtropfen bei Fußgängern und Radlern auf dem schwarzen Teerband. Zum Glück spendiert die Stadt zum festlichen Anlass neben beschwingtem Gesang des Südstadt-Ensembles „Tohuwabohu fatale“ Obst, Sprudel und Eiswaffeln.

Die Allerersten

Als Allererste überqueren die Brücke an diesem denkwürdigen Tag zu Fuß Petra Rosenberg aus Durlach mit ihren Enkelkindern Leni und Tess, die just aus Paris zu Besuch sind, sowie auf dem Fahrrad Franz Mittnacht, der aufgrund seiner BNN-Lektüre gezielt ebenfalls in Durlach aufgebrochen ist.

Für uns Südstädter ist das der größte Segen

Ein Herr Jahrgang 1933 aus der Treitschkestraße hat in der Zeit ohne Brücke mit seiner Frau häufig das kostenlose Oberwald-Ticket benutzt. Die neue Brücke sei „für uns Südstädter der größte Segen“, erklärt er strahlend. Wolfgang Werner arbeitet im Technologiezentrum Wasser in dem Wasserwerk, das der Brücke den Namen gibt. Er fotografiert, wie Mentrup, Baßler und die Vorsitzende der Bürgergesellschaft Südstadt, Martina Hillesheimer, das Band durchschneiden.

Kritiker ziehen Schlussstrich unter langen Zwist

„Wir sind total froh, dass dieses Bauwerk jetzt steht“, betont Hillesheimer. Die Vorsitzende der Bürgergesellschaft der Südstadt zieht ausdrücklich einen „Schlussstrich“ unter die vorangegangenen Auseinandersetzungen: „Der Dank für die neue Brücke soll nicht untergehen.“

Der Dank soll nicht untergehen

Vorgängerbrücke war zum Abbruch reif

Die alte Wasserwerkbrücke, eine 1894/1895 errichtete Stahlkonstruktion, war nach 124 Jahren abbruchreif. Die Karlsruher hatten das charakteristische Bauwerk trotz seiner Mängel bis zuletzt ins Herz geschlossen. Die Vorfreude auf den Neubau war aber in den Wochen vor dessen Eröffnung schon groß.

Über Hochspannungsdrähten und Gleisen

Heikel war, die Hochspannungsleitungen zu überbauen. Die neue Brücke ist höher, das Schutzgeländer elegant ausladend.

Breiter ausgebaute Radwege im Umfeld

Kommunalpolitiker, Anwohner und Benutzer der Brücke hatten monatelang intensiv darum gestritten, wie die Zeit ohne Gleisüberquerung zu überbrücken sei. Ergebnis waren breiter ausgebaute Radwege in der angrenzenden Fautenbruchstraße als Teil einer Umleitung für Radler zum Schwarzwaldkreuz sowie das Gratisticket für Südstädter. Laut Mentrup wurde es zu rund 8 500 Fahrten genutzt.

Gratistickets laufen nun ab
Die Stadt Karlsruhe teilt mit: Das kostenlose Oberwald-Ticket für Fahrten zwischen den Bahnhaltestellen Tivoli und Dammerstock ist letztmals gültig am Mittwoch, 31. Juli 2019.