Brunnenkunst
MOMENTAUFNAHME: OMI Riesterer hat seinen Wasserspringer im Brunnen an der Ettlinger Straße mit Ideengeberin Barbara Jäger installiert. | Foto: Sandbiller

Sommeraktion schnell beendet

Brunnenputzer fischen Kunstwerk aus dem Wasser

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Nur eineinhalb Stunden wurde Karlsruhe um ein Kunstwerk bereichert. Dann hatten Arbeiter der Stadtwerke den bei ihnen nicht angemeldeten Fremdkörper schon wieder aus dem Brunnen beim Festplatz entfernt.

Wie einst mit der Fettecke

Was haben also OMI Riesterer und Joseph Beuys gemeinsam? Dem Mann aus Daxlanden ist jetzt etwas widerfahren, was selbst dem Weltkunststar Beuys passierte. Dessen berühmte Fettecke in der Düsseldorfer Kunstakademie verschwand 1986 im Putzeimer des Hausmeisters.

Patrouille räumt auf

Am Montag hat es nun Riesterer getroffen: Drei Arbeiter der Stadtwerke auf routinemäßiger Brunnenpatrouille holten den Unterkörper-Torso mit Hosenbeinen und Gummistiefeln in die Höh um 13 Uhr wieder aus dem Brunnen. Sie stellten den „Müll“, so ihre Einschätzung, neben dem nächsten Abfalleimer in der Ettlinger Straße ab.

Wir haben keine Order

Von den BNN noch vor Ort zu dieser unbewussten Anti-Kunst-Aktion befragt, versicherte Michael Ullrich, der Leiter der Brunnenwacht, dass nichts von einer Kunstaktion bekannt sei. „Wir haben keine Order“, betonte er. Folglich müsste man alles, was nicht in den Brunnen gehöre, sofort wieder aus dem Becken entfernen. Zudem könnten Menschen durch einen Schabernack verschreckt werden und meinen, dass jemand hilflos im Brunnen stecke, meinten die Arbeiter.

Ganz frisch abserviert

Die Gummistiefel zeigen starkes Profil. Sie krönen das ganz frisch schon wider abservierte Kunstwerk beim Festplatz. In den grauen Stiefeln steckt eine Arbeitshose, deren Bund im Wasser verschwindet. Gewissermaßen kopfüber hat der Karlsruher Künstler OMI Riesterer sein Werk in den Springbrunnen an der Ettlinger Allee gestellt. Mit seiner Frau Barbara Jäger ersann der Daxlander diese Idee als Sommerkunstaktion.

Temporärer Kunst

Der springende Bauarbeiter solle die Lust auf Erfrischung in heißen Sommertagen symbolisieren, verrät Riesterer den Ansatz. Von den Stadtwerken sei die Aufforderung gekommen, mit temporären Kunstwerken die Brunnen der Stadt bis Oktober attraktiver zu machen.

Total witzig

Diese Rechnung ging nur kurz auf: OMI Riesterer installierte seine umgestülpte Kleiderskulptur im Brunnen, ohne die Stadtwerke zu informieren. Ein Passant fand den halben Bauarbeiter „total witzig“ und empfand die Brunnenaktion als „gelungenen Scherz“.

Große Kunst?

Doch große Kunstwerke überdauern. Ihnen kann der Wankelmut auch im noch so digital beschleunigten Zeitalter nichts anhaben. Zu Leonardos Mona Lisa pilgern weiter Touristen aus aller Welt in den Louvre. Auch mit Riesterers kopflosem Wasserspringer kann das noch geschehen.

Wieder vom Festplatz nach Daxlanden und zurück

Die Stadtwerke, deren Chefetage zunächst genauso wenig von der Aktion wusste wie die Brunnenarbeiter, reagierten am Nachmittag: Ihr Pressesprecher Markus Schneider sicherte das Kunstwerk. Er fand es dreieinhalb Stunden nach seiner Demontage unberührt neben dem Mülleimer. „Eine tolle Idee“, schwärmte Schneider von der trockengestellten Wasserkunst. Er lud Riesterers Werk ins Auto und brachte es nach Daxlanden, diesmal zu den Stadtwerken.

Zweite Chance

Und zweite Chance für die Kunst: Schneider und Riesterer wollten das Werk noch am Abend wieder in den Brunnen stellen. Mit dem Segen der Stadtwerke, wird die emsige Brunnenpatrouille das Kunstwerk sicher anerkennen, pflegen und schützen.