Mit der Förderung des öffentlichen Nahverkehrs soll der Klimaschutz in Karlsruhe verbessert werden.
Mit der Förderung des öffentlichen Nahverkehrs soll der Klimaschutz in Karlsruhe verbessert werden. | Foto: Kevin.B/Wikimedia

Einarbeitung in Katalog

Bürger reichen über 1.000 Vorschläge ein für das Karlsruher Klimaschutzkonzept 2030

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Über 1.000 Vorschläge haben Bürger online für die Erstellung des Karlsruher Klimaschutzkonzepts 2030 eingereicht. Diese werden nun ausgewertet und in den Maßnahmenkatalog eingearbeitet.

Eine dauerhafte Geschwindigkeitsbegrenzung auf der Autobahn A5 bei Karlsruhe; für Neubaugebiete keine Waldflächen mehr roden; bei der Straßenbeleuchtung künftig ausschließlich energieeffiziente LED-Lampen einsetzen: Das sind drei der über 1.000 Anregungen zur Fortschreibung des Karlsruher Klimaschutzkonzepts 2030.

Bis zum Sonntag konnten Bürger auf dem städtischen Online-Beteiligungsportal Vorschläge zur Verbesserung des Klimaschutzes in den fünf Breichen „Wärme und Strom“, „Bauen und Sanieren“, „Wirtschaft“, „Mobilität“ und „Übergreifendes“ machen. Nun werden die einzelnen Einreichungen ausgewertet und bei der Erstellung des Konzeptes berücksichtigt.

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Viele sachliche Beiträge

„Es waren fast ausschließlich sachliche Beiträge. Das zeigt uns deutlich, dass der Klimaschutz ernst genommen wird“, sagt Dirk Vogeley. Der Geschäftsführer der Karlsruher Energie- und Klimaschutzagentur (KEK) ist mit seinen Mitarbeitern für die Auswertung des Bürgerbeteiligungsprozesses zuständig.

Außerdem fließen noch die schriftlich festgehaltenen Diskussionsbeiträge von den Teilnehmern des Klimaforums Ende November im Bürgerzentrum Südwerk in das Verfahren ein. Das Klimaschutzkonzept wird vom Umweltamt fertiggestellt und in den kommenden Wochen zweimal noch im Umweltausschuss diskutiert. Am 24. März steht der Maßnahmenkatalog dann im Gemeinderat zur Debatte. Gibt das Stadtparlament grünes Licht, können bereits wenig später erste Maßnahmen zur Verbesserung des Klimaschutzes umgesetzt werden.

KEK kämpft seit Jahren für mehr Energieeffizienz

„Wenn wir die selbst gesteckten Ziele zumindest ansatzweise erreichen wollen, müssen die einzelnen Punkte des Klimaschutzkonzepts so schnell wie möglich in die Tat umgesetzt werden“, sagt Vogeley.

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Die KEK schlägt bereits seit mehreren Jahren die Werbetrommel für mehr Energieeffizienz. Um Eigenheimbesitzer für die energetische Sanierung älterer Häuser zu motivieren, wurden in der Stadt bereits fünf Klimaquartiere eingerichtet und bereits mehrere Hundert Energieberatungen durchgeführt. Mit dem Klimaschutzkonzept werden nun konkrete Handlungsanweisungen für Politik und Verwaltung erarbeitet.

„Wärme und Mobilität bewegen die Menschen am meisten“

„Die Themen Wärme und Mobilität bewegen die Menschen in Karlsruhe deutlich am meisten“, lautet Vogeleys Einschätzung nach dem Ende des Beteiligungsprozesses.

Die Forderung nach einer möglichst schnellen Installation von Solarthermie und Photovoltaik auf öffentlichen Gebäuden gehört ebenso zu den Einreichungen wie ein Plädoyer für den weiteren Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs oder der Wunsch nach verbesserten Speichermöglichkeiten für Strom aus nachhaltigen Energiequellen.

Zahlreiche Teilnehmer hatten sich intensiv mit der komplexen Materie auseinandergesetzt, die insgesamt 75 Handlungsanweisungen in den fünf Themenfeldern analysiert und konkrete Empfehlungen eingereicht. Beispiele dafür sind die Forderungen nach einer konsequenten Ausnutzung der Biomasse-Potenziale sowie nach einer Ökobilanzierung von Gebäuden als Grundlage für Sanierungskonzepte.

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Konstruktive Kritik ist erwünscht

Mit Kritik am Beteiligungsverfahren hat Vogeley ebenfalls kein Problem. Der Karlsruher Sebastian Richter hatte den Umfang der Textdokumente – alleine 50 Seiten bei Wärme und Strom und sogar 60 bei der Mobilität – über den Kurznachrichtendienst Twitter öffentlich als zu komplex bezeichnet.

Deshalb hatte Richter die CO2-Einsparungen für die einzelnen Themenfelder selbst berechnet und die Liste anschließend ins Internet gestellt. „Es ist doch ein gutes Zeichen, wenn sich die Leute intensiv mit dem Thema beschäftigen“, sagt Vogeley. Für konstruktive Kritik sei die KEK schließlich genauso offen wie für fachlich fundierte Vorschläge für eine verbesserte Bürgerbeteiligung.

Dass sich nicht jeder Besucher des Beteiligungsportals sämtliche Unterlagen durchlesen werde, sei der KEK natürlich klar gewesen. Auf der anderen Seite wolle die Stadt beim Klimaschutzkonzept für eine größtmögliche Transparenz sorgen und den Bürgern keine Informationen vorenthalten. „Wenn sich die Menschen in das Thema einlesen, können sie auch konkretere Vorschläge zur Verbesserung des Status quo machen“, so Vogeley.

Karlsruhe soll bis 2050 klimaneutral sein

Die langfristigen Ziele der Stadtverwaltung sind klar definiert. Bis 2050 soll die gesamte Stadt klimaneutral sein. Bereits 2040 will die Stadtverwaltung klimaneutral arbeiten. Auf dem Weg dahin sollen die Treibhausgasemissionen bis 2030 schon deutlich reduziert werden, nämlich um 58 Prozent gegenüber dem Wert des Jahres 2010.