„Bund Freiheit statt Baden-Württemberg“: Michael Obert ist eines der Gründungsmitglieder.
„Bund Freiheit statt Baden-Württemberg“: Michael Obert ist eines der Gründungsmitglieder. | Foto: Vollmer

Interview mit Michael Obert

„Bund Freiheit statt Baden-Württemberg“ feiert Jubiläum

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Seit 40 Jahren setzt sich der „Bund Freiheit statt Baden-Württemberg“ (B.F.s.B.-W.) auf humorvolle Weise gegen „die Majorisierung Badens durch den illiberalen schwäbischen Landesteil Baden-Württembergs“ ein. Einer der drei Gründungsmitglieder – von denen noch zwei am Leben sind – ist der Karlsruher Bürgermeister Michael Obert.

Ihn fragte BNN-Mitarbeiterin Ingrid Vollmer nach Aufgaben, Sinn und Unsinn dieses Vereins, der sein Jubiläum am Freitag, den 24. November, auf dem Fahrgastschiff Karlsruhe gefeiert hat.

Der B.F.s.B.-W. wurde aus einer Bierlaune heraus gegründet. Ist er in der globalisierten Welt heute nur noch eine Schnapsidee?

Obert: Gerade bei der heutigen Globalisierung spielen regionale Identitäten eine große Rolle. Und diese regionale Identität zu pflegen heißt ja nicht, sich abzuschotten. Zugegeben: ich hätte bei der Gründung nie gedacht, dass es den Verein so lange geben würde. Wirklich hohen Bekanntheitsgrad haben wir erfahren, seit wir den „Badener des Jahres“ küren. Wir waren und sind kein Separatistenverein. Wir wollen die badische Identität stärken, das ist auch heute noch aktuell.

Der Name des Vereins sagt, dass die Begriffe „Freiheit“ und „Baden-Württemberg“ für Badener im Widerspruch stehen. Gibt dieser Name dem Verein die Ziele vor?

Obert: Ganz ehrlich: der Name war uns bei der Gründung eigentlich wurst. Wir haben mit einem Augenzwinkern aus Filbingers „Freiheit statt Sozialismus“ diesen Namen entwickelt (Anm. d. Red. siehe Info). Er ist sperrig. Hätten wir damals strategisch oder marketingtechnisch gedacht, hätten wir sicher einen anderen Namen gewählt. Natürlich wehren wir uns gegen den Zentralismus, den Stuttgart betreibt. Aber nicht verbissen, sondern immer mit Augenzwinkern.

Mit mehr Ernst verfolgt die „Landesvereinigung Baden in Europa“ die Interessen Badens. Genügt das nicht?

Obert: Die Landesvereinigung und insbesondere deren Vorsitzender Robert Mürb betreiben in wesentlich seriöserer Form badische Lobbyarbeit. Unser Bund ist ein eher humorvoller Verein. Unsere Satzung sieht ja beispielsweise auch verschiedene Referenten wie beispielsweise denjenigen zur Heimfahrung besoffener Mitglieder vor. Damit soll auch die ganze Vereinsmeierei auf die Schippe genommen werden.

Apropos Mitglieder: Wer sind die überhaupt und ist der B.F.s.B.-W. nicht zwischenzeitlich eine Seniorenvereinigung?

Obert: In der Tat ist der Verein nicht mehr so jugendlich wie bei seiner Gründung. Obwohl wir durchaus auch ganz junge Mitglieder haben. Aber da leiden wir unter denselben Überalterungsproblemen wie fast jeder andere Verein auch. Wir sind sehr schnell sehr groß geworden und haben heute über 400 Mitglieder. Das war eigentlich gar nicht so geplant. Ich gehe davon aus, dass es uns nicht noch einmal weitere 40 Jahre geben wird. Die jungen Leute machen da lieber ihr eigenes, anderes Ding.

Sie betonen den humoristischen Touch des Vereins. Lassen Sie die Leser teilhaben und erzählen uns Ihren Lieblings-Schwaben-Witz?

Obert: Ich weiß gar nicht, ob ich einen habe. Es gibt ja gar nicht viele wirklich gute, denn die meisten lassen sich auf Schwaben, Ostfriesen oder Bayern gleichermaßen anwenden. Denen fehlt das Typische. Ich war ein großer Freund des Komikers Willi Reichert, und dessen „schwäbische Einladung“ finde ich sehr amüsant. Die lautet: „Kommen Sie gleich nach dem Kaffee, damit Sie zum Nachtessen wieder daheim sind.“

Können Sie auch lachen, wenn Witze über Badener erzählt werden?

Obert: Witze über andere dürfen nicht böse oder beleidigend sein. Dann kann ich über alles lachen. Ein Witz, der jemanden gut auf die Schippe nimmt, ist lustig. In der Pfalz habe ich einen netten über Badener gehört: Zwei Badener sind in der Pfalz auf einem Weinfest. Sie kommen heim und erzählen „En guter Wein hat’s gebe. Der hieß Schorle.“

Es hört sich direkt so an, als ob Württemberg für Sie nicht absolut tabu wäre. Was würden Sie tun, wenn man Ihnen 2020 die Stelle des Oberbürgermeisters in Stuttgart anbieten würde?

Obert: (lacht) Dann wäre ich 67, da könnte ich schon noch kandidieren. Aber ich hätte erst mal große Zweifel, dass mich jemand wählen würde. Abgesehen davon würde ich es nicht machen. Das hat nichts mit Stuttgart zu tun. Ich bin der Überzeugung, dass man zu einer Stadt, in der man Bürgermeister oder Oberbürgermeister werden will, einen ganz persönlichen Bezug haben sollte. Für mich kämen da in ganz Deutschland nur noch Mannheim oder Mainz in Frage, weil da meine Eltern herkommen. Zu jeder anderen Stadt fehlt mir der persönliche Bezug. Dennoch würde mir manches einfallen, was ich in Stuttgart ändern könnte.