Marco Monti hat in der Nähe des Durlacher Bahnhofs eine weitere „Coffee Boxx“ eröffnet. | Foto: jodo

Wer geht und wer kommt

„Café Emaille“ wird schließen – dafür viele Neuerungen in Karlsruher Gastro-Szene

Anzeige

Karlsruhes Gastronomie ist in ständiger Bewegung. Während eine beliebte Studentenkneipe schließen wird, kehrt ein anderes Traditionslokal in die Stadt zurück. Außerdem gibt es Ideen für ein Craft-Beer-Wirtshaus. Ein Streifzug durch die Gastro-Szene.

Neue „Coffee Boxx“ hat in Durlach aufgemacht

Die neue „Coffee Boxx“ in der Hauptbahnstraße unweit des Durlacher Bahnhofs kommt mediterran daher. Vor dem Gebäude mit dem sonnengelben Anstrich stehen Palmen in großen Kübeln. Gäste sitzen im Schatten, rühren in ihren Eiskaffeegläsern. Seit Mai bewirtet das Team um Geschäftsführer Marco Monti seine Kunden im Durlacher „West End“.

Während die Filiale in der Moltkestraße weiter besteht, ist die „Coffee Boxx“ am Kronenplatz vorerst Geschichte. „Ostern haben wir zugemacht“, erklärt Monti, der die „Boxx“ in der Nähe des KIT 2009 übernommen hatte. Hintergrund: Das Gebäude wird umgebaut, wie lange das dauert, sei derzeit noch nicht absehbar, sagt Monti.

In Durlach läuft das Geschäft derzeit an, „wir konnten schon einige Stammgäste gewinnen“, freut sich Monti. Der Gastronom hat jedoch bereits das kommende Jahr im Blick: Dann nämlich soll in unmittelbarer Nachbarschaft ein Hotel entstehen. „Der Betreiber steht noch nicht fest, aber er wird keine Gastronomie anbieten“, sagt Monti. Eine große Chance für das „Coffee-Boxx“-Team.

Regionalität und Nachhaltigkeit in der Individualgastronomie

Der langjährige frühere Betreiber des „Café Wien“ setzt in der „Coffee Boxx“ auf „leckeres, gesundes Essen“. Auch die Regionalität seiner Produkte ist Monti wichtig. Bevor ein Gericht auf die Speisekarte kommt, kocht er es erst einmal Probe. Zudem ist er ständig auf der Suche nach etwas Neuem.

Auf Regionalität setzen die Macher des „Klauprecht“ in gleichnamiger Straße in der Südweststadt.
Auf Regionalität setzen die Macher des „Klauprecht“ in gleichnamiger Straße in der Südweststadt. | Foto: jodo

Auf Regionalität und Nachhaltigkeit setzen wie Monti einige der Karlsruher Gastronomen, die sich nicht der Systemgastronomie zuordnen lassen. Marc Leuwer etwa, der gemeinsam mit Philipp Haag neben der „Venus Bar“ auch das „Dom“, die Pizzeria „Gina’s“ das „Guts & Glory“ und seit Ende vergangenen Jahres auch das Café „Klauprecht“ in der Südweststadt betreibt.

Und das nächste Projekt ist bereits in Planung: „In Durlach soll ein Restaurant in Kooperation mit der Raumfabrik entstehen“, verrät Leuwer. Der Ansatz von Leuwer und Haag ist es – ähnlich wie in der Systemgastronomie – alle Lokale in einem gemeinsamen „Backoffice“ zu verwalten. Anders könne man der Menge der Betriebe nicht Herr werden. Dennoch wünschten sich viele Karlsruher ein Angebot jenseits der großen Ketten, so Leuwer: „Ihnen sind Nachhaltigkeit und Regionalität wichtig.“

Kunden kennen sich aus

Die Qualität des Essens spiele eine zusehends größere Rolle. Der Anspruch sei einfach gestiegen. Deswegen findet Leuwer es wichtig, dass auch kleinere, individuellere Lokale eine Chance in einer Stadt wie Karlsruhe bekommen.

Ludwigsplatz ist fest in der Hand der Enchilada-Gruppe

Für viele Vermieter sei die Systemgastronomie hingegen ein „sicheres Pferd“, wie etwa auf dem Ludwigsplatz. Der sei – mit „Lehners“, „Aposto“ oder „Enchilada“ fest in der Hand der Enchilada-Gruppe, so Leuwer.

Auch Citymanager Frank Theurer setzt neben der Systemgastronomie auf „Identitätsstiftendes“. „Wir wollen das Augenmerk auch darauf legen, dass Einheimische hier ihre Produkte anbieten“, sagt Theurer. Er glaubt zudem: „Wer gut ist, kann sich in Zeiten der Globalisierung auch durchsetzen.“ Als Positiv-Beispiele nennt er etwa das „Brick & Bone“oder den Portugiesen „Tasca do José“ in der Südlichen Waldstraße.

Ein Craft-Beer-Wirtshaus für Karlsruhe?

Einen Fuß in die Tür der Individualgastronomie zu bekommen, ist jedoch nicht einfach. Eine eigene Brauerei mit dazugehörender Gastronomie ist etwa das Ziel von „Fächerbräu“. Das Craft-Beer-Unternehmen wurde vor zwei Jahren gegründet und mietet sich bislang bei verschiedenen Privatbrauereien ein, um dort das gleichnamige Bier zu brauen.

„Momentan sind wir auf der Suche nach einem geeigneten Objekt“, erklärt Geschäftsführer Maxim Zownir. Ziel der Karlsruher Brauerei ist es, Bier mit natürlichen Zutaten aus eigenem Anbau in einem eigenen Sudhaus zu brauen. Wie die anderen Individualgastronomen setzen auch die Macher von „Fächerbräu“ auf „gute, regionale, Bio-zertifizierte Produkte“.

Moninger kehrt an Traditionsstandort zurück

Derweil wird, wie bereits berichtet, das Traditions-Wirtshaus „Moninger“ an seinen alten Standort in der Kaiserstraße zurückkehren. Ein Betreiber dafür sei mittlerweile gefunden, berichtet der Vorstand der Sinner AG und der Moninger Holding AG, Wolfgang Scheidtweiler. Dessen Namen möchte er zum jetzigen Zeitpunkt allerdings noch nicht in der Zeitung lesen.

Die Sanierungsarbeiten in dem Gebäude laufen bereits, laut Scheidtweiler ist eine Eröffnung für Ende kommenden Jahres angedacht. Das Innere des Gebäudes soll teilweise historisch wieder hergestellt werden – mancher Karlsruher dürfte sich dann an das frühere Wirtshaus „Moninger“ erinnert fühlen.

Künftig soll es laut Scheidtweiler einen direkten Eingang von der Kaiserstraße aus geben, die dortige Passage wird zurückgebaut. Über die Karlstraße soll das künftige Wirtshaus ebenfalls zugänglich sein, dafür soll auch die historische Fensterfront restauriert werden. Der angrenzende Telekom-Laden bleibt weiter bestehen.

„Café Emaille“ und „EXO“ werden schließen

Das ebenfalls in dem Gebäude befindliche „Café Emaille“ wird nach Scheidtweilers Angaben jedoch verschwinden. Und noch ein weiteres Restaurant verabschiedet sich aus der Fächerstadt: Das „EXO“ im Zoo schließt seine Pforten zum 31. Oktober.

Derzeit sei man noch auf der Suche nach einem Nachfolger, erklärt Geschäftsführer Andreas Hill, der das Restaurant im Exotenhaus nach knapp fünf Jahren wieder verlässt. Bereits Anfang des Jahres haben die Karlsruher von dem Imbiss „Wurschtl Palace“ auf dem Stephanplatz Abschied genommen.

„Hans im Glück“ kommt in die Postgalerie

Während die einen gehen, kommen auch neue hinzu. Wie bereits berichtet, wird die Burger-Kette „Hans im Glück“ im Erdgeschoss der Postgalerie eine zweite Filiale eröffnen. „Das wird im November/Dezember der Fall sein“, sagt Centermanager Andreas Thielemeier. Auf der rund 200 Quadratmeter großen Fläche fanden einst „Bree“ und das „Depot“ ein Zuhause. „Depot“ hat sich laut Thielemeier „ein bisschen verschoben“, der Taschenladen „Bree“ hingegen hat die Post Galerie verlassen.

Die erste Filiale des Burger-Lokals „Hans im Glück“ befindet sich im ehemaligen „Kaiserhof“ am Marktplatz. Ebenfalls neu in der Post Galerie ist das „Frittenwerk“, das im Juli eröffnet hat. Das Lokal, das Pommes frites in sämtlichen Variationen auf der Speisekarte hat, läuft laut Centermanager Thielemeier „unheimlich erfolgreich“. Spezialität im Frittenwerk seien die besonderen „Toppings“ auf den Pommes: zum Beispiel Chili con Carne, Käsesauce oder Guacamole.