Aus eins mach zwei: Eines der selbst gebauten Lieblingsstücke von Requisiteurin Christa Meder ist eine Vase. Dank eines Mechanismus an der Rückseite kann man an einer Schnur ziehen und die Vase fällt auseinander. Eine Schießerei auf der Kammertheater-Bühne war so kein Problem mehr.
Aus eins mach zwei: Eines der selbst gebauten Lieblingsstücke von Requisiteurin Christa Meder ist eine Vase. Dank eines Mechanismus an der Rückseite kann man an einer Schnur ziehen und die Vase fällt auseinander. Eine Schießerei auf der Kammertheater-Bühne war so kein Problem mehr. | Foto: Artis - Uli Deck

Kurz vor dem Ruhestand

Requisiteurin Christa Meder blickt auf 21 Jahre am Kammertheater Karlsruhe zurück

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In 21 Jahren am Karlsruher Kammertheater ist viel passiert. Nun erzählt Requisiteurin Christa Meder, kurz bevor sie in Ruhestand geht, was sie alles erlebt hat, welche Pannen passiert sind und was ihre Lieblingsstücke sind.

Alles hat damit angefangen, dass die damalige Kammertheater-Intendantin Heidi Vogel-Reinsch jemanden suchte, der nähen kann. Über die Jahre wurde der Beruf immer umfangreicher. Nun, nach 21 Jahren und kurz vor ihrem Ruhestand, blickt Requisiteurin Christa Meder zurück, wie sich ihr Beruf entwickelte, was er von ihr forderte – und welche Entwicklung das Kammertheater in dieser Zeit nahm.

Die Aufgaben wuchsen mit dem Theater

Schaut Meder auf ihre Anfangszeit, sagt sie: „Es war einfacher als heute.“ Über die Jahre wuchs das Kammertheater – und damit auch ihre Aufgaben. Als Bernd Gnann die Bühne 2009 übernahm, sei nochmals viel dazugekommen. „Er hat das Theater ausgebaut“, erinnert sich Meder.

In der Folge wurden Kostümbildner engagiert, und sie kümmert sich seitdem vor allem um die Requisiten und das Instandhalten der Kostüme. Mit der zweiten Spielstätte, dem K2 in der Kreuzstraße, habe sich die Arbeit dann nochmals verdoppelt.

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Am schlimmsten sind Reißverschlüsse und platzende Hosen

Über zwei Jahrzehnte ereigneten sich zahlreiche lustige Geschichten, die manchmal auch Schweißperlen auf die Stirn trieben. Der Horror seien immer Reißverschlüsse oder Hosen, die platzen. Zwei Begebenheiten blieben Meder allerdings besonders in Erinnerung.

„Meine Chefin, Heidi Vogel-Reinsch, hat damals in einem Musical mitgespielt“, weiß sie noch. Einen dicken Wollpulli konnte man nur von Hand waschen, und als Vogel-Reinsch kurz vor der nächsten Vorstellung nach dem Kleidungsstück fragte, hing dieses noch nass auf dem Wäscheständer, und für den Abend musste schnell Ersatz beschafft werden. „Seitdem schaue ich mir jede Show an und weiß, was gebraucht wird“, lacht Meder.

Missgeschick mit dem Negligé

Auch der zweite Fall handelt von einem Kleidungsstück. „Manche Sachen muss ich aufdämpfen“, erklärt sie. Bei einem Negligé ging das gründlich schief. Eine kurze Berührung genügte – und schon war ein Loch in die Spitze gebrannt. Sie schnitt einfach das fehlende Teil aus einem anderen aus und fügte es an der kaputten Stelle ein.

Das sind die Lieblingsstücke der Kammertheater-Requisiteurin

Ohnehin gilt: Kreativität ist oft gefragt – gerade bei selbst gemachten Requisiten. Meders Lieblingsstück ist eine Vase, die bei einer Schießerei zum richtigen Zeitpunkt zerspringen sollte. Sie entstand in langer Handarbeit. Das Ergebnis: Man kann an einer Schnur ziehen, und die Vase fällt in zwei Hälften auseinander.

Ich kenne jeden Second-Hand-Laden in Karlsruhe

Auch auf Lebensmittel, die sie aus Schaumstoff und Silikon baute, blickt sie mit Stolz. Viele der Requisiten, die sie brauche, finde sie im Internet, andere auf Flohmärkten. Und: „Ich kenne jeden Second-Hand-Laden in Karlsruhe.“

Aus Schaumstoff und Silikon hat Christa Meder das Cordon bleu, die Pommes und den Ketchup hergestellt. Das Brot in der Panade ist allerdings echt.
Aus Schaumstoff und Silikon hat Christa Meder das Cordon bleu, die Pommes und den Ketchup hergestellt. Das Brot in der Panade ist allerdings echt. | Foto: Artis - Uli Deck

Ohne Ausbildung in den Beruf

Eine Ausbildung hat Meder für ihren Beruf nie absolviert. Sie hätte den Lehrgang zum Geprüften Requisiteur an der Event Akademie in Baden-Baden besuchen können, aber das sei einfach nicht nötig gewesen. Und die eigentlich wichtigen Dinge lernte sie ohnehin schon sehr früh.

„Mein Vater war Bildhauer. Ich bin in Kanada auf dem Land großgeworden“, erzählt Meder. Dort lernte sie zu nähen, reparierte Motoren und hat selbst tapeziert. Die Grundlagen für ihre Arbeit am Kammertheater wurden gewissermaßen in den Weiten Kanadas gelegt.

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Kreativer Nachfolger gesucht

Was ihr Nachfolger, der gerade gesucht wird, können muss? Kreativ müsse er oder sie sein, meint Meder sofort. Angst, sein Gegenüber anzufassen, dürfe man definitiv nicht haben. Und man müsse wissen, dass bei einem kleinen Theater wie dem Kammertheater zu dem Beruf mehr gehöre als an großen Bühnen. Hier gehört es dazu, die Wäsche des Theaters zu waschen, in den Theaterwohnungen Betten zu beziehen, für die Premierenfeiern einzukaufen – und eben Requisiten zu beschaffen, zu reparieren und zu verwalten.

Meder freut sich jetzt auf die Ruhe. „Meine Familie beklagt sich, dass ich sehr oft fehle“, erzählt sie. Das werde sich nun bald ändern.