VERWEIST GERNE AUF SEINE KLIMA-AKTIVITÄTEN: Der französische L’Oréal-Konzern bezeichnet sein Karlsruher Werk als CO2-neutral. | Foto: Hora

Werk in Karlsruhe

CO2-Neutralität: L’Oréal prescht mit seiner Deutschland-Tochter voran

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Der weltgrößte Kosmetikkonzern L’Oréal will bis 2050 global CO2-neutral sein – und hat das bei seinem Werk in Karlsruhe und bei seinem Logistikzentrum in Muggensturm bereits erreicht.

„Seit 2017 ist unsere Fabrik in Karlsruhe CO2-neutral“, heißt es – ein entsprechendes Schild vor dem Gebäude weist darauf hin. In dem Werk werden Pflegeprodukte für Gesicht, Haar und Körper der Marken L’Oréal Paris sowie Garnier hergestellt.

Seit August 2017 nutzt das Werk Bio- statt Erdgas für die Dampferzeugung, die zur Herstellung vieler Produkte nötig ist. Die Fabrik ist ans Fernwärmenetz angeschlossen und bezieht grünen Strom. 400 Mitarbeiter sind dort beschäftigt. Bislang gibt es fünf Ladesäulen für E-Autos.

Weltgrößtes Logistikzentrum in Muggensturm bei Karlsruhe

Zum weltgrößten Logistikzentrum des französischen Konzerns in Muggensturm: Von dort aus werden beispielsweise Friseure, Apotheker, Drogeriemärkte oder Einzelhändler in Deutschland, Österreich und in der Schweiz beliefert. Die Spediteure fahren mit Diesel; das von L’Oréal angemietete Logistikzentrum selbst sei aber CO2-neutral.

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Man nutze grünen Strom und Regenwasser zur Hallenreinigung. Auf den Dächern befinden sich 7.400 Solarmodule und eine 30.000 Quadratmeter große Grünfläche. Es gibt sechs Ladestellen, „weitere zwölf sind geplant“, so eine Sprecherin des Unternehmens. In Muggensturm arbeiten 450 Mitarbeiter.

Emissionen sollen bis 2025 um 25 Prozent reduziert werden

Auf seinem Kurs zur CO2-Neutralität im Jahr 2050 will der Konzern bis 2025 die Kohlendioxidemissionen weltweit um 25 Prozent reduzieren. „Hierzu zählen auch die Emissionen, die durch Reisen von Mitarbeitern oder ihren Weg zur Arbeit entstehen“, so L’Oréal.

Aus für Dienstwagen mit reinem Verbrennungsmotor

Die deutsche Tochter ziehe mit folgenden Beiträgen mit: So dürfen keine Dienstwagen mit reinem Benzin- oder Dieselmotor mehr bestellt werden. Bis 2023 werde L’Oréal Deutschland keinen Wagen mit reinem Verbrenner mehr in seiner Flotte haben. In Düsseldorf werde man bis zum Jahresende 30 statt bisher vier Ladesäulen für E-Autos und Hybridfahrzeuge bereitstellen. Wer einen Dienstagen des Konzerns nutzt, könne auch zu Hause eine Ladesäule anbringen. Das Unternehmen übernehme die Kosten.

Einsparziel: 600 Flüge pro Jahr

Bei Dienstwagen gibt es seit Januar 2019 einen allgemeinen Trend hin zu Hybridfahrzeugen. Diese haben einen Verbrennungs- und einen Elektromotor. Ein Grund: Grundsätzlich legt das Finanzamt statt des vollen nur den halben Listenpreis zugrunde, um den geldwerten Vorteil des Fahrzeugnutzers zu berechnen.

Zurück zu L’Oréal: In diesem Jahr will die Deutschland-Tochter ihre Emissionen durch Flugreisen um 20 Prozent – im Vergleich zu 2019 – reduzieren. Fahrten zu Konferenzen fänden ab sofort ausschließlich mit Bahn oder Bus statt. „Dadurch sollen in diesem Jahr etwa 600 Flüge eingespart werden.“

Vorgaben der Dax-Konzerne nicht standardisiert

Mittlerweile haben fast alle Dax-Konzerne Klimaziele fixiert. Daimler will bis 2040 klimaneutral werden, Siemens bis 2030 und Volkswagen bis 2050, um einige Beispiele zu nennen. Allerdings sind die Vorgaben der Konzerne schwer zu vergleichen, da sie nicht standardisiert sind. Es liegt zudem auf der Hand, dass ein Versicherungskonzern wie die Allianz bei den CO2-Zielen anders herausgefordert ist, als ein Energiekonzern.

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Laut „Manager Magazin“ haben die Frankfurter Hannah Helmke und Sebastian Müller einen Algorithmus entwickelt und dafür als Grundlage ein Klimamodell der Universitäten Melbourne und Oxford genutzt. Davon lasse sich der Beitrag der einzelnen Unternehmen zur globalen Erderwärmung ableiten. Als vorbildlich in Sachen Klimaschutz gelten demnach Allianz, Bayer und Deutsche Post.

BUND: Man muss genau hinschauen

Genau hinzuschauen, was ein Konzern vorhat, sei wichtig. Das betont Martin Leimbach, Klimaschutzexperte der Umweltschutzorganisation BUND in Baden-Württemberg. Manche Unternehmen meinten nämlich, es reiche schon, bei einem Neubau Ausgleichsflächen zu schaffen.

Konzern nutzt Biogas im Karlsruher Werk

„Ökostrom gehört auch zum guten Ton, das muss man sich nicht mehr auf die Fahne schreiben“, sagt Leimbach. Bei Fernwärme komme es darauf an, wie sie erzeugt werde. Dass L’Oréal in seinem Karlsruher Werk Biogas einsetzt, begrüßt Leimbach, ebenso wie die Solarpanels auf dem Dach des Logistikzentrums in Muggensturm.

Letzteres als CO2-neutral zu bezeichnen, „sei ein bisschen eine Greenwashing-Maßnahme, da L’Oréal natürlich auf die Straße angewiesen ist“. Leimbach spricht somit die Lastkraftwagen an, die die Ware an- und abtransportieren.

Juristischer Sitz von L’Oréal ist noch in Karlsruhe

L’Oréal beschäftigt weltweit 86.000 Mitarbeiter und stellt 36 unterschiedliche Marken wie Lancôme, Biotherm, L’Oréal Paris, Garnier, Maybelline, essie und Vichy her. 2018 wurde ein Umsatz von 26,9 Milliarden Euro erzielt. Das Management des Unternehmens ist seit Jahrzehnten in Düsseldorf. Formal hat die Deutschland-Tochter aber nach wie vor in Karlsruhe ihren juristischen Firmensitz.