Noch keine Nägel mit Köpfen kann aktuell Sportchef Oliver Kreuzer beim Karlsruher SC machen, auch wegen der Corona-Krise.
Noch keine Nägel mit Köpfen kann aktuell Sportchef Oliver Kreuzer beim Karlsruher SC machen, auch wegen der Corona-Krise. | Foto: GES

Spieler-Gespräche ausgesetzt

Corona, Abstiegsgefahr und Insolvenz-Szenario erschweren Kaderplanung beim KSC

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Die Zeiten sind unsicher für die Proficlubs im deutschen Fußball. Für den Karlsruher SC gilt dies ganz besonders. Neben der Corona-Krise und der ungeklärten Frage, in welcher Liga der KSC künftig spielen wird, erschwert ein mögliches Insolvenz-Szenario die Kaderplanungen.

Es gibt in diesen Tagen auch richtig gute Nachrichten aus dem Karlsruher Wildpark. Die Zahl der Spieler, die beim Fußball-Zweitligisten verletzungsbedingt kürzertreten müssen, geht gegen Null.

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Martin Röser, Marco Djuricin und Kyoung-Rok Choi, der im Dezember einen Kreuzbandriss erlitten hatte, sind zurück auf dem Trainingsplatz und sollen laut Cheftrainer Christian Eichner gegen Ende der Woche zum Übungsbetrieb ihrer Kollegen hinzustoßen. Der hat bekanntlich Corona-bedingt nach wie vor strengen Auflagen zu genügen.

Ob sich die Schwitzerei lohnt, könnte sich bald entscheiden

Wofür die Schwitzerei gut ist? Das könnten die KSC-Profis in den kommenden Tagen erfahren. Am Donnerstag beraten die 36 Proficlubs darüber, ob und wie die Saison zu Ende gespielt werden kann. Für die Spieler und für die sportlich Verantwortlichen ist es eine Zeit großer Ungewissheit.

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Beim KSC gilt dies in besonderem Maße. Neben der Corona-Krise und der ungeklärten Frage, in welcher Liga David Pisot und Co in der kommenden Spielzeit auflaufen werden, erschwert das mögliche Insolvenz-Szenario die Planungen aller Beteiligten. Am Dienstag arbeiteten die Verantwortlichen weiter an einer Lösung der wirtschaftlich prekären Lage.

Kreuzer führt aktuell keine Gespräche mit Spielern

Durch die unsichere Gesamtsituation ist auch Oliver Kreuzer im Wartestand. „Die Gespräche mit den Spielern sind momentan ausgesetzt“, erklärt der Sport-Geschäftsführer. Auch was das Trainer-Duo Eichner/Zlatan Bajramovic angehe, sei jetzt nicht die richtige Zeit, um über Verträge zu reden, stellt Kreuzer klar. Er sagt aber auch: „Es ist schon mein Wunsch und das Ziel, mit beiden in die neue Saison zu gehen.“

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Wie der Kader genau aussehen wird, den Eichner und Bajramovic dann vermutlich anleiten werden, ist wie so Vieles in diesen Tagen: ziemlich ungewiss. Die Kadersituation und -struktur habe man zuletzt schon einmal analysiert, berichtet Eichner.

KSC-Spieler hätten im Insolvenz-Fall Sonderkündigungsrecht

Nägel mit Köpfen wurden noch nicht gemacht. Insgesamt zwölf Verträge laufen offiziell aus. Fest steht lediglich, dass Torhüter Benjamin Uphoff den Verein verlassen wird. Die Leihgeschäfte mit Jérôme Gondorf (SC Freiburg) und Lukas Grozurek (Sturm Graz) gehen zu Ende, bei Grozurek besteht eine Kaufoption und Gondorf bleibt bei geglücktem Ligaverbleib definitiv im Wildpark.

Von den Stammspielern benötigen Daniel Gordon, Manuel Stiefler und Damian Roßbach neue Arbeitspapiere. Marvin Pourié könnte indes aus Braunschweig nach Karlsruhe zurückkehren, sollte die Eintracht die Kaufoption für den Stürmer nicht ziehen.

Genau genommen ist aber noch nicht einmal fix, dass Akteure mit gültigem Kontrakt auch künftig am Adenauerring ihrer Arbeit nachgehen werden. Entscheidet sich die Vereinsführung – dann vermutlich von den Mitgliedern abgesegnet – für die Planinsolvenz, besteht für beide Parteien ein Sonderkündigungsrecht mit einer dreimonatigen Frist, wie Kreuzer bestätigte. Dieser glaubt allerdings nicht, dass Spieler davon Gebrauch machen würden.

„In der jetzigen Situation sind diese doch froh, wenn sie unter Vertrag stehen“, sagt Kreuzer. Auch Eichner rechnet damit, dass sich in ganz Fußball-Deutschland die Spieler in der ungewissen Corona-Zeit eher für die sicherere Variante entscheiden.

Kreuzer rechnet mit ruhigem Transfersommer

Umgekehrt betont Sportchef Kreuzer, dass er die besondere Situation nicht dazu nutzen würde, um den Kader zu verschlanken. Ohnehin sei eine Kündigung mit Blick auf das Arbeitsschutzgesetz wohl nicht so einfach. Ihr Gehalt dürften die Profis im Falle einer Insolvenz aber weiter beziehen.

Zwar liegt die Beitragsbemessungsgrenze beim Insolvenzgeld bei rund 6.900 Euro, doch die Differenz dürfte der Verein draufzahlen – allein schon, um keine Wechselgelüste bei seinen Angestellten aufkommen zu lassen. Insgesamt rechnet Kreuzer Corona-bedingt mit einem ruhigen Transfersommer, in dem nicht die ganz großen Summen aufgerufen werden.

Eichner: Bei Saisonfortsetzung mentale Stärke entscheidender Faktor

Auch in Sachen Neuzugänge hält der KSC gerade die Füße still. Ideen hätten er, der Technische Leiter Necat Aygün und Chefscout Lothar Strehlau aber bereits, so Kreuzer, der hofft: „Vielleicht bekommt man in diesem Sommer den ein oder anderen, den man sonst nicht gekriegt hätte.“

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Aber erst einmal schauen alle Beteiligte gespannt auf die DFL-Sitzung und warten auf die Entscheidung, ob die Saison fortgesetzt wird. In diesem Fall sei vor allem mentale Stärke gefragt, glaubt Eichner. „Die Mannschaft, die das vom Kopf her am besten hinbekommt, wird erfolgreich sein.“