Die Luft ist raus: Seit März ist die Saison im Amateurfußball unterbrochen - nun dürfte die Beendigung der Runde beschlossen werden.
Die Luft ist raus: Seit März ist die Saison im Amateurfußball unterbrochen - nun dürfte die Beendigung der Runde beschlossen werden. | Foto: GES

Debatte über Aufstiegsregelung

Abstimmung über Saison-Abbruch im badischen Amateurfußball

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 Abbruch oder Weiterspielen in der Corona-Krise? Darüber entscheiden an diesem Samstag die außerordentlichen Fußball-Verbandstage in Nord- und Südbaden sowie in Württemberg. Eine Mehrheit für den Abbruch scheint sicher, für Diskussionen sorgt eigentlich nur die Aufstiegsregelung.

Die drei Fußball-Verbände hatten im Mai die Beendigung der seit März wegen der Ausbreitung und der Folgen der Corona-Pandemie unterbrochenen Saison empfohlen. Die Delegierten dürften diesem Ansinnen bei dem virtuellen Treffen am Samstag nun mit großer Wahrscheinlichkeit folgen.

Bei der Frage nach der Aufstiegsregelung gibt es abweichende Anträge. Die wichtigsten Fragen und Antworten:

Welche Anträge liegen vor?

Im Mittelpunkt stehen die Anträge der Verbandsvorstände zur Beendigung und Wertung der Saison 19/20 zum 30. Juni. Sowohl in Nord- und Südbaden gibt es Änderungsanträge einiger Vereine, die auf eine erweiterte Aufstiegsregelung bei einem Saisonabbruch abzielen.

Als Alternative steht jeweils die Fortsetzung der Runde zur Abstimmung. Zudem geht es unter anderem noch um den Umgang mit den Pokal-Wettbewerben und eine Ermächtigung für die Verbandsvorstände für Entscheidungen, die den Spielbetrieb der Saison 20/21 betreffen.

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Wen betreffen die Entscheidungen?

Betroffen sind alle Spielklassen der Frauen und Männer von der Verbandsliga abwärts sowie bei der Jugend. Der württembergische Verband entscheidet zudem über die Oberligen.

Was passiert bei einem Abbruch, wie ihn die Verbände beantragen?

Der Spielbetrieb 19/20 wird nicht mehr aufgenommen. Findet der Vorschlag der Verbände Zustimmung, werden die Meister und direkten Aufsteiger über die sogenannte Quotientenregel ermittelt. Sind in Spielklassen Aufstiegsrunden vorgesehen, wird der Aufsteiger ebenfalls über den Quotienten ermittelt werden.

Aus den Verbandsligen würde so der 1. FC Bruchsal als der Zweitplatzierte mit dem besten Quotienten in die Oberliga aufsteigen. Weitere Aufsteiger über Relegationen gibt es nicht. Absteiger gibt es nicht. Ein freiwilliger Abstieg soll wie der freiwillige Aufstiegsverzicht möglich sein. Die Ligen werden in der kommenden Saison entsprechend aufgestockt.

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Was ist, wenn die Änderungsanträge bezüglich der Aufsteiger erfolgreich sind?

Es würden dann neben den Meistern und Clubs aus Aufstiegsrunden auch die Mannschaften aufsteigen, die nach der Quotientenregel auf dem Relegationsplatz liegen. Die Ligen müssten dann in der neuen Saison dementsprechend noch weiter aufgestockt werden.

Für die kommende Spielzeit hätte das dann auch eine noch mal verschärfte Abstiegsregelung zur Folge. Die Staffelgrößen und daraus resultierende Terminprobleme waren für die Verbände im Vorfeld Argumente dafür, die Relegationsplätze bei der Aufstiegsregelung außen vor zu lassen. Beim württembergischen Verband wurde ein ähnlicher Antrag von mehr als 30 Clubs gar nicht zugelassen.

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Wie werden die Abschlusstabellen und damit die direkten Aufsteiger ermittelt?

Die Quotienten-Regel berücksichtigt bei jedem Club jedes ausgetragene Spiel. Aus Gewinnpunkten und Partien wird der Quotient berechnet, die Anzahl der Punkte wird durch die der Spiele geteilt.

Beispiel: Verein A hat 48 Punkte in 19 Spielen gesammelt, das ergibt einen Quotient von 2,53. Bei gleichem Quotienten gelten die Kriterien Tordifferenz und dann die Anzahl erzielter Tore. Die meisten Landesverbände haben sich beim Abbruch für die Quotienten-Regelung entschlossen beziehungsweise planen dies.

Was passiert, wenn für eine Fortsetzung der Saison gestimmt wird?

Dann würde die unterbrochene Runde wieder aufgenommen werden – frühestens im September. Alle sportlichen Entscheidungen könnten ausgespielt werden. Höhere Ligen würden dann aber bereits in der Spielzeit 20/21 sein. Außerdem wären die Wettbewerbsbedingungen nicht mehr die aus der Saison 19/29, da erst nach Ende der Sommer-Transferperiode wieder gespielt würde.

Warum ist ein klares Votum für einen Abbruch zu erwarten?

Der nordbadische Verband (bfv) hat bis Ende Mai die Stimmungslage abgefragt, die den Delegierten des Verbandstags als Grundlage dienen soll. Von 616 Vereinen nutzten nach bfv-Angaben 366 diese Gelegenheit – rund 90 Prozent votierten für die Beendigung der Saison.

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Was ist mit der neuen Saison 20/21?

Hier gilt, was auch für eine etwaige Fortsetzung der laufende Runde gelten würde: Gespielt wird frühestens ab dem 1. September. Möglicherweise könnten aber Pokalwettbewerbe früher starten. Ein möglicher Rahmen-Terminplan des südbadischen Verbandes nennt das Wochenende 5./6. September als Auftakt.

Wer stimmt ab?

Beim bfv sind 201 Delegierte aus den neun Fußballkreisen stimmberechtigt, die 2016 auf den Kreistagen für die noch laufende Legislaturperiode gewählt worden sind. Nur der Kreis Bruchsal hat dieses Jahr bereits neu gewählt. Hinzu kommen Verbands-Delegierte.

Beim Südbadischen Fußball-Verband sind insgesamt 232 Delegierte aus den sechs Bezirken stimmberechtigt. Der Bezirk Baden-Baden ist mit 26 Delegierten vertreten. Hinzu kommen Verbandsdelegierte.