Teurer Schutz: Der Preis der Ware liege schon ab Werk ein vielfaches über dem zu Zeiten vor dem Coronavirus, klagen Apotheker aus der Region.
Teurer Schutz: Der Preis der Ware liege schon ab Werk ein vielfaches über dem zu Zeiten vor dem Coronavirus, klagen Apotheker aus der Region. | Foto: Steppeler

Hohe Preise wegen Coronavirus

Mundschutz und goldene Nase? Den großen Reibach machen Hersteller, nicht Apotheken

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Endlich sind die Schilder in den Apotheken verschwunden, die Kunden darauf hinwiesen: „Mundschutz derzeit nicht lieferbar.“ Es gibt sie wieder. Übers Gummiband hinaus haben diese aber mehrere Haken: Sie sind teuer. Wer momentan einen medizinischen Mundschutz erwerben möchte, muss viel Geld hinlegen.

Viel mehr als zu Zeiten vor der Corona-Pandemie. Preise von 14 Euro für einen FFP2-Mundschutz mit Ventil sind dieser Tage keine Seltenheit. Noch immer bestehen Lieferengpässe, die Lieferung ist schneller vergriffen als eine neue Quelle gefunden.

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Doch sind es nicht etwa die Apotheker, die sich eine goldene Nase verdienen an dem raren Gut. Das Problem beginnt wie schon die Pandemie selbst: in China.

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Wucher für Mundschutz in der Corona-Krise beginnt schon ab Werk

Die Ware, die man in Apotheken kaufen kann, kommt seit vielen Jahren schon fast ausschließlich aus China. Von dort werden momentan bereits ab Werk Preise auf den Lieferweg geschickt, an deren Ende den Kunden die Kinnlade nach unten klappt.

Wir haben es derzeit mit einer Preisgestaltung zu tun, die nichts mit der Normalität zu tun hat.

Andreas Rheinländer, Geschäftsführer des Pharma-Großhandels L. Fiebig in Rheinstetten

Schon die Zwischenlieferanten stehen regelmäßig vor der Entscheidung: „Entweder bezahlen wir einen sehr hohen Preis, oder wir bieten gar keine Masken an“, berichtet Andreas Rheinländer, Geschäftsführer der L. Fiebig GmbH & Co KG, dem regional führenden Pharma-Großhandel mit Sitz in Rheinstetten.

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„Wir haben es derzeit mit einer Preisgestaltung zu tun, die nichts mit der Normalität zu tun hat“, sagt Rheinländer. „Es ist mitnichten so, dass sich Apotheken eine goldene Nase verdienen. Das Problem liegt auf der Seite der Anbieter.“

Der Preis liege schon ab Werk ein vielfaches über dem zu Zeiten vor Corona. „Und so entwickeln sich entsprechend auch die Preise bis zum Endkonsumenten.“

Wer bekommt in Zeiten von Covid-19 überhaupt noch einen Mundschutz?

Wenn Händler vor einigen Wochen Bestellungen in China aufgegeben haben, so hat die Ware das aufgrund des Coronavirus abgeschottete Land bis vor Kurzem gar nicht verlassen. Zwar wird jetzt wieder geliefert, aber nun stehen Apotheker wie auch der Pharma-Großhandel vor der schwierigen Frage: Was bekommt man überhaupt?

Die üblichen Lieferanten seien laut Rheinländer für Apotheken momentan nicht lieferfähig. Sie beliefern bevorzugt Einrichtungen, die Masken am dringendsten brauchen: Krankenhäuser und Pflegeheime. Die Schwemme an weiteren Quellen ist groß, aber nicht immer seriös.

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„Wir arbeiten nur mit seriösen Anbietern“, betont Rheinländer. Diese gehen dabei oft mit hohem finanziellen Risiko in Vorkasse. Sie nehmen die Ware beim Zoll in Empfang, wo es in Vergangenheit offenbar auch schon mal böse Überraschungen für unerfahrene Händler geben habe.

Pro Maske verdienen wir ungefähr zehn Cent.

Armin Hilpert, Apothekeninhaber in Malsch

Nicht immer kann der Großhandel also liefern. Und die Wahl einer verlässlichen Quelle ist nicht einfach. „Ich bekomme täglich vier bis fünf Angebote per Mail oder Fax, die wir eingehend prüfen“, berichtet der Apotheker Armin Hilpert. „Selten sind sie seriös.“

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Der Pharmazeut leitet die Marien-Apotheke in Malsch und muss seinen Kunden mehrmals täglich erklären, warum und wie die hohen Preise für Mundschutz zustande kommen. Dabei schlagen die meisten Apotheken wie auch seine nur den absoluten Mindestsatz auf den Einkaufspreis. „Pro Maske verdienen wir ungefähr zehn Cent“, so der Apotheker.

Ich habe fast schon ein schlechtes Gewissen.

Henrik Rohde, Apotheker aus Karlsruhe

„Ich habe fast schon ein schlechtes Gewissen“, sagt Henrik Rohde über den Preis, den er für Mundschutze verlangt. Doch hat auch der Inhaber der Hof- und der Zentral-Apotheke, zweier großer und alteingesessener Apotheken in der Karlsruher Innenstadt, kaum Spielraum nach unten.

FFP2-Masken kosten im Verkauf 12,95 Euro

Früher bekam er eine 50er-Packung OP-Masken für 30,50 Euro, das sind 61 Cent pro Stück. Heute bezahlt er für eine OP-Maske mindestens einen Euro im Einkauf. Zuzüglich der Mehrwertsteuer und einem geringen Aufschlag entsteht daraus der Verkaufspreis von 8,90 Euro für das Fünferpack.

FFP2-Masken mit Ventil, die auch den Träger vor einer Ansteckung schützen können, liegen bei 9,90 Euro im Einkauf und 12,95 Euro im Verkauf. „Da sehe ich mich in der Pflicht, sie fast ohne Aufschlag weiterzuverkaufen“, so Rohde.

Lieferanten kaufen wegen Covid-19 die Katze im Sack

Was die Qualität der Ware betrifft, so gilt für die Lieferanten momentan ein altes Sprichwort: Sie kaufen die Katze im Sack. Laut Rohde müssen sie bei der Bestellung mit 30 Prozent in Vorkasse gehen und die restlichen 70 Prozent zahlen, sobald der Transferschein ausgefüllt sei. Erst bei Erhalt könne man prüfen, ob die Masken den EU-Schutzstandards entsprechen.

Zwar gibt es Angebote für größere Mengen zu günstigeren Konditionen, die auch Rohde über das Landratsamt kaufen könnte. Ein FFP2-Mundschutz würde dann zwar bei nur 2,95 Euro im Einkauf liegen. Doch müsste er ein Gebinde von 100.000 Stück abnehmen. Das Risiko, dass der Wert bald wieder sinke, sei zu groß.