Ausgangssperren In Paracas: Manuel Münch, Daniel Kreppein, Alina Praster und Franziska Münkel (von hinten links) kontaktierten die Botschaft vergeblich.
Ausgangssperren In Paracas: Manuel Münch, Daniel Kreppein, Alina Praster und Franziska Münkel (von hinten links) kontaktierten die Botschaft vergeblich. | Foto: privat

Quarantäne wegen Coronavirus

Reisende aus Ubstadt-Weiher und Karlsruhe sitzen wochenlang in Peru fest

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Peru sollte ursprünglich eine weitere Etappe seiner Südamerika-Reise werden. Doch für Manuel Münch aus Ubstadt-Weiher entwickelte sich die Kleinstadt Paracas zur Endstation der Expedition. Die Corona-Pandemie macht aber nicht nur Reisenden in dem südamerikanischen Land mit ungefähr 30 Millionen Einwohnern einen Strich durch die Rechnung.

Auch in Neuseeland, Südafrika, Indien und anderen Ländern warten viele Deutsche darauf, nach Hause zu kommen. Zuletzt versicherte Außenminister Heiko Maas, dass alle zurückgebracht werden sollen. Bei der zweiten Welle der Rückholaktion muss das Auswärtige Amt aber höhere Hürden nehmen als bei der ersten.

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Die Karlsruherin Lara Grothe hat es geschafft. Sie flog am vergangenen Freitag nach Hause, nachdem sie ihren Freiwilligendienst in Peru abgebrochen hatte. „Mir wurde unter anderem bewusst, dass mein Leben derzeit in Lima ist und nicht in Deutschland“, sagt Grothe, die zuletzt auf einer Rundreise mit ihren Eltern war. Diese kamen einen Tag vor ihrer Tochter wieder in Deutschland an. Damit endete eine Zeit voller Ängste und Ungewissheit.

Zunächst war das Coronavirus noch weit weg

Zunächst schien das Virus in Peru noch weit weg zu sein. Am 15. März verkündete der peruanische Präsident Martin Vizcarra dann eine umfassende Quarantäne. Die Familie befand sich zu diesem Zeitpunkt in Cusco, das auf über 3.000 Metern relativ abgeschottet liegt.

GIGANTISCHE RÜCKHOLAKTION: Außenminister Heiko Maas hat versprochen, alle Deutschen aus dem Ausland wieder in die Heimat zu bringen. Fehlende Landegenehmigungen und geschlossene Flughäfen sorgen aber für Probleme.  | Foto: dpa

„Wir haben noch versucht, einen Flug oder Bus nach Lima zu ergattern, doch alles war bereits ausgebucht“, berichtet Grothe. Schließlich wurde der öffentliche Verkehr ganz eingestellt. Die Reiseagentur der Familie trieb ein Hotel für die Familie auf. „Es fehlte uns an nichts: Wir hatten warmes Wasser, Strom, WLAN und eine sichere Unterkunft“, betont Grothe.

Starke Einschränkungen für Touristen wegen Covid-19

Nach und nach verschärften die Behörden die Richtlinien. Völlige Ausgangssperren zwischen 20 Uhr abends und 5 Uhr morgens, Ausweispflicht und starke Einschränkungen für Touristen: Die sonst so vollen Straßen in Cusco wurden immer leerer. „Die Polizei brachte ein Ehepaar nach Hause, das gerade auf der Suche nach ein paar Snacks war. Um an Medikamente oder ähnliches zu kommen, musste man das Hotelpersonal fragen“, erläutert Grothe.

Behörden holen Hunderte Deutsche aus Cusco zurück

Ab dem 1. April seien schließlich mehrere Rückholflüge gestartet, sagt Sascha Kienzle von der Pressestelle des Auswärtigen Amts. Mittlerweile habe man vom Flughafen Cusco Hunderte Deutsche zurückholen können – darunter auch die Familie aus Karlsruhe.

Fehlende Landegenehmigungen sind schwieriger Faktor

Nach deren Abreise verschärfte sich die Situation in Peru weiter. Ende vergangener Woche gab Präsident Vizcarra bekannt, dass an bestimmten Wochentagen nur Männer die Wohnungen verlassen dürfen, an anderen Tagen Frauen.

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„Wir versuchen, die noch etwa 1.700 deutschen Reisenden in Peru zu unterstützen“, so Kienzle. Ein begrenzender Faktor sei aber nach wie vor die restriktive Vergabe von Landegenehmigungen.„Die peruanische Regierung hat die Flughäfen geschlossen und dem Militär unterstellt“, sagt Kienzle. Die Botschaft sei aber über die schwierige Situation der Reisenden informiert.

Keine Antwort von der Botschaft in Lima

Manuel Münch hatte sich – seit Beginn der Quarantäne vor etwa drei Wochen – sowohl beim neuen Rückholprogramm eingetragen als auch bei der Botschaft in Lima angerufen. Er wollte schnellstmöglich mit seiner Partnerin Alina Praster und seinen Freunden Daniel Kreppein und Franziska Münkel nach Deutschland zurückzufliegen. „Wir haben keine Rückmeldungen bekommen“, erklärt Münch.

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Deshalb wuchs die Angst, lange festzusitzen und von den Behörden vergessen zu werden. Während der Ausgangssperre schlug die Reisegruppe die Zeit damit tot, Karten zu spielen, Netflix zu schauen und mit Freunden und Angehörigen zu skypen. Ihr Gastgeber erledigte größere Einkäufe in der nächstgrößten Stadt und hielt sie mit Informationen auf dem Laufenden.

Wir haben von vielen Touristen gehört, die direkt nach Lima gegangen sind und dort dann auf der Straße saßen.

Manuel Münch, Reisender aus Ubstadt-Weiher

„Es war die richtige Entscheidung, in Paracas zu bleiben. Wir haben von vielen Touristen gehört, die direkt nach Lima gegangen sind und dort dann auf der Straße saßen“, betont Münch, der vor der Ausgangssperre lediglich drei normale Tage in Peru erlebte. Kreppein und Münkel waren ursprünglich aus Deutschland angereist und hatten Münch und Praster in Peru getroffen.

Gruppe nahm das Heft selbst in die Hand

Nach etwa drei Wochen Quarantäne nahm die Gruppe vor wenigen Tagen das Heft selbst in die Hand. Mit einem Transporter gelangten sie in die Hauptstadt Lima und konnten sich auf die Liste für einen Flug nach Deutschland eintragen. Am Dienstag landeten sie. „Hätten wir gewusst, dass es so kommt, wären wir auf unserer Südamerika-Tour direkt von Brasilien aus heimgeflogen“, sagt Münch. Die Reise hatte er sich wahrlich anders vorgestellt.