Dampflok
Diese Dampflok ist die neue Schwester der Karlsruher Greif. | Foto: pr

Baugleiches Modell aus Berlin

Dampflok Greif in Karlsruhe bekommt eine Schwester

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Die Greif ist in diesem Jahr 80 Jahre alt. Zum Geburtstag bekommt sie von ihren Besitzern Steffen Waidelich und Marco Müller ein besonderes Geschenk: eine Schwester. Die jungen Unternehmer haben eine zweite Dampflok gekauft – die vorerst jedoch noch nicht durch den Schlossgarten tuckern wird.

Dampflok ist modellgleich

Beide Loks wurden von Henschel und Sohn in Kassel gebaut. Die neue ist modellgleich mit der Greif, aber Jahrgang 1953 und somit etwas jünger. Zunächst wurde sie von einem Bauunternehmer auf Baustellen eingesetzt.

Ab 1980 stand die Dampflok auf einem Spielplatz in Bergheim-Auenheim bei Düsseldorf. „Das war in dieser Zeit nicht ungewöhnlich“, erklärt Marco Müller: „Ich habe als Kind im Rheinstrandbad auch auf so einer Lok gespielt.“ Eben jene wird heute in Bruchhausen-Vilsen aufgearbeitet.

Greif-Schwester kommt aus Berlin

Die heutige Greif-Schwester – die noch keinen Namen hat – wiederum stand später zunächst im Eisenbahnmuseum in Dieringhausen und seit 1985 dann im Museum für Verkehr und Technik (heute Technikmuseum) in Berlin.

In dessen Ausstellung entdeckten sie Mitglieder des Frankfurter Feldbahnmuseums, die beste Kontakte zum Greif-Team haben. Der dort aktive Christian Felten brachte schließlich mehrfach seine Dampflok Emma nach Karlsruhe, wo sie zusammen mit der Greif ihre Runden drehte.

Weltweit nur noch 17 Exemplare

Die Frankfurter übernahmen nun die Lok aus dem Museum und verkauften sie an Steffen Waidelich und Marco Müller. „Weltweit gibt es noch 17 Loks dieser Art“, erläutert Steffen Waidelich. Der Kauf sei somit eine riesige Chance.

Greif
Die Greif wird 80 und erhält von ihren Besitzern Marco Müller (links) und Steffen Waidelich ein Geschenk. | Foto: jodo

Zunächst stelle die zweite Lok eine Sicherheit dar bezüglich der schwer erhältlichen Ersatzteile. Ziel sei es jedoch, dass irgendwann beide Loks im Schlossgarten fahren. Während die Greif von ihrem Vorbesitzer Manfred Halle einen Western-Look erhielt, befindet sich ihre Schwester im Originalzustand.

Unterschiede sehen

„Die Besucher können so die Unterschiede sehen“, erläutert das Greif-Team. Und da die Fahrgastzahlen stetig steigen, sei es gut, die Greif im Betrieb zu entlasten.

Doch noch ist die Neue nicht fahrtauglich. „Vor allem der Dampfkessel muss repariert oder ersetzt werden“, erläutert Marco Müller. Das kostet Zeit und Geld.

Stellplatz auf Zeit gesucht

Und da gibt es noch einen Punkt: die Platzfrage. Aktuell steht die zehn Tonnen schwere Lok in Frankfurt. Im September wird sie die Interessengemeinschaft historische Baumaschinen nach Karlsruhe holen. Dort wird sie als Ladegut auf der Tiefbau-Leitmesse von 5. bis 7. September und dann auf der Nufam vom 26. bis 29. September auf der Messe der Öffentlichkeit präsentieren.

Das Greif-Team erwägt zudem, eine Willkommensaktion zu organisieren, bei der die Karlsruher die Neue kennenlernen können. Nach den Messen bleibt die Lok in Karlsruhe. Allerdings ist unklar, wo sie stehen wird. Im Lokschuppen ist im Moment kein Platz. „Er soll erweitert werden, dann kommt die Neue dort hoffentlich auch unter“, so die Greif-Besitzer, die nun nach einer Übergangslösung suchen.

Offen für Vorschläge

Der Parkplatz auf Zeit sollte sich in einer geschlossenen Halle befinden und eben groß genug sein für das fünf Meter lange und drei Meter hohe gute Stück. „Wir sind offen für Vorschläge“, versichern Steffen Waidelich und Marco Müller – die extra die E-Mail-Adresse eingerichtet haben und sich über Ideen und Angebote freuen.

Karlchen ist der Dritte im Bunde

Vorfreude herrscht noch aus einem anderen Grund: Das Duo begrüßt in wenigen Wochen eine dritte Lok im Bunde. Wenn die Greif mit Holz beladen wird, rollt sie dafür ohne Dampf aus dem Lokschuppen. Bisher half die Porsche-Lok der Verkehrsbetriebe beim Rangieren. Sie falle dafür nun jedoch aus technischen Gründen aus, heißt es.

Karlchen
Karlchen rift der Greif beim Rangieren. | Foto: pr

Hilfe fanden die Greif-Besitzer auch da in Frankfurt: Emma-Besitzer Christian Felten bringt in wenigen Wochen seine Lok Karlchen als Dauerleihgabe nach Karlsruhe, um der Greif beim Lokschuppen zu assistieren. „Karlchen ist grün und knuffig“, erzählt Steffen Waidelich.

Emma kommt nächste Saison wieder

Emma indessen kommt diese Saison nicht, sie fährt in Frankfurt.

„Nächstes Jahr wird sie wahrscheinlich wieder zu Besuch sein“, sagen Steffen Waidelich und Marco Müller.

Heeresfeldbahn-Wagen

Es gibt noch eine Neuerung: Das Greif-Team ist im Besitz von zwei Heeresfeldbahn-Wagen aus dem Ersten Weltkrieg. Die sicherte Manfred Halle einst von der ehemaligen Spinnerei in Ettlingen-Busenbach. Lange waren beide rollende Material- und Holzlager.

2016 stand bei Rock´n´Rail eine Band auf einem der Wagen. Und der wird nun bei der Firma BMS Stahlbau in Görlitz, die 2018 die Räder der Greif auf Vordermann brachte, technisch instandgesetzt. Auf der 5,5 mal zwei Meter großen Fläche könnten dann auch künftig Musiker spielen oder Büffets aufgebaut werden.

Hochzeitsfeier auf Gleisen

Letzteres etwa bei Events oder Hochzeiten, für die das Greif-Teams gerne gebucht wird. Der Wagen soll zudem an Fahrtagen am Gleis stehen, um über die Geschichte der Eisenbahn, aber ebenso über Karrieremöglichkeiten bei den Verkehrsbetrieben informieren. Nächste Saison soll dies soweit sein.

Service

Die Greif dreht an Sonn- und Feiertagen ihre Runden durch den Schlossgarten. Los geht es um 11 Uhr. Letzte Möglichkeit zuzusteigen ist um 18.30 Uhr.

Zeitreise im Schlossgarten

In die viktorianische Zeit tauchen Fans des Steampunk ab, die sich am Sonntag, 23. Juni, ab 13 Uhr im Schlossgarten treffen. Angekündigt sind ein Picknick und der Auftritt der Band Tales of Nebelheym. Die etwa 500 verkleideten Aktiven steigen bei ihrer Zeitreise selbstverständlich auch auf die Dampflok Greif.