Wieder aufgefüllt hat Axel Becker im Karlsruher Geschäft „Zuckerbecker“ eine leere Trinkflasche. Er ist einer der Teilnehmer bei der Initiative „Refill“. | Foto: Anatol Fischer

Händler füllen Flaschen auf

Dank „Refill“ soll keiner durstig bleiben

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Ein kleiner Tropfen soll den Unterschied machen. Zu sehen ist er auf runden blauen Aufklebern an Türen von Gewerbetreibenden. „Refill“ heißt die Initiative, die dahinter steht. Deren Idee ist einfach: Wer eine leere Flasche dabei hat, kann diese an allen Orten, die darauf mit dem Aufkleber hinweisen, mit Leitungswasser auffüllen lassen. „Ich wundere mich, wie viele Plastikflaschen viele Leute kaufen“, sagt die Karlsruher Refill-Organisatorin Sarah Meyer-Soylu. Tatsächlich werden nach Zahlen der Deutschen Umwelthilfe bundesweit 1,8 Millionen Plastikflaschen verbraucht – pro Stunde. Dafür werden, so die Organisation weiter, neun Milliarden Kilowattstunden Energie pro Jahr verbraucht.

In Karlsruhe ist „Refill“ relativ verbreitet

In der Region ist das Refill-Konzept vor allem in Karlsruhe schon relativ verbreitet: Mehr als 20 Stationen sind dabei. „Es hat keinen großen Einfluss auf die Wasserrechnung“, betont Meyer-Soylu. Prinzipiell schwieriger sei es, Geschäfte, die Teil einer Kette sind, als neue Refill-Stellen zu gewinnen. „Da müssen sie den Chef erwischen, und die Mitarbeiter müssen mitmachen“, erklärt Meyer-Soylu.

Unverpackt-Laden gibt Aufkleber aus

Mit diesem Logo weisen Refill-Stationen auf ihr Angebot hin.
Mit diesem Logo weisen Refill-Stationen auf ihr Angebot hin. | Foto: Refill Deutschland

Unmöglich sei es auch gewesen, Geschäfte im Hauptbahnhof zu finden, die die Flaschen der Reisenden auffüllen. Dafür ist der Unverpackt-Laden, der direkt gegenüber liegt, Teil der Initiative. „Da können dann schon mal zehn Leute nacheinander reinkommen, wenn es eine Reisegruppe ist“, weiß Meyer-Soylu.  Doch nicht nur durstige Reisende werden hier versorgt. Der Laden ist auch eine von zwei Ausgabestellen in der Fächerstadt für die Aufkleber, mit denen teilnehmende Stellen auf das Angebot hinweisen.

Nachfrage hält sich noch in Grenzen

Die Wassernachfrage scheint sich allerdings in Karlsruhe noch in engen Grenzen zu halten. „Das Angebot hat noch niemand genutzt“, erzählt Jörg Stein, der an seiner Marien-Apotheke am Werderplatz seit dem Sommer den blauen Aufkleber auf der Tür hat. Gleiches erzählt Axel Becker, dessen Geschäft „Zuckerbecker“ ebenfalls am Werderplatz liegt. Dabei meint er, dass gerade in dieser Lage beispielsweise mit zahlreichen Studenten durchaus die Klientel unterwegs sein müsste, auf die das Projekt ausgerichtet sei.

Unterstützung kommt in Karlsruhe von der Stadtverwaltung

Und Refill soll in der Fächerstadt weiter wachsen: Unterstützung kommt auch von der Stadtverwaltung. Auf Antrag der Grünen-Fraktion im Gemeinderat wurde überprüft, wie „Refill“ unterstützt werden kann. Nun ermittelt die Stadtverwaltung, welche Standorte als Refill-Stationen in Frage kommen. Zudem soll die Initiative in die Öffentlichkeitsarbeit der Stadt einbezogen werden – unter anderem in die Trinkwasser-App der Stadtwerke.

Refill-Pläne für Baden-Baden

Zudem scheint es für Baden-Baden Pläne zu geben, allerdings ist von der Organisatorin nicht mehr zu erfahren, als dass sich das Projekt momentan „in der Aufbauphase“ befinde. Auch sonst gibt es in den anderen Städten der Region nur jeweils einzelne Teilnehmer – beispielsweise einen Naturkostladen in Achern oder ein Pflegeheim in Birkenfeld.

Gastronomen bleiben entspannt

Keine größeren Sorgen machen sich Gastronomen wegen „Refill“. „Ich glaube nicht, dass die Gastronomie dadurch in ihrem Kerngeschäft angegriffen wird“, meint Daniel Ohl, Pressesprecher des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbands (Dehoga) in Baden-Württemberg. Allerdings dürfe man auch nicht erwarten, dass viele mitmachen. Wenn jemand dabei sei, habe er wohl „einen anderen Fokus, als den Verkauf von Wasser“. Er denkt hier beispielsweise an Kaffee-Bars, bei denen es ohnehin ein Glas Wasser zum Kaffee dazu gibt.

Leitungswasser ist das am strengsten kontrollierte Lebensmittel

Gedanken um seine Gesundheit muss sich jedenfalls niemand machen, der Leitungswasser trinkt. Die Wasserversorger garantieren eine einwandfreie Qualität bis zum Hausanschluss, außerdem ist Leitungswasser das am strengsten kontrollierte Lebensmittel in Deutschland.