Testfeld für autonomes Fahren am Ostring in Karlsruhe. | Foto: KIT

Testfeld in Karlsruhe

Das autonome Fahren und seine Folgen

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Über neun Monate hat das Testfeld „Autonomes Fahren Baden-Württemberg“ (TAF BW) auf dem Buckel. Die Strecke durch die Stadt Karlsruhe wird vom Testfeldkonsortium mittlerweile stark frequentiert, um die Mobilität neu erfinden zu können.

Doch wie wirkt sich das „Reallabor“ auf den Verkehr und die Technologien auf der Testschleife (Ostring, Haid-und-Neu-Straße, Wolfartsweierer Straße und Südtangente) aus? Was bedeutet das in den realen Straßenverkehr integrierte Testfeld für die Gesellschaft? Und welche rechtlichen Fragen ergeben sich? Mit diesen Fragen befassen sich Wissenschaftler im Projekt „bwirkt“.

Forscher untersuchen Auswirkungen auf den Verkehr

Aus ihren Erkenntnisse wollen sie Handlungsempfehlungen für Wissenschaft, Industrie und Politik ableiten. Die KIT-Forscher untersuchen vor allem die Auswirkungen auf den Verkehr. „Wenn in Zukunft mehr und mehr autonome Fahrzeuge unterwegs sind, wirkt sich das voraussichtlich auf das Verkehrsverhalten der Menschen und auf den Straßenverkehr selbst aus. Diese Entwicklung müssen wir abschätzen und darauf reagieren können“, sagt Martin Kagerbauer vom Institut für Verkehrswesen (IfV), der das Projekt seitens des KIT leitet. „Deshalb untersuchen wir anhand der laufenden Projekte auf dem Testfeld die Folgen des automatisierten und vernetzten Fahrens für die Verkehrsnachfrage und den Verkehrsfluss.“

Unter anderem wollen die Wissenschaftler des IfV herausfinden, ob sich das automatisierte Fahren auf die Zahl der Fahrten sowie Fahrtweiten auswirkt und ob sich die Fahrtziele oder die Wahl der Verkehrsmittel verändern. Dazu nutzen sie die am IfV entwickelte Software „mobiTopp“, mit der sich die Personen-Verkehrsnachfrage simulieren lässt. Die Auswirkungen auf den Verkehrsfluss untersucht das Team beispielsweise anhand der Daten der Sensoren, die auf der Teststrecke installiert wurden, um Abstandsverhalten, Kapazität und Zeitlücken zu ermitteln. Hinzu kommen weitere Messungen auf dem TAF BW.

Als Koordinator von „bwirkt“ übernimmt das FZI Forschungszentrum Informatik, ein Innovationspartner des KIT, die Aufgabe, für die Begleit- und Wirkungsforschung ein Konzept zu entwickeln. Zudem wird das FZI technologische, organisatorische und datenschutzrechtliche Aspekte des Testfelds analysieren und bewerten. FZI-Vorstand Johann Marius Zöllner erklärt: „Aus den daraus resultierenden Erkenntnissen werden wir Forschungs- und Ausbaubedarfe ableiten und als zielgruppenspezifische Empfehlungen in die Öffentlichkeit bringen.“

Drei Jahre Zeit

Das Projekt „bwirkt“ hat eine Laufzeit von 36 Monaten und endet am 31.12.2021. Das Ministerium für Verkehr Baden-Württemberg fördert es mit 300 000 Euro. Das FZI übernimmt die Leitung des Forschungsvorhabens und arbeitet in dem Projekt gemeinsam mit dem KIT und der e-mobil BW. Inzwischen sind auch fünf Forschungsprojekte des Landes-Forschungsförderprogramms „Smart Mobility“ mit einem Volumen von insgesamt circa 2,5 Millionen Euro angelaufen, die das Testfeld nutzen.

Hinzu kommt das vom Bundesministerium für Verkehr und Infrastruktur (BMVI) mit ebenfalls rund 2,5 Millionen Euro geförderte ÖPNV-Projekt „EVA-Shuttle“. Hierbei handelt es sich um ein Rufbussystem in der Fläche und als Zubringer zur Bahn.

Erste Tests mit Bussen sollen 2020 kommen

„Die ersten Kleinbusse, die Fahrgäste automatisiert und ohne Fahrer transportieren können, werden in Karlsruhe wohl erst Ende des Jahres oder Anfang 2020 getestet,“ so Nicolas Lutterbach von der Betreibergesellschaft KVV. Noch befindet sich das Projekt in der Vorphase. Momentan läuft das Ausschreibungsverfahren für die Produktion der Spezialbusse. Laut KVV ist es bisher auf der Teststrecke zu keinen Unfällen mit Testfahrzeugen gekommen. Der reguläre Verkehr bekommt von den unauffälligen Tests meist nichts mit, und ein Großteil der Forschung wird auf Prüfständen und an Simulatoren erledigt. „Insofern ist die landläufige Vorstellung von einer Flut an Testwagen auf der Strecke eh falsch“, so Lutterbach. Derzeit dürfen laut „Wiener Abkommen“ autonom fahrende Fahrzeuge nur unter der ständigen Aufsicht eines Fahrers auf einer öffentlichen Straße betrieben werden. Er überwacht die programmtechnischen Entscheidungen des Fahrzeugs und greift bedarfsgerecht in das Fahrgeschehen ein.