Das Hochhaus der Landkreisverwaltung in Karlsruhe könnte einen "Bruder" bekommen und dann abgerissen werden. | Foto: Hora

Neubaupläne des Landratsamtes

Das doppelte Hochhaus

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Es dürfte eine spektakuläre Szenerie sein: Das aktuelle Gebäude des Landratsamtes Karlsruhe im Herzen der Fächerstadt, 70 Meter hoch, und gut 30 Meter daneben steht ein noch neu zu bauendes, ebenfalls 70 Meter hohes Gebäude – das neue Landratsamt. Dort sollen ab etwa 2025 die Mitarbeiter der Kreisverwaltung unterkommen. Das alte Gebäude aus den sechziger Jahren wird dann abgerissen. Die Karlsruher Hochhäuser könnten vorübergehend und befristet in den Jahren 2025/2026 zu besichtigen sein. Könnten. Noch ist nichts abschließend entschieden. Die Planung des Landkreises, mitten in der Stadt das eigene Domizil zu verändern, befindet sich im Status einer Potenzialstudie. Die allerdings soll ab dem neuen Jahr mit hoher Dynamik weiterverfolgt werden, nachdem der Kreistag beschlossen hat, „entsprechend den Ergebnissen der Potenzialstudie ein neues Hochhausgebäude mit zusätzlichen Nutzflächen und Tiefgarage zu errichten“. Fragen und Antworten zum Thema.

 

INF_Landratsamt

 

Was hat es mit den Plänen des Landkreises Karlsruhe in Karlsruhe genau auf sich?

Die Landkreisverwaltung muss ihr bestehendes Gebäude aus vielen Gründen generalsanieren. Das wurde geprüft. Das Hochhaus müsste dafür quasi bis auf die Grundmauern abgebrochen werden. Würde man dies weiterverfolgen, hieße das, man müsste mehrere hundert Mitarbeiter für einige Jahre andernorts unterbringen. Gibt es andere Lösungen? Der Kreistag ließ die Verwaltung das durch eine Potenzialstudie untersuchen. Deren Ergebnis sieht nun vor, neben dem vorhandenen ein neues Hochhaus zu bauen, die Mitarbeiter in dieses wechseln zu lassen und danach das alte Hochhaus abzubrechen. Die Studie schlägt auch den Abbruch des Langgebäudes an der Kriegsstraße und dessen größeren Neubau vor.

Das Hochhaus im Karlsruher Stadtzentrum steht aber doch unter Denkmalschutz …

Da muss man genauer hinsehen. Was steht unter Schutz? Nicht das Hochhaus an sich. Unter Schutz stehen die Fassade und die „Büroarchitektur“ der sechziger Jahre. Nach Angaben von Landrat Christoph Schnaudigel wurde das Thema Sanierungsbedarf für das Hochhaus mit dem Denkmalamt besprochen. Ergebnis: Die Sanierung erfordert in der Tat den Rückbau bis auf die Grundmauern. Damit wäre keine schützenswerte Substanz mehr vorhanden. Zu deutsch: Der Schutz erlischt, das Gebäude kann abgebrochen werden. Die Arbeitsgemeinschaft Karlsruher Stadtbild plädiert für den Erhalt des Gebäudes. Seitens der baurechtlich zuständigen Stadt Karlsruhe gibt es freilich auch Hinweise, dass das Denkmal faktisch nicht zu erhalten sei.

Jetzt ist aber dieses Hochhaus doch sehr stadtbildprägend?

In der Tat. Deswegen ging es in der Potenzialstudie auch darum, diese Silhouette irgendwie zu erhalten. Das Ergebnis ist der Vorschlag mit dem Neubau eines Hochhauses gleich neben dem alten sowie dessen anschließenden Abbruch.

Für das Vorhaben werden 100 Millionen Euro genannt. Reicht das?

Auch hier muss man genau hinsehen. In den 100 Millionen ist nach Angaben des Landrats lediglich enthalten, dass die vorgegebene Kubatur, die der vorhandenen entspricht, dargestellt wird. Dazu kommt der Abriss der bestehenden Gebäude und der Bau der Tiefgarage. Je nachdem, was auf dem Areal insgesamt entsteht, ergibt sich ein Preisband zwischen 90 und 120 Millionen Euro.

Wie ist der weitere Verlauf des Projekts gedacht?

Im neuen Jahr soll die Stadt Karlsruhe einen städtebaulichen Wettbewerb ausschreiben. Der Landkreis wird zeitnah den Abbruchantrag für das Hochhaus vorbereiten. Geplant ist seitens des Landkreises, nach dem Abschluss des städtebaulichen Wettbewerbs für seinen Eigenbedarf in einen Architektenwettbewerb zu gehen.

Und dann?

Dann kann das umgesetzt werden, was den Zuschlag erhält. Wenn man die Zeitachse für die Potenzialstudie nähme, hieße das, dass 2020/2021 zunächst der Langbau an der Kriegsstraße abgerissen wird. Die dort tätigen Mitarbeiter müssen umziehen. Ob und wohin sie zurückkehren, ist noch offen – das hängt ganz davon ab, was letztlich beschlossen wird. Der Landkreis betont, dass es sich bei den vorliegenden Plänen um eine Potenzialstudie handele, die entstand, als noch nicht klar war, dass das Karlsruher Grundstück Ecke Ettlinger Straße/Kriegsstraße in die Gesamtüberlegungen mit einbezogen wird. Die endgültige Kubatur werde sich erst nach dem städtebaulichen Wettbewerb ergeben.

Gibt es da keinen Konflikt mit dem Umbau der Kriegsstraße für die Kombilösung der Stadt Karlsruhe?

Laut Landrat Christoph Schnaudigel ist dies nach Auskunft der Baufachleute nicht der Fall.

Wie geht es weiter?

Zwischen 2022 und 2025 könnte das neue Hochhaus etwas östlich versetzt neben dem alten Hochhaus entstehen.

Das funktioniert?

Das hat der Landrat im Vorfeld auch gefragt. Die Bauexperten sagen ihm, dass das geht. Wenn das neue Hochhaus steht, kann das alte „abgetragen“ werden. Der Begriff ist fast wörtlich zu verstehen. Da kommt keine Abrissbirne. Das Ganze muss angesichts der Umgebungsbebauung, etwaigen Schadstoffen und Materialtrennung behutsam vonstatten gehen.