Orientierung bei der Wohnungssuche bieten auf dem Campus Süd des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) etwa das Studierendenwerk und der Allgemeine Studierendenausschuss (AStA). | Foto: Jörg Donecker

Wohnungssuche bei Studenten

Das ein oder andere Zimmer ist noch frei

Zwei Wochen vor Beginn der Vorlesungszeit am 16. April ist der KIT-Campus noch dünn besiedelt. Vereinzelt sitzen junge Leute in den Cafés. Ein Student zieht einen Rollkoffer in Richtung Wohnheim am Klosterweg. Wie er werden in diesen Tagen viele aus den Osterferien in ihre studentische Bleibe zurückkehren.

Wer noch auf der Suche nach einem Wohnheim- oder WG-Zimmer ist, hat zumindest bessere Chancen als im Herbst: Die Situation auf dem Wohnungsmarkt sei derzeit relativ entspannt, erklärt René Stephan, Sprecher des Studierendenwerkes Karlsruhe. „Zum Wintersemester war das schon oft hochdramatisch“, sagt Stephan. Damit sei das Sommersemester nicht vergleichbar.

Auch im Vergleich mit anderen Hochschulstädten in Baden-Württemberg steht Karlsruhe – noch – gut da: Nach einer Studie im Auftrag des Immobilienentwicklers GBI von September 2017, die den Grad der Anspannung auf dem studentischen Wohnungsmarkt in 91 deutschen Hochschulstädten misst, sind Stuttgart, Freiburg, Tübingen und Konstanz in den Top Ten aufgelistet – Karlsruhe rangiert kurz dahinter.

Begehrte Wohnheimplätze

„Wenn man sich jetzt auf einen Wohnheimplatz bewerben würde, hätte man tatsächlich noch Chancen, ein Zimmer zu bekommen. Das ist im Wintersemester nicht der Fall“, erklärt Stephan. Bis zu sechs Monate im Voraus können Bewerber ein Wohnheimzimmer beantragen, zum Preis zwischen 170 und 350 Euro im Monat – je nach Größe. Das sei im Sommersemester einfacher, da zu dieser Zeit weniger Neuankömmlinge an die Unis strömten und gleichzeitig viele nach ihrem Abschluss auszögen.

Für die rund 30 000 Studierenden an Karlsruher Hochschulen bietet das Studierendenwerk derzeit 2 282 Wohnheimplätze an, dazu kommen 2 111 Zimmer in den zehn Wohnheimen anderer öffentlich geförderter Träger wie etwa dem Hans-Dickmann-Kolleg (HaDiKo). Dort können im Wintersemester in Notfallbetten übergangsweise auch Studenten kurzfristig unterkommen. Das sei im Wintersemester 2017/18 nicht nötig gewesen, komme aber vor, so Stephan.

Suche am Schwarzen Brett

Das Studierendenwerk hilft auch bei der Suche nach privaten Unterkünften. Am Schwarzen Brett im Studentenhaus etwa hängen Angebote für Wohnungen und Zimmer in Wohngemeinschaften aus. Nicht nur im Stadtgebiet, auch in der umliegenden Region gibt es Zimmer zu mieten. Ziemlich ratlos steht dennoch das Ehepaar Schneider aus Straßburg vor den Angeboten. Sie suchen ein Zimmer für ihre Tochter, die für vier Monate ein Praktikum macht.

„Wie weit ist Ettlingen entfernt? Gibt es da eine gute Zugverbindung?“ – solche Fragen sind für Suchende von außerhalb schwer zu beantworten. Die beiden Franzosen fragen sich zudem: „Sind Angebote für Wohngemeinschaften überhaupt seriös?“ Denn in Frankreich sind Studenten-WGs viel weniger üblich als in Deutschland.

AStA gibt Insider-Tipps

Der Allgemeine Studierendenausschuss (AStA) ist ebenfalls eine Anlaufstelle für Wohnungssuchende auf dem Campus des KIT. Viel habe sich da zuletzt aber nicht getan, erklärt der AStA-Vorsitzende Mohammad Al Kaddah. „Aktuell haben wir noch nichts gehört“, sagt er. Den Weg in den AStA-Container neben der Mensa fänden wohnungssuchende Studenten meistens über die Fachschaften zu Semesterbeginn.

„Wir geben dann Informationen und Tipps, wo man noch suchen kann“, sagt Al Kaddah. Entsprechende Internetportale, aber auch Inserate in der Zeitung etwa: „Oft sind die Chancen sogar besser, wenn die Angebote nur in der Zeitung und nicht im Internet zu finden sind.“ Auch eine Such-Anzeige in der Zeitung könne helfen: Oft meldeten sich daraufhin Vermieter, die ihr freies Zimmer gar nicht von selbst inseriert hätten.

Bedarf bleibt hoch

An die Eigentümer freien Wohnraums appelliert auch René Stephan vom Studierendenwerk: „Es wäre sinnvoll, dass private Vermieter uns weiterhin Wohnraum melden“, sagt René Stephan. Die Lage am Markt könne sich schnell wieder verändern: „Spätestens ab August ist der Bedarf wieder hoch.“

Zum Wintersemester werde es auch wieder eine Kampagne in Zusammenarbeit mit dem Stadtmarketing geben, um auf die Wohnungsnot der Studenten aufmerksam zu machen.

Einen Kommentar zum Thema gibt es hier.