Ettlinger Tor
STADTENTWICKLUNGSLAND: Über die Zukunft des Ettlinger Tors brüten vier Stadtplanungsbüros. Dabei geht es vorrangig um die Südwestseite mit der Freifläche in städtischer Hand sowie rechts daneben den möglichen Neubau des Landratsamts. | Foto: jodo

Karlsruher Stadtplanungprojekt

Das Ettlinger Tor ist in der Werkstatt

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Die Werkstatt für die Zukunft des Ettlinger Tors ist eingerichtet. 250 Interessierte aus Bürger- und Architektenschaft haben sich geduldig von sechs Protagonisten des großen Städtebauprojekts in aller Ausführlichkeit Ausgangslage, Unsicherheiten und Wünsche zur Gestaltung der neuen Mitte Karlsruhes erklären lassen.

Große Hoffnungen

Am Kreuzungspunkt der U-Strab unter Weinbrenners via triumphalis und dem Autotunnel unter einem bald urbanen Boulevard Kriegsstraße fliegen die Hoffnungen der Planer von Stadt und Kreis hoch. Auslöser ist der vom Landkreis angestrebte Abriss seines 70 Meter hohen Hochhauses. Die ehemalige Badenwerk-Zentrale von 1965 gilt als stark sanierungsbedürftig und wegen immensen Aufwands als wirtschaftlich nicht mehr sanierungsfähig. Dabei steht diese Landmarke in der City unter Denkmalschutz.

Darf Hochhaus abgerissen werden?

Derzeit ist offen, ob die Denkmalschutzbehörden einem Abriss per Ausnahmegenehmigung zustimmen beziehungsweise wie die Petition von Bürgern beim Land für den Erhalt des Gebäudes ausgeht. Trotz dieses schwebenden Verfahrens forcieren die Stadt und der Landkreis den Werkstattprozess mit vier international renommierten Expertenteams, darunter Koryphäen der Stadtplanung aus Berlin, Rotterdam und Zürich. Es ist völlig unklar, was die Werkstatt produziert und was dann überhaupt daraus werden kann.

Die Stadt will auch bauen

Immerhin ist deutlich, dass die Stadt ihr unbebautes Grundstück direkt an der Südwestecke des Ettlinger Tors einbringt. Im Rathaus kann man sich gut ein zweites anspruchsvoll gestaltetes Hochhaus auch für eigene Ämter, Läden, Restaurants und Wohnungen neben einem neuen Landratsamtturm vorstellen. Es geht also um einen städtebaulichen Akzent mit ein, zwei neuen Wolkenkratzern auf Karlsruher Höhenniveau auf der Südseite der Kriegsstraße zwischen Ettlinger Tor und dem geplanten Hotel „Motel One“ gegenüber vom Nymphengarten.

Über den Tellerand

Alle Nachfragen von Bürgern und Experten über diesen sehr weiten Rahmen für die Kernaufgabe der Planungswerkstatt hinaus können OB Frank Mentrup und Baubürgermeister Daniel Fluhrer derzeit nur vage beantworten. Natürlich dürfen die Werkstattmeister auch über den Tellerrand hinausschauen und das Ettlinger Tor als das neue Herz der Stadt von allen Seiten auf seine städtebaulichen Möglichkeiten abklopfen. Dabei fällt der Blick vor allem auf die andere Seite der Ettlinger Straße. Dort ziert heute der Kombi-Pavillon „K.“ die Ecke mit viel Freifläche bis zum Staatstheater, das sich allerdings bald enorm erweitern darf.

Bürger machen mit

Die vier Planungsbüros von Weltniveau bleiben nun in der Werkstatt im Streit um einen gemeinsamen Lösungsvorschlag an zwei Terminen keineswegs alleine. 600 000 Euro lässt man sich deren Arbeit in einem halben Jahr kosten. In einem Begleitgremium sind die üblichen Vertreter der Karlsruher Politik und Fachwelt vertreten. Dazu kommen auch vier Bürger für die Transparenz des Verfahrens. Je zwei aus der Nachbarschaft und aus der ganzen Bürgerschaft werden unter den in einer Box gesammelten Namen von Interessierten ausgelost.

Finale im Juli

Zum Abschluss gibt es am 3. Juli erneut ein Bürgerforum. „Dort stellen die Planungsbüros ihre finalen Szenarien und die aus ihrer Sicht beste Entwicklungsoption vor“, erklärt die Stadt.