Spikey und sein Dosenöffner: Dieses Foto kostete eine gewisse Überredungskunst, Mario Ludwigs grauer Kater posiert nämlich nur für Fotografen, wenn er wirklich Lust hat. Letztlich genoss er es aber, im Mittelpunkt zu stehen. | Foto: jodo

Neues Buch von Mario Ludwig

Das flauschige Unterhosen-Model

Der Protagonist des Buches thront auf dem Balkon und hat alles im Blick. 18 Jahre alt ist das graue Fellknäuel. „Aber immer noch fit und hinter den Mädels her“, sagt Mario Ludwig und lacht. Der Karlsruher Biologe und Tierbuchautor hat seinem Kater Spikey sein neues Buch gewidmet. „Mein Leben als Dosenöffner“ heißt es, ab Montag, 11. Juni, wird es in den Buchhandlungen zu kaufen sein. In amüsanten Anekdoten berichtet Ludwig darin von seinem Leben als Katzenbesitzer. Eine weitere zentrale Rolle in den Dosenöffner-Geschichten spielt auch Katze Pünktchen. Seit deren Tod ist Spikey der Herr im Haus – gewissermaßen.

Spikey und der Weihnachtsbaum

„Das sagt man doch so: Hunde haben ein Herrchen und Katzen gut ausgebildetes Personal“, sagt Ludwig selbstironisch. Und genau so sind auch die Katzengeschichten, die er aufgeschrieben hat. Seine liebste handelt von Spikey, dem Weihnachtsbaum-Fanatiker. Der Kater liebt Weihnachten – in erster Linie wegen des Baumes. Gerne erklimmt er ihn („Mittlerweile binden wir den Baum fest, dass er nicht umfällt“, sagt Ludwig. „Er ist besser gesichert als Fort Knox.“). Die Kugeln sind Spikeys liebstes Spielzeug. Nachdem alle (historischen) Glaskugeln von ihm zerstört wurden, greifen Ludwig und seine Frau auf günstige aus dem Baumarkt zurück. Die Krippenfiguren sind ebenfalls nicht sicher vor dem grauen Kater: Hingebungsvoll kaut er Maria und Josef immer wieder die Köpfe ab.

Liebe auf den ersten Blick

Spikey kaut übrigens nur, worauf er möchte. Ein selbst gebasteltes Hexenhaus aus Katzenleckerlis verschmähte der Kater – ebenso wie Futter, „das länger als drei Stunden in seinem Fressnapf liegt“, sagt Ludwig und lacht. Generell sei Spikey beim Essen wählerisch und ändere regelmäßig seine Vorlieben.
An Katzen mag Biologe Ludwig besonders die Ambivalenz: Einerseits seien sie schmusig und verspielt, andererseits aber auch völlig eigenständig. „Sie haben ihren eigenen Kopf“, so der 60-Jährige, der Spikey schon als Babykatze adoptiert hat. „Das war Liebe auf den ersten Blick.“

Die Zeit der epischen Schlachten ist vorbei

Diese Liebe findet auch in Ludwigs Wohnung Niederschlag. Überall sieht man Katzen: Als Figuren in der Küche oder im Bücherregal, als Türstopper vor der geöffneten Balkontür, hinter der Kater Spikey thront. Auch als rüstiger Rentner ist der 18-jährige Katzenmann noch viel draußen. „Epische Schlachten“ mit anderen Katzen liefert er sich aber nicht mehr. „Das schont die Nerven – und den Geldbeutel“, sagt Dosenöffner Ludwig. Früher war er mit seinem flauschigen Freund nach solchen Schlachten häufig beim Tierarzt.
Auch davon handelt das Buch. Und von den vielen weiteren Herausforderungen, mit denen sich ein Katzenbesitzer konfrontiert sieht. Mit der Anschaffung eines Katzenklos zum Beispiel. Da gebe es alles, von der Designertoilette für 300 Euro über das selbstreinigende Klo bis hin zum Standardmodell (das es im Hause Ludwig letztlich auch wurde).

Schlau? Eher nicht so sehr

Auch immer wieder schön sind die Geschichten von Spikey, dem Unterhosen-Model. „So nennen wir ihn, weil er zwar gut aussieht, aber nicht der Schlauste ist“, sagt Ludwig – und meint das durchaus liebevoll. Beispiele gefällig? „Fliegt eine Taube in zehn Metern Höhe über Spikeys Kopf, dann springt er nach ihr“, verrät Ludwig. Dass man als Katze Mäuse fressen kann, habe Spikey bis heute nicht kapiert. Und wenn er mal eine nach Hause bringe, sei die mit großer Wahrscheinlichkeit nicht selbst gefangen. „Wie mir mehrere Nachbarn erzählt haben, nimmt er die Mäuse den anderen Katzen einfach weg“, sagt der Autor. „Über eine gewisse kriminelle Intelligenz verfügt er also auch.“

Mario Ludwig: Mein Leben als Dosenöffner. Aus dem Alltag eines Katzenbesitzers. ISBN: 38 06 23 76 70, 176 Seiten, 18 Euro.